Süd - Indien - Radreise

3.11.2010 - 31.12.2010

3.11.2010

Beim Check-In in Wien stellen wir fest, daß unsere beiden Räder inkl. dem gesamten Reisegepäck 49 kg wiegen. Unser Gepäck haben wir zu den Rädern dazugepackt und daher weiß die Dame am Schalter nicht, ob sie uns die Räder als Sportgerät verrechnen muß oder nicht. Da sie ihre Vorgesetzte nicht erreichen kann, müssen wir nichts bezahlen.

Nach 7,5 Stunden Flugzeit mit der AUA landen wir um 0,55 Uhr (22 Grad) in Delhi. Mit dem Shuttlebus wechseln wir zum einigen Kilometer entfernten nationalen Flughafen und müssen neu einchecken. Wir haben 5 1/2 Stunden Aufenthalt. Nach einer Nacht ohne Schlaf geht es dann um 7 Uhr weiter nach Chennai.

 

4.11.2010 Delhi - Chennai, 2,20 Std. Flugzeit, 29 km vom Airport zum Hotel, 2 Std. Fahrzeit, 30 Grad, leicht bewölkt

Beim Check-In herrscht richtiges Chaos. Die Inder stellen sich nicht gerne in der Reihe an u. versuchen sich immer wieder vorzudrängen. Für die vielen Passagiere waren zuwenig Schalter offen. Als wir nach 1 Stunde endlich an der Reihe sind, werden wir zu einem anderen Schalter geschickt, da die Räder zu groß sind. Nach einer langen Sicherheitskontrolle werden wir sofort zum Flugzeug gebracht. Am Flugfeld geht es genauso chaotisch zu. Viele Autos, Menschen u. dazwischen rollen die Flugzeuge durch. Die 2 1/2 Stunden Flug verschlafen wir beide fast zur Gänze. Beim Aussteigen erleben wir den ersten Hitzeschock; 30 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Darum entschließen wir uns, die Räder gleich in der vollklimatisierten Ankunftshalle zusammen zu bauen.

Aus den laut Reiseführer 16 Kilometer ins Zentrum werden 29 Kilometer, weil wir irgendwo falsch abgebogen sind. Der Linksverkehr bereitet uns keine Probleme, doch an das hektische Treiben auf der Straße und das ständige Hupen müssen wir uns erst gewöhnen, Es herrschen keine Regeln u. es gilt das Gesetz des Stärkeren. Nach oftmaligen Fragen finden wir endlich das Hotel, das wir uns vorher ausgesucht haben. Das Zimmer mit Dusche, WC und TV kostet für uns beide zusammen umgerechnet Euro 6,50 (leider ohne Toilettepapier! Die Inder benutzen die linke Hand und auf den Toiletten gibt es überall eine Handdusche). Wir wir dann auch feststellen müssen, gelingt es uns nicht, irgendwo Toilettepapier zu kaufen.

Auch beim Versuch Geld in den Banken zu wechseln haben wir Probleme. Obwohl der Wächter am Eingang uns an einen Schalter verweist, teilt man uns erst nach einer 1/2 stündigen Wartezeit in der Schlange mit, daß wir in eine Wechselstube müssen. Unser Rezeptionist ist aber sehr freundlich und hilfsbereit u. schickt einen Freund zum Wechseln u. besorgt uns sogar WC-Papier!

Nach einer angenehmen, ausgiebigen Dusche erkunden wir die nähere Gegend ohne Rad. Mit einer Motorrad-Rikscha lassen wir uns in halsbrecherischer Fahrt zum Strand chauffieren. Ein tolles Erlebnis am Strand - tausende Inder und wir! Bis jetzt haben wir, außer am Flughafen, noch keine Touristen gesehen u. wir kommen uns wie Exoten vor. Einige bitten uns, Fotos mit uns machen zu dürfen. Die Inder gehen mit der normalen Straßenkleidung ins Wasser; die meisten aber nur bis zu den Knien, da sie nicht schwimmen können.

 

5.11.2010 Chennai - Kanchipuram, 78 km,32 Grad, schwül

 

Die Nacht war kurz und laut. Die Inder feiern heute das Lichterfest u. das größte Fest des Jahres. Es geht schlimmer zu als bei uns zu Sylvester. Sie haben die ganze Nacht Knallkörper u. Raketen gezündet. Frühstück gab es an einem Straßenstand: Chai (Tee mit aufgeschäumter Milch, Ingwer u. viel, viel Zucker) und Milchbrötchen. Das frühe Aufstehen hatte den Vorteil, daß es noch nicht so heiß war u. der Verkehr sich in Grenzen hielt. So konnten wir relativ schnell die stickige Großstadt Chennai (6,5 Mio Einwohner) verlassen. Fast den ganzen Weg nach Kanchipuram fuhren wir auf einer mautpflichtigen Schnellstraße. Aber trotzdem kamen uns immer wieder Motorrad- und Radfahrer auf dem Pannenstreifen entgegen.

 

Kanchipuram ist eine der 7 heiligsten Städte des Subkontinents für 2 hinduistische Religionsgruppen. Das ganze Jahr über strömen Pilger hierher. Nach unserem ersten richtig indischen Mittagessen (Biriyani mutton; Reis mit Safran, Gewürzen u. Hammelfleisch - sehr scharf) liefen wir noch 2 Stunden durch die Stadt und besichtigten die wichtigsten Tempel. Die Tempel darf man nur ohne Schuhe betreten u. drinnen läuft man oft auf sandigen Wegen.

 

6.11.2010, 195 km, Fahrzeit 8,49 Stunden, bedeckt 28 Grad

 

Unser nächstes Ziel für Besichtigungen ist Bangalore. Da wir die 280 Kilometer bis dahin nicht an einem Tag schaffen, sind wir früh aufgestanden um am ersten Tag möglichst weit zu kommen. Da es bedeckt war u. nicht zu heiß, sind wir am Anfang gut vorangekommen. Wir sind die ganze Strecke am gut asphaltierten Highway gefahren, um nicht auf den Nebenstraßen in jedem Ort nach dem Weg fragen zu müssen.

 

Um 10 Uhr hatten wir schon richtig Hunger, sodaß wir an einem vegetarischen Straßenrestaurant anhielten. Wir sind ganz überrascht wie gut vegetarisches Essen schmeckt.

Die Strecke auf den letzten 2 Stunden wurden hügelig und kostete uns schon ziemlich Substanz. Gerhard hat sich den Tag schlecht eingeteilt u. schwächelte auf den letzten 30 Kilometern. Besonders nerven die unzähligen Motorradfahrer, die nebenher fahren und sich unterhalten oder mit ihren Handys fotografieren wollen.

Am Abend begaben wir uns noch auf die Suche nach einer Apotheke, um unseren Salzhaushalt wieder auszugleichen. Auf natürlichem Weg (Bier) geht es leider nicht, da es keines gibt!

 

7.11.2010 Krischnagiri - Bengalore, 95 km, 5,27 Stunden, regnerisch, 23 Grad

 

Beim Wegfahren um 7 Uhr hat leichter Nieselregen eingesetzt. Trotz der gestrigen langen Etappe fühlten wir uns ganz gut. Die heutige Strecke war ein ständiges rauf und runter, jedoch mit keinen steilen Anstiegen. Neben der Straße befinden sich öfters richtige Müllhalden. Je weiter wir uns Bengalore nähern ändert sich auch die Umgebung. Der Schmutz wird weniger, neben der Straße befinden sich Reisfelder und Palmenhaine. Hier sind viele Fabriken und Industrieanlagen von internationalen Firmen vertreten.

 

Nach unserer Mittagsrast begann es richtig stark zu regnen u. wir mußten die letzten 2,5 Stunden im zeitweise sehr starken Regen zurücklegen. Im Zentrum der Stadt war der Verkehr chaotisch. Durch die vielen Wasserlacken auf der Straße sah man auch die unzähligen, riesigen Löcher nicht.

Bangalore ist eine moderne, verwestlichte Stadt mit 8 Mio Einwohnern und liegt 1.000 m über dem Meer, dadurch herrscht ein angenehmes Klima. Es gibt Designerboutiquen, internationale Restaurants, Kaffeehausketten à la Starbucks und BIER! Da es keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten gibt, zog es uns bei Starkregen von einem Lokal ins andere.