Argentinien - Uruguay - Antarktis - Chile - Osterinsel

29.11.2009 - 25.12.2009

Fotogalerie - Argentinien, Chile

Fotogalerie - Antarktis

30.10.2009, Buenos Aires
Nach einer extrem langen Anreise (27 1/2 Std. Wien-Madrid-Santiago de Chile-Buenos Aires) sind wir endlich am Ziel angelangt.
Bereits beim Aussteigen aus dem Flugzeug trieb es uns aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und 31 Grad den Schweiß aus allen Poren.

Der voraus gebuchte Abholservice ins reservierte Hostel klappte ausgezeichnet.

Da wir mitten im Zentrum wohnen trieb es uns gleich auf die Straße.
Der erste Eindruck von Buenos Aires wirkt sehr europäisch. Zahlreiche Kaffeehäuser, die auch in Wien stehen könnten, sowie Kolonialbauten prägen das Zentrum. In den Straßen herrscht ein hektisches Treiben. Am Abend wurden in einer Fußgängerzone unzählige Stände aufgebaut. Viele Künstler, Straßenmusiker u. Tangotänzer zeigten ihr Können.
Vor dem Nachhausegehen belohnten wir uns noch mit einer großen Portion Eis. Dank des italien. Einflusses ist die argent. Eiscreme besonders lecker. Die Auswahl an Geschmacksrichtungen ist riesig.  

 
31.10.2009, Buenos Aires,

Der Jetlag (- 4 Std. zur mitteleurop. Zeit) macht Gerhard wieder einmal zu schaffen. Schon ab 5 h Früh konnte er nicht mehr schlafen.
Nach einem sättigenden Frühstück machten wir uns bei leichtem Regen auf den Weg. In der Nacht hatte das Wetter umgeschlagen. Es war nicht mehr so heiß u. es regnete fast den ganzen Tag.
Bei der Touristeninformation besorgten wir uns einen Stadtplan u. erkundigten uns über das Streckennetz der U-Bahn u. Buslinien.
Da für die nächsten Tage Regen vorher gesagt ist, beschlossen wir morgen Abend mit dem Nachtbus gleich weiter in den Norden zu den Iguazu-Fällen an der brasilianischen Grenze zu fahren.
Der Busbahnhof ist 400 m lang, 3 Stockwerke hoch u. hat Buchten für 75 Busse. Es gibt unzählige Busunternehmen, die von hier aus in alle Richtungen operieren. Bei den Bussen gibt es 3 Klassen. Wir entschieden uns einmal für die mittlere Variante; mal sehen wie die versprochenen Liegesessel wirklich sind!

Unser Rundgang führte uns weiter in das Viertel Retiro, angeblich eines der edelsten von B.A. u. weiter ins Viertel Ricoleta, wo die reichen Leute wohnen. In diesem schicken u. exklusiven Viertel stechen vor allem die Nobelboutiquen u. Designerläden ins Auge.
Die wahre Touristenattraktion ist der außergewöhnliche Friedhof. Präsidenten, Kriegshelden, einflussreiche Politiker sowie die Reichen und berühmten (z.B. Evita Peron) liegen hier in riesigen, gotischen Mausolen. Es fehlt uns schwer diesen Friedhof zu beschreiben, da wir so etwas noch nie gesehen haben. Die Touristen werden in Bussen heran geschafft, man kann an Führungen teilnehmen u. es gibt sogar eine eigene Website: www.recoletacemetery.com.
Ganz in der Nähe liegt das im Reiseführer empfohlene Restaurant "Grants", in dem wir die ersten argent. Steaks versuchten. Um umgerechnet Euro 4,50 gibt es ein exzellentes, reichhaltiges u. vielfältiges Buffet. Zusätzlich kann man sich jedes Stück vom Rind aussuchen u. frisch grillen lassen; ebenso verschiedene frische Fische. Für Gerhard gab es ein riesiges Nachspeisenbuffet.
Zu all dem tranken wir ein Bier, das hier überall in Literflaschen angeboten wird, zu einem unglaublichen Preis von Euro 2,80 - Salud!

 
1.11.2009, Puerto Iguazu,
Sch.... es regnet schon wieder. Zum Glück ist es aber nicht kalt u. es hat 20 Grad. Ausgerüstet mit unseren Regenponchos spazierten wir in das Stadtviertel San Telme, eines der schönsten u. geschichtlich interessantesten Viertel. Es war einmal ein Nobelbezirk bis Ende des 19. Jhd. eine Gelbfieberepidemie ausbrach u. die Reichen ins heutige Ricoleta-Viertel abwanderten. Die schmalen Gassen mit Kopfsteinpflaster u. den niedrigen Kolonialbauten haben das Flair der guten alten Zeit bewahrt. Hier findet Sonntags immer der Antiquitätenmarkt statt, aber durch den Regen war nicht viel los. Mit dem Bus fuhren wir weiter nach La Boca. In dem Armenviertel wohnen hauptsächlich Einheimische. Im Rieseführer wird davor gewarnt nicht überall herum zu laufen, da es in diesem Viertel einige üble Ecken gibt. An der Endstation des Busses ist man aber gleich in der bekanntesten Straße des Viertels. Zum Glück hatte es in der Zwischenzeit zum Regnen aufgehört u. plötzlich tauchten auch Scharren von Touristen auf. Die Häuser sind in bunten Farben bemalt. In den Innenhöfen findet man Souvenirshops und Antiquitätenläden. Vor den Restaurants zeigen Tangotänzer ihr Können. Ein paar hundert Meter weiter steht mitten zwischen den Wohnhäusern das Fußballstadion der Boca-Juniors, dem ehemaligen Club von Diego Maradona, der hier wie ein Gott verehrt wird und überall präsent ist. In den Fanshop darf man noch gratis, doch für das Museum und das Stadium muß man Eintritt bezahlen. Rund um das Stadion haben sich die Mannschaften der jeweiligen Jahre mit Fußabdrücken verewigt.
Am Rückweg ins Hotel beschafften wir uns ein Fährticket für den 6. Nov. nach Uruguay. Das Gepäck für die nächsten 5 Tage verstauten wir in einem Rucksack (damit ich nichts tragen muß) u. den 2. Rucksack deponierten wir im Hotel. Mit der U-Bahn waren wir in 10 Minuten am Busbahnhof.

 
2.11.2009, Puerto Iguazu, sonnig, 34 Grad
Die nächtliche Busfahrt war recht angenehm. Der Komfort im "Cama"-Bus entspricht der Business-Class im Flugzeug. Zum Abendessen gab es ein 3-gängiges Menü mit argent. Wein u. zum Einschlafen noch Whisky oder Champagner.
Wir hatten so gut geschlafen, daß wir gar nicht merkten ob der Fahrer einmal gewechselt wurde. Als wir am Morgen aufwachten u. aus dem Fenster sahen, dachten wir zuerst wir fahren durch Ruanda. Neben der Straße rote Erde, in den Dörfern die Seitengassen nicht asphaltiert u. rundherum alles schön grün. Um 8 Uhr wurde das Frühstück serviert u. nach 16 Std. und 20 Min. waren wir endlich am Ziel in Puerto Iguazu, im Dreiländereck Paraguay, Brasilien, Argentinien. Mit dem subtrop. Klima, 34 Grad u. hoher Luftfeuchtigkeit hatten wir nicht gerechnet.
Gerhard hatte seine weißen Haare unter eine Kappe versteckt u. wir haben tatsächlich noch einen Jugendherbergsausweis erhalten! Auf dem in unserem Ausflugspaket enthaltenen Schlafsaal verzichteten wir jedoch u. zahlten auf ein Doppelzimmer auf.
Am Nachmittag stand schon der erste Ausflug nach Brasilien auf dem Programm. Die Grenzformalitäten für unsere Gruppe (20 Personen) dauerten 1 Stunde. Wir besuchten den Iguazu-Nationalpark. Den Eintritt konnte man in 4 Währungen bezahlen. Die Attraktion im Nationalpark sind die gigantischen Wasserfälle. Sie gehören zu den überwältigendsten Naturschauspielen unserer Erde und sind von brasilianischer u. argentinischer Seite aus jeweils völlig unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Auf dem 1,5 km langen Wanderweg hatten wir nach jeder Wegbiegung einen noch umwerfenderen Blick auf die Fälle. Am Ende des Weges führt ein Steg auf eine Plattform hinaus. Durch die aufsteigende Gischt hat bekommt man eine Gratisdusche (bei diesen Temperaturen eine recht angenehme Abkühlung!). Wir hatten jedoch vorgesorgt u. unsere Regenparkas mit, somit waren wir die Einzigen die nicht durch und durch naß wurden. Durch den Einfall der Sonne sah man einen gigantischen Regenbogen mit 180 Grad.

Am Abend gab es ein Barbeque-Buffet mit Tangovorführung. 22 Uhr, 26 Grad, Sternenhimmel, 3 Steaks u. 5 Mojitos; gibt es was Schöneres im Leben?

 
3.11.2009, Puerto Iguazu, 35 Grad, sonnig
Um 8,15 h wurden wir zu unserer Tour in den Parque Nacional Iguazu abgeholt. Am Eingang standen schon Menschenmassen vor den Kassen. Unsere Gruppe umfaßte 25 Personen. Die Reiseleiterin begleitete uns den ganzen Tag. Zuerst fuhren wir mit einem Zug in den Park. Von dort ging es über einen 1.100 m langen Laufsteg über dn Fluß Iguazu. Dieser Steg führt zum "Teufelsschlund". Die Aussichtsplattform liegt direkt über dem mächtigen Wasserstrahl der tosend ins Bodenlose stürzt. Die Gischt vernebelt den Blick auf das Ende. Die aufsteigende Dunstfahne ist schon von weitem zu sehen.
Danach ging es eine Station mit dem Zug zurück. Von dort wanderten wir wieder über 2 Rundwege mit vielen Brücken u. grandiosen Ausblicken. Unterwegs sahen wir unzählige große u. bunte Schmetterlinge sowie große Echsen, verschiedenste Vogelarten u. Papageie. Bei der Mittagsrast in einem Restaurant waren die an Menschen gewöhnten Nasenbären sehr lästig. Durch ihre Bettelei konnte man nicht in Ruhe essen u. man mußte ständig auf der Hut sein, daß sie einem nicht anspringen.
Gerhard machte nach der Mittagsrat eine Exkursion. Er fuhr mit einem großen Allrad-Pritschenwagenb 8 km durch den Regenwald bis zum Fluß. Während der gesamten Fahrt wurden Flora u. Fauna erklärt. Von dort ging es auf einem großen schnellen Gummiboot (für 64 Pers.) zu den Wasserfällen. Beim Einsteigen bekam man neben der Schwimmweste auch noch einen wasserdichten Plastiksack um die gesamte Kleidung inkl. Schuhe darin zu verstauen. Die Fahrt ging in einem Höllentempo über die Stromschnellen bis direkt unter einen Wasserfall. Nach einer ausgiebigen Dusche fuhr das Boot weiter zu einem noch größeren, wieder direkt unter den tosenden Wasserfall. Die Leute, die nicht mitgedacht hatten u. keine Badekleidung trugen hatten Pech. Ich traute mich wegen meiner Schulter nicht teilzunehmen u. wanderte mit dem Rest der Gruppe auf einem Pfad hinunter zum Fluß, wo wir das ganze Panorama der Fälle sahen u. auch die Schnellboote beobachten konnten.
Kurz nach 17 h waren wir dann wieder im Hostel u. ließen den Tag im Pool ausklingen.

 
4.11.09, Puerto Iguazu, 35 Grad
Den heutigen Tag verbrachten wir mit Relaxen am Pool. In der Zwischenzeit gewöhnt sich unser Organismus an das extreme Klima. Aber mit den unzähligen, winzigen Sandflöhen, die speziell in die Beine beißen, kommen wir nicht klar.
Bevor wir am späten Nachmittag zum Busbahnhof aufbrachen, ereilte uns per E-Mail noch eine schlechte Nachricht aus der Heimat. Unsere gebuchte Antarktis-Kreuzfahrt wurde aufgrund eines techn. Gebrechens (das Schiff muß in de Werft) abgesagt.

   
5.11.09 - Buenos Aires, 25 Grad, sonnig
Nach 18 1/2 Std. (mit 1 1/2 Std. Verspätung) haben wir die 1.610 km zurück nach Buenos Aires mit dem Nachtbus geschafft. Vom Bahnhof liefen wir zu Fuß ins Hostel, da die U-Bahn Station von der Polizei gesperrt war. Den Grund konnten wir nicht eruieren, somit hatte Gerhard sein erstes Training im 4 km Rucksacktragen!
Unser Zimmer war noch nicht bezugsbereit u. so recherchierten wir einstweilen im Internet wegen einer Antarktis-Kreuzfahrt; hatten aber nichts passendes gefunden. Den Nachmittag verbrachten wir damit, von einem Reisebüro ins andere zu laufen. In einem Büro kamen wir an eine richtige Tussi! Nach 30-minütiger Suche im Computer bot sie uns eine Kreuzfahrt im chilenischen Seengebiet an. Von 5 Reisebüros konnte uns nur eines in der gewünschten Gegend etwas anbieten; jedoch zu einem unerschwinglichen Preis.
Als wir dann wieder zurück waren, hatten wir per Mail eine Antwort auf unsere Anfrage vom Touristenbüro in Ushuaia, dem Ausgangshafen der Kreuzfahrt, erhalten. Ein super Restplatzangebot für den 17. November. Hoffentlich klappt es!
Am Abend hatten wir dann im Hostel noch eine Mate-Tee Verkostung, das argent. Nationalgetränk. Es ist ein sehr starker grüner Tee, den man mit einem Metallstrohhalm aus kleinen Bechern schlürft. Es ist nicht unser Geschmack u. daher bleiben wir lieber beim Bier, das hier billiger ist als Trinkwasser.

   
6.11.09, Colonia, Uruguay, 24 Grad, bedeckt u. dann Regen
Der Vormittag verlief streßig (packen, frühstücken, Suche nach einem Internet-Cafe zum Ausdrucken der endlosen Formulare für die Kreuzfahrt).
Wir sind froh, daß wir unser eigenes Netbook mithaben, da es hier überall kostenloses WIFI (WLAN) gibt; aber zum Drucken braucht man dann doch ein Internet-Cafe.
Nachdem wir alles ausgefüllt, mit unserer Bank telefoniert u. den Kreditrahmen unserer Kreditkarten erhöht hatten, mußten wir noch einen Telefonladen mit Fax suchen. Das war gar nicht so einfach!
Um 11 h waren wir am Fährhafen. Die Ausreiseformalitäten aus Argentinien u. die Einreiseformalitäten nach Uruguay wurden vor der Abfahrt an einem Schalter von 2 Personen erledigt.
Um nach Uruguay zu kommen überquert man den Rio de la Plata, er ist 50 km breit; mit der normalen Fähre benötigt man 3 Stunden. Wir haben die etwas teurere Schnellfähre genommen u. waren in 1 Std. in Colonia.
Am Hafen sprach uns eine ältere Dame an u. wollte uns ein Privatzimmer vermitteln. Wir bevorzugten aber ein Hostel mit dem freien Internetzugang. Wie sich aber herausstellte war in 3 Hostels alles ausgebucht. Auch im Reiseführer wird davor gewarnt ohne Reservierung am Wochenende zu reisen.
Am Rückweg zum Hafen überlegten wir ob wir mit dem Bus gleich weiter nach Montevideo fahren sollten. Durch Zufall trafen wir die Dame noch einmal u. nahmen ihr Angebot gerne an. Wir waren zwar etwas skeptisch, da sie uns zu einem um die Ecke geparkten Auto brachte u. uns ihren Mann vorstellte. Wir fuhren mit ihnen ein paar hundert Meter u. bekamen dann ein eigenes Kolonialhaus (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad) für uns alleine um USD 20,--. Auch 2 Räder standen uns zur Verfügung, doch traute ich mich wegen meiner Schulter nicht zu fahren. Fast überall in der Altstadt gibt es Kopfsteinpflaster. Die Familie wohnt im Nebenhaus u. wir konnten am Abend den Internetanschluß benutzen.
Das historische Colonia wurde 1860 von den Portugiesen gegründet u. zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Den Reiz der malerischen Altstadt trübte jedoch der Regen der in der Zwischenzeit einsetzte. So flüchteten wir in eines der zahlreichen Restaurants. Der gegrillte Fisch mundete ausgezeichnet.

 
7.11.09, Colonia - Montevideo, 180 km, 17 Grad, bedeckt
In der Nacht hat es stark abgekühlt; der Wind ist eiskalt - ein Vorgeschmack auf Patagonien.
Zum Frühstück bekamen wir von unserem Vermieter ganz stolz Kaffee aus Brasilien. Hier in Uruguay sind die Leute ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.
Am Busbahnhof angekommen hatten wir Glück, daß 10 min. später der Bus nach Montevideo abfuhr. Für die 180 km in die urug. Hauptstadt benötigten wir 3 Std. Der Angestellte der Touristeninformation am Busbahnhof war sehr freundlich u. versorgte uns mit allenb nötigen Infos.
Wir fuhren weiter direkt ins Zentrum u. begaben uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Aufgrund einer großen Baseball-Veranstaltung waren alle Hostels ausgebucht u. fanden dann schließlich in einem Hotel ein Zimmer.
Montevideo ist die größte Stadt des Landes u. erstreckt sich ca. 20 km von West nach Ost. Im historischen Zentrum der Stadt wurde das alte Marktgebäude am Hafen restauriert u. gehört für jeden Montevideo-Besucher zum Pflichtprogramm. Im Inneren reihen sich Parillas (Grillrestaurants) dicht an dicht aneinander. Die Konkurrenz ist groß u. so prahlt jeder mit seinen unglaublich langen Rosten mit Grillfleisch u. Grillgemüse. Wir bestellten uns eine Parillade. Das ist ein Riesenfleischberg mit Würsten, Hähnchen, Spareribbs, Steaks u. Innereien - eine richtige Cholesterinbombe. Ich glaube soviel Rindfleisch haben wir das ganze Jahr nicht gegessen!
Nachdem wir alle Sehenswürdigkeiten abgelaufen waren fuhren wir noch zu einem Einkaufszentrum, das im 1. Stock des Busterminals ist. Bei der Gelegenheit kauften wir auch gleich die Tickets für den morgigen Ausflug nach Punta del Este.

  
8.11.09, Montevideo, Uruguay, sonnig, 24 Grad
Die Nacht war kurz, Lärm von der Straße, ein ständiges Kommen u. Gehen im Nebenzimmer. Die Uruguayer gehen erst weit nach Mitternacht aus u. kommen in der Früh nach Hause. Als wir in der Früh um 7,30 h zur Bushaltestelle gingen strömten die jungen Leute in Massen aus der Disko.
Der Badeort Punta del Este ist 130 km von Montevideo entfernt u. einer der nobelsten Ferienorte des südamerik. Kontinents. Neben zahlreichen Stränden gibt es elegante Villen am Meer, einen Jachthafen, Appartementhochhäuser u. Hotels. Angeblich sieht man hier im Sommer viele Berühmtheiten (z.B. Shakira die hier ein Haus besitzt). Die Stadt liegt auf einer Halbinsel; auf der einen Seite der Rio de la Plata, auf der anderen der Atlantik. Da jetzt Frühsommer ist, war am Strand noch nicht allzu viel los. Gerhard hatte es nur bis zu den Knien in den Atlantik geschafft, da ihm das Wasser zu kalt war.
Am späten Nachmittag besichtigten wir noch den Strand von Montevideo. Obwohl er am Fluß liegt, fühlt man sich wie am Meer. Viele Leute spazierten die Promenade entlang oder genossen die Sonne am Strand. Unverzichtbares Utensil ist eine Thermoskanne u. der Matebecher mit dem Metallstrohhalm.

 

9.11.09, Montevideo-Colonia-Buenos Aires
Gut daß wir gestern die Unterkunft gewechselt hatten, somit konnten wir einmal so richtig ausschlafen, weil es angenehm ruhig war.
Ohne Streß erreichten wir unseren Bus nach Colonia. Da es in Colonia bei unserem 1. Besuch regnete u. wir nun bis zum Einchecken auf die Fähre 2 Stunden Zeit hatten, deponierten wir unser Gepäck am Busbahnhof u. liefen noch einmal durch die Altstadt. Bei Sonnenschein sieht alles noch viel schöner aus! Es gibt hier viele Oldtimer u. an die Touristen werden gasbetriebene Buggys vermietet. Die sehenswerte Altstadt ist aber sehr klein, daß man ganz leicht alles zu Fuß ablaufen kann. Mit den letzten chilenischen Pesos gingen wir noch einmal gut essen.
Am Hafen erlebte Gerhard eine böse Überraschung. Der Zöllner wollte ihn nicht ausreisen lassen. Er hatte nämlich sein uruguayisches Visum am Vorabend in den Müll geworfen. Nach einer kurzen Diskussion wurde er zum argent. Zöllner geschickt, der ihn für umgerechnet Euro 25,-- ein Ersatzvisum ausstellte.
Bei der Ankunft in Buenos Aires regnete es leicht. Wir bezogen diesmal eine ziemlich neue Jugendherberge, mitten in der Fußgängerzone, die etwas näher am Fährhafen und Bahnhof liegt.

   
10.11.09, Buenos Aires - San Antonio de Areco - Buenos Aires, sonnig, 27 Grad
Die U-Bahn zum Busbahnhof war durch einen Streik schon wieder blockiert. Wir gingen daher zu Fuß, denn alle Busse waren maßlos überfüllt. Das System des Anstellens bei den Haltestellen haben wir noch nicht durchschaut. Es stehen mehrere Menschenschlangen, manchmal sogar um die Ecke in eine andere Gasse?!
Am Busbahnhof besorgten wir uns zuerst die Tickets für unseren heutigen Tagesausflug in die Pampa. Der Name Pampa ist sowohl eine geografische Bezeichnung für die ausgedehnte Region mit den fruchtbaren Ebenen, als auch der Name der Provinz.
Bei einem anderen Schalter kauften wir dann unsere Tickets für die Weiterreise, die wir gestern in groben Zügen geplant hatten.
Unser Ausflug führte uns heute uns in die 113 km entfernte Stadt San Antonio de Areco. Die Stadt ist das Zentrum der Gaucho-Kultur. Gauchos sind typisch für die Pampas; einsame Cowboys die gegen die Elemente der Natur kämpfen u. dessen einziger Freund sein Pferd ist. Viele Männer tragen noch die tradit. Mützen (eine Art Baskenmütze). Die Hauptattraktion der Stadt ist der jährl. Brauchtumstag, den wir aber leider um 2 Tage verpaßt haben. Aber im Gaucho-Museum am Stadtrand, eine Art Gaucholand mit restaurierten Gebäuden, war richtig viel los. Wenige Touristen aber viele Gauchos in der traditionellen Tracht, die anscheinend noch vom Feiern am Wochenende übrig geblieben sind. Sie spielten so eine Art Boccia, sangen und tanzten (mit den Touristinnen). Wir wurden auch bewirtet (Semmel mit 1 cm dickem kalten Rindfleisch, das aber so zart war, daß es einem im Munde zerfiel). Die ruhige beschauliche Stadt ist abseits des hektischen Buenos Aires richtig erholsam.
Während wir auf den Bus für die Rückfahrt warteten, checkten wir unsere E-Mails. Leider gab es wieder schlechte Nachrichten für Gerhard. Das Reisebüro in Ushuaia kann von seiner Mastercard den Betrag nicht abbuchen, da die Karte gesperrt wurde. I like VISA! Bei mir hat alles geklappt u. meine Kreuzfahrt ist bestätigt. Ich werde Gerhard aber schöne Fotos mitbringen!

 
11.11.09 Buenos Aires - Puerto Madryn, sonnig, 28 Grad
In der Früh konnten wir Gott sei Dank das Kreditkartenproblem von Gerhard klären. Bevor wir am Nachmittag mit dem Bus Richtung Süden aufbrachen, tranken wir in einem der bekanntesten u. ältesten Kaffeehäuser der Stadt eine heiße Schokolade (Schokolade wird in der heißen Milch aufgelöst). Die Wände sind mit Fotos von allen möglichen Prominenten geschmückt, die alle schon einmal hier waren.
Als wir am Nachmittag zu unserem Hostel zurück kamen stand ein Motorrad mit Wiener Kennzeichen vor der Tür. Im Gemeinschaftsraum sprach uns dann ein älterer Herr an, da er an unserem Hürzeler Rucksack erkannt hat, daß wir Deutsch sprechen. Es war ein Wr. Pensionist der seit 2 Jahren mit seiner alten BMW ganz Südamerika bereist hat. Er gab uns einige wertvolle Tipps, u.a. daß wir Medikamente gegen die Seekrankheit auf die Kreuzfahrt mitnehmen sollen. Er hatte die selbe Kreuzfahrt gemacht u. war total begeistert. Er erzählte uns auch, daß beim Überqueren der Drake-Passage auf der Hin- und Rückfahrt in die Antarktis fast allen Passagieren schlecht wird. Ihm und dem Wr. Schiffskoch ging es gut u. sie aßen nach seinen Worten "Klodeckelgroße Steaks". Aber wir sollten damit rechnen, daß es uns von den 10 Tagen am Schiff an 5 Tagen schlecht sein kann. Wenigstens nehmen wir die Kilos die wir in der Zwischenzeit zugelegt haben wieder ab. Er meinte auch, daß wir hier in Buenos Aires gerade die richtige Jahreszeit erwischt hätten, da es im Jänner brütend heiß sei.
Wenn wir Zeit hätten wären wir gerne noch länger in Buenos Aires geblieben, da es noch viel zu sehen gäbe u. das hektische Treiben in der Stadt sehr interessant ist. Man sieht einen großen Unterschied zwischen Arm und Reich. Im Zentrum u. z.B. vor dem Busbahnhof laufen die Leute schön gekleidet (sehr viele Anzugträger) umher. Auf der Rückseite des Bahnhofs ist das Armenviertel mit vielen Obdachlosen, die am Wochenende zwischen ihren Pappkartons vor den Bürogebäuden schlafen.

 
12.11.09, Buenos Aires - Puerto Madryn, sonnig, 24 Grad
Die 18,5 stündige Busfahrt in das 1.371 km entfernte Puerto Madryn war sehr kurzweilig. Die Fahrt ging zuerst durch die Pampas mit ihrer scheinbar endlosen fruchtbaren Graslandschaft.
Nach dem ersten spannenden Film gab es eine Jause u. danach wurde BINGO gespielt. Als Hauptpreis gab es eine Flasche Wein. Anschließend wieder ein Film u. um 23 Uhr bekamen wir endlich das Abendessen. Als wir in der Früh erwachten waren wir schon in Patagonien. Wild und karg präsentiert sich diese Region. Vor der Ankunft erhielten wir noch ein leichtes Frühstück. Die Zimmersuche gestaltete sich etwas schwierig. Wir hatten zwar per E-Mail reserviert u. eine Bestätigung erhalten, doch ein paar Stunden später wurde uns abgesagt. So liefen wir die halbe Stadt ab bis wir endlich ein schönes Hostel fanden, das für 3 Tage ein freies Zimmer hatte. Die sehr freundliche u. hilfsbereite Angestellte informierte uns über alle Sehenswürdigkeiten u. Ausflüge.
Puerto Madryn ist ein Seebad mit 58.000 Einwohnern u. das Tor zu einem der schönsten Naturschutzgebiete Südamerikas, dem Reserva Faunistica Peninsula Valdes u. gehört zum Weltkulturerbe.

 
13.11.09, Puerto Madryn, Tagesausflug Peninsula Valdes, sonnig 24 Grad
Die Halbinsel ist etwas größer als Mallorca u. hat eine Küstenlinie von 400 km. Es leben auf ihr nur 700 Menschen, davon alleine 300 im einzigen Ort der Insel Puerto Piramides. Auf der ganzen Insel wachsen keine Bäume, man sieht nur Steppe, niedrige Sträucher, viele Schafe, Guanakos (eine wildlebende Lamaart).
Der erste Stopp war im Informationszentrum des Nationalparks, wo alle auf der Insel u. hier im Wasser lebende Tiere erklärt wurden. Ein riesiges Skelett eines Babywals hängt von der Decke. Beim nächsten Stopp in Puerto Piramides wurden wir mit Schwimmwesten u. wasserdichten Parkas ausgerüstet. Am Strand stiegen wir in ein Boot, das dann von einem Traktor ins Wasser geschoben wurde. Die 1 1/2 std. Tour in den Golf Nuevo war richtig aufregend. Durch den starken Wind war es sehr wellig u. unser Guide empfahl uns schon auf der Anreise im Bus Tabletten gegen Seekrankheit einzunehmen.
In den Golf kommen vom Juli bis Dezember die "Ballena Franca Austral" (Glattwale. Die Weibchen werden 12 - 15 m lang und wiegen 30 - 35 Tonnen. Sie bringen alle 3 Jahre ein Junges zur Welt. Nur zur Geburt und Aufzucht kommen sie in diese Bucht. Wir sahen wirklich jede Menge, sie waren immer zu zweit u. tauchten unmittelbar neben dem Boot auf oder tauchten unten durch.
Anschließend ging es mit dem Bus weiter zu einer See-Elefantenkolonnie wo wir auch Mittagsrast machten. Die See-Elefanten verdanken ihren Namen der rüsselartigen Nase der männl. Tiere. Die Männchen werden bis zu 7 m lang u. über 4 Tonnen schwer. Sie verteidigen ihren Harem, der aus bis zu 80 Weibchen besteht u. sind durch die teilweise blutigen Revierkämpfe mit Narben übersät. Im Gegensatz zu den Seelöwen, die sich auf den vorderen Flossen aufstützen und "gehen", robben sie ins Meer. Da man den Strand nicht betreten darf, waren die Tiere die sich in der Sonne aalten für unsere Kamera zum Fotografieren etwas zu weit weg.
Beim nächsten Halt bei einer Pinguin-Kolonnie wurden wir dafür wieder entschädigt. Die Nester in Erdhöhlen oder unter Trockenbüschen sind teilweise direkt neben dem Parkplatz. Das Weibchen legt 2 Eier, die sie abwechselnd mit ihrem Partner bewacht u. warm hält. Ein Elternteil verteidigt das Nest während der andere ins Meer watschelt u. Futter besorgt.
Es war ein sehr interessanter Ausflug (400 km) der sich wirklich gelohnt hat.

 
14.11.09 Puerto Madryn, bewölkt 17 Grad
Für Gerhard begann der Tag sehr früh. Er hatte Tauchen mit Seelöwen gebucht u. mußte schon um 7,30 h bei der Tauchschule sein. Er konnte gar nicht glauben daß er mit durfte, da er seinen Padi-Tauchausweis nicht mit hat. Doch im Computerzeitalter ist das alles kein Problem mehr. Als gläserner Mensch ist man überall  registriert. Den Tauchschein hatte er schon 1988 auf den Malediven gemacht!
In der Tauchschule wurde er in einen 7 mm dicken Neoprenanzug gepackt; das Wasser hat nur 12 Grad. Mit dem Tauchboot ging es dann direkt vom Strand der Küste entlang zum 15 km entfernten Naturreservat Punta Loma.
Hier lebt eine Seelöwenkolonie. Die Bullen haben einen dicken Hals mit großem Kopf u. langer Behaarung um den Hals, die an eine Löwenmähne erinnert. Sie wiegen bis zu 300 kg, werden bis zu 2 m groß u. paaren sich pro Saison mit bis zu 10 Weibchen, die bis zu 200 kg schwer sind u. nur halb so groß wie die Männchen werden.
Ca. 50 m vom Strand entfernt wurde geankert. Die unzugängliche Strandbucht, geschützt durch eine Steilküste war übersät mit Seelöwen. Der Tauchlehrer, eine Engländerin u. Gerhard ließen sich auf 4 m absinken u. tauchten dann ganz langsam Richtung Küste. Plötzlich spürte er ein Ziehen an seiner Flosse. Als er sich umdrehte hatte sich ein Seelöwe an ihr verbissen. Durch das Zurückschauen drehte es ihn auf den Rücken u. dann ging alles sehr schnell. Von oben kamen 2 weitere Tiere u. fielen über ihn her. Sie bissen ihn vorwiegend in die Finger oder in den Kopf. Sie beißen aber nicht richtig zu, da sie nur spielen wollen. Es kommen nur die Weibchen u. die Jungen. Die sehr agressiven Männchen bleiben zum Glück am Strand liegen. Die Tiere sind verspielter als junge Hunde. Sie lassen sich überall angreifen, an den Flossen u. am Schwanz ziehen. Da der ganze Körper u. auch der Kopf von Gerhard in dickes Neopren verpackt war, haben die kurzen Zähne nur gekitzelt. Er steckte ihnen immer absichtlich die Hand in den Mund u. sie ließen sich mit seinen Armbewegungen hin und her u. im Kreis ziehen. Ein unvergeßliches Erlebnis, das es angeblich nur an 4 Plätzen dieser Welt gibt. Die 40 Minuten im Wasser vergingen leider viel zu schnell.
Am Nachmittag besuchten wir ein maritimes Museum, das in teils interaktiven Darstellungen das Ökosystem der Region vorstellt. Das Museum liegt 3 km außerhalb der Stadt auf einem Hügel u. hat auch einen 2-stöckigen Turm von dem man die Bucht u. die Stadt schön überblicken konnte.

 
15.11.09, Puerto Madryn - Rio Gallegos, sonnig, 22 Grad
Gestern Abend saßen wir lange mit einem deutschen Pärchen, das ich beim Kochen kennen gelernt habe, zusammen. Sie sind von zu Hause mit dem Rad durch die Schweiz, Frankreich und Spanien nach Madrid geradelt. Dann nach Buenos Aires geflogen u. fahren nun durch Argentinien, Chile u. Bolivien. Sie unterstützen damit die Straßenkinder in La Paz (www.worldbybike.de).
Der Vorteil von Hostels, in denen wir bevorzugt schlafen, ist daß es billig ist u. dadurch auch von vielen jungen Leuten frequentiert wird. Es gibt Dorms (Schlafsäle für meist 4 - 8 Personen), Doppelzimmer u. Einbettzimmer; nicht immer mit eigenem Bad, manchmal nur Gemeinschaftsbad und WC. Fast immer gibt es eine frei benutzbare Gemeinschaftsküche. Man kommt dadurch leicht mit anderen Reisenden in Kontakt und kann Erfahrungen austauschen. Es ist auch interessant zu beobachten was die Gäste die aus der ganzen Welt kommen so auf den Tisch zaubern.
Nun warten wir auf den Bus der uns nach Rio Gallegos bringt, wo wir in einen anderen Bus umsteigen müssen u. weiter nach Ushuaia fahren. Insgesamt werden wir nun 30 Stunden unterwegs sein.

    
16.11.09, Rio Gallegos - Ushuaia, 595 km Bus
Die gestrige Busfahrt (17 Std.) verlief recht angenehm. Nach dem Einsteigen um 13,30 h gab es gleich ein Mittagessen, 17,30 h Jause, 21 h Abendessen u. dazwischen Filme.
Viel zu sehen gab es in der Landschaft nicht; ein Asphaltband das irgendwo im Horizont endet. Links und rechts ein wildes, karges Gräsergewirr u. Steppe, gelegentlich mal ein paar Schafe. Wir bewundern die deutschen Radfahrer, die wir kennen lernten. Für die Strecke benötigen sie bei dem starken, kalten Wind, der hier permanent bläst, sicher 2 Wochen. Außer auf den Tankstellen, die es alle 200 - 300 km gibt, trifft man keine Leute. In Rio Gallegos mußten wir den Bus wechseln. Leider war dieser nicht mehr so komfortabel; hat normale Sitze aber wie alle Busse hier, WC an Bord.
Um an unser Ziel in Ushuaia zu kommen, mußten wir über Chile fahren, da es die einzige Straßenverbindung ins südliche Argentinien ist. Die Einreiseformalitäten dauerten mehr als 1 Stunde. Zuerst mußten wir den Ausreisestempel aus Argentinien u. gleich nebenan den Einreisestempel für Chile holen. Als das alle Businsassen erledigt hatten u. alle wieder im Bus saßen, fuhr der Bus 5 m weiter u. alle mußten mit ihrem gesamten Gepäck wieder aussteigen. Dieses wurde durchleuchtet, da man kein Obst u. keine landwirtschaftl. Produkte einführen darf. Obwohl man in einem Formular bestätigen mußte, keine solchen Produkte mitzuführen, gab es einige Touris, bei denen man Obst fand, das ihnen weggenommen wurde. Wir aßen zuvor noch unsere letzten Äpfel.
50 km später überquerten wir mit einer Fähre die Magellanstraße u. kamen so von Patagonien nach Feuerland. Weiter ging es auf einer Schotterpiste, wo wir nach 120 km Chile verließen. Diesmal ging es an der Grenze rasch voran. Nach 17 km im Niemandsland erreichten wir wieder Argentinien. Von da war auch die Straße wieder asphaltiert. Der nächste Halt war in Rio Grande, wo alle Einheimischen den Bus verliesen. Wir u. der Rest der Ausländer blieben sitzen u. wunderten uns warum das ganze Gepäck ausgeladen wurde. Die 2 Chauffeure u. der Helfer waren ohne ein Wort zu sagen plötzlich verschwunden. Erst als wir nachfragten stellte sich heraus daß wir den Bus wechseln mußten. Es ging dann mehr als 1 Stunde zügig dahin, bis aufgrund eines Verkehrsunfalls die Straße komplett gesperrt war. Der Chauffeur informierte uns, daß wir bis Ushuaia noch 150 km haben u. laufen könnten oder warten bis die Rettung kommt u. die Straße wieder geräumt ist; was einige Stunden dauern kann. Da es in der Zwischenzeit zu regnen begonnen hatte konnten wir nicht einmal aussteigen. Nach 45 min. ging es dann doch weiter. Die Landschaft änderte sich, weite Buchenwälder mit moosbewachsenen Stämmen und Torfmoore, sowie Seen und Flüße tauchten neben der Straße auf; eine mysthische Landschaft. Dahinter sah man die schneebedeckten Ausläufer der Anden. Als wir über einen nur 650 m hohen Paß fuhren ging der Regen in dichten Schneefall über u. neben der Fahrbahn lagen schon 10 cm Schnee.
Nach einer 32-stündigen Reise kamen wir dann endlich um 21,30 h bei 4 Grad in Ushuaia an. Wir begaben uns sofort zum nur einige hundert Meter entfernten Reisebüro, das bis 22 Uhr geöffnet hat, um unsere Voucher für die Kreuzfahrt abzuholen. Die ausgesprochen nette Dame hatte uns auch ein Zimmer im Hostel, das im selben Haus untergebracht ist, reserviert. Wir fanden ein wohlig warmes Zimmer mit eigenem Computer u. Internet vor. Das Kreuzfahrtschiff sahen wir auch schon im Hafen. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

    
17.11.09, Ushuaia, bedeckt, 6 Grad
Endlich lernten wir die nette Dame vom Reisebüro persönlich kennen. Sie hat uns nicht nur die Kreuzfahrt u. das Hostel hier in Ushuaia organisiert, sondern wir wurden auch von ihr kostenlos für die Antarktis eingekleidet. Wir bekamen dicke wind- und wasserabweisende Jacken und Hosen, sowie Gummistiefel.
Ushuaia, 58.000 Einwohner ist die südl. Stadt der Welt. Die geschäftige Hafenstraße ist ein schmaler Streifen steiler Straßen zwischen Beagle-Kanal und dem schneebedeckten Bergmassiv des Glacier Martial. Der Ort ist überlaufen von Touristenscharren; er wirkt wie ein Schiort in den schweizer Alpen, mit vielen Souvenirshops und Outdoorgeschäften.
Nachdem wir uns ein wenig umgesehen hatten besuchten wir das Museum Maritimo und Museum Presidio. Das Museum ist im 1906 erbauten Gefängnis untergebracht. Der Besuch der Zellen fasziniert. Im Obergeschoß ist eine Ausstellung über die Erforschung der Antarktis untergebracht. Eine weitere Ausstellung zeigt maßstabsgetreu Modelle der berühmtesten Schiffe u. umfaßt einen Zeitraum von 500 Jahren. Wir zählten auf einer Tafel 149 gesunkene Schiffe in dieser Region. Im Museum gibt es so viel zu sehen, daß man einen ganzen Tag darin verbringen könnte. Doch die Zeit drängte, da wir um 16 h einschiffen mußten. Unser Schiff, die Antarctic Dream, ist ein chilenisches Expeditionsschiff mit Platz für 84 Passagiere. Es ist 83 m lang, 11,9 m breit u. 2.180 BRT. Es war aber nicht ausgebucht u. so waren nur 54 Passagiere u. 43 Crewmitglieder an Bord. Die Gäste kamen aus China, Japan, Australien, Spanien, Argentinien, Chile, Irland, Holland, Dänemark, England, Neuseeland, USA, Kanada, Schweiz und wir 2 aus Österreich.
Überrascht hat uns, daß 2/3 der Gäste 20 - 30-jährige Rucksack-Touristen waren.
Beim Begrüßungscocktail wurden wir darauf hingewiesen, daß es sich um eine Expeditionsreise handelt u. das Wetter entscheidet ob die geplante Route eingehalten werden kann. Anschließend wurden allen Passagiere rote wasserabweisende Daunenjacken u. Gummistiefel ausgehändigt. Wir sind nun doppelt gerüstet.
Nach der obligatorischen Rettungsübung stachen wir in See. Das Abendessen schmeckte ausgezeichnet u. verlief sehr leger. Ein Teil des Personals, einschließlich des Kapitäns aß mit uns. An unserem Tisch saß ein 75-jähriger Japaner, der alleine auf Weltreise ist. Im September war er in der Arktis, später hat er den Kilimanjaro bestiegen u. nun besucht er mit uns die Antarktis - sehr bewundernswert!
Nach dem Abendessen holten sich fast alle beim Schiffsarzt Medikamente gegen Seekrankheit; vorsorglich auch wir. Als wir schon am Einschlafen waren, kam über den Lautsprecher die Durchsage, daß wir nun den Beagle-Kanal verlassen u. in die Drake-Passage einfahren u. daß es nun Zeit sei die Medikamente einzunehmen u. keiner versuchen soll Superman zu spielen. Hier wo der Pazifik auf den Atlantik trifft u. sich das kalte Polarwasser unter das warme schiebt, wird die See sehr rauh und stürmisch.

    
18.11.09, Drake-Passage, auf See, sonnig,
Trotz des lauten und monotonen Motorengeräusches haben wir gut geschlafen. Der Seegang war nicht ganz so schlimm wie befürchtet.
Am Vormittag fand ein Diavortrag über die verschiedenen Seevögel statt. Das Schiff wird die ganze Zeit von Albatrossen und Sturmvögel begleitet, die ohne Flügelschlag neben dem Schiff dahinsegeln u. die Thermik ausnützen.
Vor dem Mittagessen trainierten wir noch im kleinen Fitneßraum am Ergometer. Am Nachmittag nochmals 2 Vorträge. Der 1. über Wale, die wir vielleicht zu sehen bekommen, der 2. über die Erforschung der Antarktis.
Beim Abendessen saß unter anderem der Schiffsarzt bei uns am Tisch u. erzählte, daß gerade ein russisches Kreuzfahrtschiff mit 120 Passagieren an Bord schon seit ein Paar Tagen im Eis der Antarktis feststeckt. Er wußte auch, daß unser ursprünglich gebuchte Schiff einen Maschinenschaden hat u. erst in 1 1/2 Monaten wieder in See stechen kann. Als wir in unsere Kabine kamen war das Bullauge mit einer Eisenklappe dicht verschlossen; das bedeutet nichts Gutes!

     
19.11.09, Drake-Passage - Süd Shettland Inseln, bewölkt
Die Nacht war sehr unruhig und kurz. Die vom Atlantik hereinrollenden Wellen trafen das Schiff voll an der Breitseite. Ab 4 Uhr Früh waren wir bemüht nicht aus dem Bett zu kollern. Am Fernsehschirm in der Kabine sahen wir über die Bordkamera wie unruhig die See war. Auch war es sehr kalt, wir hatten nur mehr 15 Grad in der Kabine; anscheinend will man uns schon an die Kälte gewöhnen. Beim Frühstück waren die Reihen stark gelichtet. Einige blieben auf der Kabine weil ihnen schlecht war; uns schmeckte es noch!
Den geografischen Vortrag am Vormittag ließen wir aus u. trainierten lieber im Fitneßraum.
Am Nachmittag gab es einen Pflichtvortrag über die Verhaltensregeln in der Antarktis u. die Sicherheitsbestimmungen beim Zodiak-Fahren. Zodiaks sind die Schlauchboote mit denen wir an Land gebracht werden. Der Arzt warnte noch, daß wenn man ins Wasser fällt innerhalb von 3 Minuten der Tod eintritt. Da die 2-tägige Überfahrt durch die Drake-Passage nicht so stürmisch wie normal verlief, trafen wir schneller als geplant auf den Süd-Shetland-Inseln ein u. es gab an diesem Tag nach dem Abendessen einen außerplanmäßigen Landgang. Alle, auch ein Teil der Crew, waren vor dem ersten Ausflug recht aufgeregt. Wir zogen fast alles was wir mithatten an, um nicht zu erfrieren. Beim Verlassen des Schiffes mußte man mit den Gummistiefeln in eine Desinfektionslösung steigen. Danach klettert man die Landungsbrücke hinunter ins Zodiak. Zwischen treibenden Eisschollen landeten wir an einem schwarzen Schotterstrand. Auf einer dicken Schneedecke spazierten wir auf einem von den begleiteten Naturführern Adelie-Pinguine, See-Elefanten u. verschiedene Seevögel. Nach knapp 2 Stunden ging es wieder zurück aufs Schiff, wo wir mit heißem Kakao empfangen wurden.

    
20.11.09, Bransfield Strait
Bei ruhiger See wurde die Nacht durchgefahren. Für heute standen 2 Landgänge auf dem Programm. Das Wetter spielte aber nicht mit. Der Ausflug am Vormittag wurde ausgesagt, obwohl wir nichts vom schlechten Wetter merkten. Später wurde auch der 2. Landgang abgesagt. Gerhard trainierte 1 Stunde am Ergometer u. ging anschließend in die Sauna. Ich machte es mir im warmen Speisesaal, der zugleich auch der Aufenthaltsraum ist gemütlich u. beobachtete fasziniert die vielen Eisberge an denen wir oft sehr knapp vorbei fuhren. Manchmal fuhren wir auch durch Packeis mit riesigen Eisschollen. Dazu lief am CD-Player die Filmmusik vom Untergang der Titanic; das war etwas makaber. Als einige Humback-Wale vorbeizogen, hielt das Schiff an. Der Kapitän informierte uns über Lautsprecher u. alle stürmten ins Freie. Sogar die Saunagänger kamen mit umgebundenen Handtuch hoch an Deck. Wir wendeten um sie zu verfolgen; sie waren aber sehr weit weg.
Nach dem Abendessen wurde dann doch noch mal ein 2-stündiger Landgang auf der Insel Trinity eingeschoben. Die Insel wird von hunderten Gentoo-Pinguinen bevölkert. Dementsprechend ist auch der Gestank ihres Kotes. Ein paar riesige Albatrosse (sie können eine Flügelspannweite von bis zu 3 m bekommen) kreisten ganz dicht über ihnen.
Übrigens wird es hier zurzeit nicht dunkel. Um ca. 23 h beginnt es zu dämmern u. ab 2 h Früh beginnt es wieder heller zu werden.

    
21.11.2009, Gerlache Strait, sonnig
Da auch heute das geplante Anlanden nicht möglich war (es war zuviel Eis in der Bucht), machten wir einen 1 1/2 stündigen Zodiak-Ausflug. Zwischen Packeis und haushohen Eisbergen ging es kreuz und quer. Auf einer Eisscholle lagen 2 See-Leoparden. Gelegentlich schwammen Gruppen von Pinguinen an uns vorbei. Sie haben ein ähnliches Schwimmverhalten wie Delfine. Immer wieder springt die ganze Gruppe zugleich kurz aus dem Wasser.
Die Eisberge sind von Wind und Wellen oft zu faszinierenden Skulpturen geformt. Die Zodiak-Fahrer trauten sich an die kleineren nicht zu nahe heran, da sie manchmal kippen u. das löst dann einen Mini-Zsunami aus! Wir sahen das Schauspiel einmal aus sicherer Entfernung. Weiters ging es einen imposanten Gletscher entlang. In der Zwischenzeit trieb der Wind die ganzen Eisschollen in die Bucht u. wir fanden keinen Weg mehr zurück zum Schiff. Zum Glück ist die "Antarctic Dream" ein Eisbrecher. Über Funk rief unser Guide den Kapitän u. das Schiff machte uns eine Fahrtrinne frei. Gott sei Dank waren wir in der ersten Gruppe unterwegs, denn darauf hin wurde für die 2. Gruppe der Ausflug verkürzt u. sie durften nur mehr außerhalb des Eises fahren. Da es angenehm warm war, machte der Ausflug großen Spaß.
Um 16,20 h betraten wir zum ersten Mal den 6. Kontinent, das antarktische Festland. Bei herrlichem Sonnenschein wurden wir von einer großen Gentoo-Pinguin-Kolonie empfangen. Am Ufer lag ein See-Elefant faul in der Sonne u. nahm uns gar nicht zur Kenntnis. Die ganze Gruppe marschierte im Gänsemarsch durch die Kolonie einen Hügel hinauf. Wir mußten uns 5 Min. in den Schnee setzen u. durften nicht sprechen u. fotografieren; wir sollten nur die Natur auf uns wirken lassen. Das Geschrei der Pinguine u. die fantastische Natur vergißt man sicher nie! Von oben hatte man einen traumhaften Ausblick auf die ganze Bucht mit ihren vielen Gletschern, die immer wieder unter ohrenbetäubendem Lärm "kalbten". Schon beim Anlanden hörten wir einen lauten Knall u. sahen wie ein großes Stück wegbrach; ein neuer Eisberg war geboren. Als der Guide das hörte, wendete er das Zodiak sofort u. fuhr mit uns wieder aufs offene Meer. Aus sicherer Entfernung sahen wir, wie ca. 1 Min. später eine riesige Welle, gefolgt von einigen kleineren, über den Strand rollte.
Als wir nach 2 Stunden zum Strand zurück kamen wurden wir mit Champagner empfangen.

    
22.11.09, Lemaire Channel, bedeckt, sehr kalt
Der südlichste Punkt unserer Reise ist erreicht. Beim Landgang auf Peterman Island sah man Adelie- u. Gentoo-Pinguine. Einige brüteten schon auf einem Ei in einem Nest aus Steinen. Andere versuchten Steine von diesen Nestern für ihre eigenen zu stehlen. Eine gute Stunde beobachteten wir das Geschehen. Zwischen den Pinguin-Nestern brüteten auch Kormorane in Nestern aus Seegras. Wir bestiegen einen Hügel u. konnten von oben auf die andere Seite der Insel blicken. Es war leicht windig u. dadurch sehr kalt. Schön langsam gewöhnen wir uns aber an die Kälte. Beim Schifahren ist es auch nicht kälter!
Anschließend fuhren wir weiter durch den "Kodak"-Kanal, ein sehr schmaler Kanal mit Gletschern rechts und links. Von der Brücke beobachteten wir wie wendig das Schiff ist u. wie es zwischen den riesigen Eisbergen im Slalom durchfuhr.
Beim nächsten Halt stand wieder eine Zodiak-Tour auf dem Programm. 75 Minuten fuhren wir zwischen Eisbergen u. Gletscher umher. Das Glück war auf unserer Seite u. wir entdeckten einen See-Leoparden im türkisfarbenen Wasser eines Eisberges. Er steckte immer wieder neugierig seinen Kopf aus dem Wasser. Auf einer Eisscholle erholten sich 2 Seelöwen u. nahmen von uns überhaupt keine Notiz. Nur einmal hoben sie kurz ihre Köpfe.
Beim Abendessen erzählte uns ein Guide, daß nun endlich nach 8 Tagen im Eis das russische Kreuzfahrtschiff von einem großen Eisbrecher frei geschleppt wurde.

    
23.11.09, Port Lockroy, bedeckt
Die Nacht über ankerten wir in einer ruhigen Bucht, umgeben von Gletschern. Es ist sehr ungewohnt, wenn es 24 Stunden hell ist. Für 7 Uhr war das Frühstück angesetzt. Das Restaurantpersonal ist aber sehr schwach u. so war erst um 7,20 h alles bereit.
Nach einer kurzen Fahrt stoppten wir vor einer winzig kleinen Insel, auf der sich eine britische Forschungsstation befindet. Im Moment leben 3 Personen in der kleinen Hütte, in der auch ein Museum u. ein Souvenir Shop untergebracht ist. Es gibt auch eigene Briefmarken und man kann seine Post abgeben. Bezahlen muß man in US-Dollar. Rund um die Hütte nisten Pinguine. Die Insel ist nicht größer als 3 Fußballfelder. Sie haben nicht einmal ein Boot, da es zu gefährlich ist, wie sie sagen; da sie zum Beispiel bei einem Motorschaden nicht mehr zurückkommen würden u. erfrieren. Wir durften uns 30 Minuten auf der Insel aufhalten, danach wurden wir zur Nachbarinsel "Jougla Point" übergesetzt. Auch da gab es wieder tausende Pinguine u. 2 Walskelette. Nach einer Stunde war uns eiskalt u. auch vom fürchterlichen Gestank hatten wir genug. Wieder zurück am Schiff folgte das tägliche Training im Fitneßcenter u. danach die Sauna.
Beim Mittagessen fuhren wir weiter. Immer wieder rief ein Passagier Wale u. alle ließen das Essen stehen u. stürzten zu den Fenstern. Sie waren aber immer sehr weit entfernt u. man sah meistens nur ein Stück vom Rücken mit der Flosse.
Gegen Abend schwammen Orkas (Killerwale) ziemlich nahe am Schiff ein Stück mit.

    
24.11.09, Amundsen-Deck, bedeckt
Um 6,30 h wurden wir durch lautes Gerumpel geweckt. Das Schiff hatte eine Eisdecke durchfahren! Der geplante Landgang viel wieder einmal aus, da die Bucht zugefroren war. Unser Schiff fuhr zwar ins Eis, blieb aber nach wenigen Metern stecken u. mußte wieder zurück setzen. Es war ein interessantes Schauspiel. Auf dem Eis lag ein See-Leopard u. zwei neugierige Pinguine watschelten ans Schiff heran u. guckten zu uns hoch. In der Zwischenzeit begann es leicht zu schneien u. am Deck wurde Salz gestreut. Auf der Insel wäre eine Badeausflug in einem von einem Vulkan geheizten See am Programm gewesen.
Kurz nach 11 Uhr gab es dann doch noch einen Landgang auf einer anderen Seite der Insel. Es schneite zwar, aber es war trotzdem schön im frischen Pulverschnee zwischen den Pinguinen herumzulaufen. Mitten unter ihnen sahen wir unseren ersten "Makaroni-Pinguin". Er hat am Kopf lange gelbe Haare u. sieht sehr lustig aus!
Am Nachmittag fuhren wir wieder in die Drake-Passage ein. Der Seegang wurde rauer u. beim Abendessen gab es schon die ersten Ausfälle unter den Passagieren.

    
25.11.09, Drake-Passage, sonnig
Gut, daß wir am Abend noch eine Tablette gegen Seekrankheit geschluckt hatten. Sie hilft nicht nur gegen die Übelkeit, indem sie die Magennerven beruhigt, sondern macht auch müde. So haben wir trotz des hohen Wellenganges gut geschlafen.
In der Früh sah man nur mehr wenige beim Frühstück. Der Weg vom Buffet zum Tisch war jedesmal ein Balanceakt. Auf den Tischen lagen genoppte Plastik-Tischdecken, die das Rutschen der Teller verhindern, aber nicht deren Inhalt! Auf der Brücke ist der Wellengang am leichtesten auszuhalten, da sie sich in der Mitte des Schiffes befindet. Ins Freie durfte man nicht mehr, da es zu gefährlich war. Das war sehr schlecht für die Raucher, da innerhalb des Schiffes Rauchverbot herrscht. Wir verbrachten die meiste Zeit des Tages in der Kabine mit Lesen, Filme schauen u. Schlafen.

    
26.11.09, Drake-Passage, bedeckt
Die Nacht war schlimm u. hat lange gedauert. Durch den immer heftiger werdenden Wellengang wurden wir im Bett hin- u. hergeschleudert u. haben nur wenig geschlafen. Beim Frühstück teilte uns der Kapitän mit, daß wir in 10 Stunden in ruhigeres Gewässer kommen. Gott sei Dank!
Am Vormittag gab es noch einen Vortrag über die ersten Expeditionen in die Antarktis u. zum Südpol.
Am Nachmittag zeigte der Bordfotograf eine Diashow von der Reise. Beim anschließenden Fairwell-Cocktail wurden allen Gästen eine Urkunde auf der das erste Betreten der Antarktis mit Zeit, Datum sowie Längen- u. Breitengrad festgehalten ist, überreicht.
Kurz nach Mitternacht erreichten wir den Hafen in Ushuaia u. hatten eine letzte ruhige Nacht am Schiff.
Diese Reise war für uns ein Abenteuer, das man sich nur einmal im Leben gönnt. Wir durften einen weiteren faszinierenden Kontinent entdecken. Die mehrere 100 Meter dicken Schneeschichten am Land, von Wind u. Wetter zu Bergen und Tälern geformt, Gletscher die sich von Berghängen ins Meer schieben, haushohe Eisberge u. die Tierwelt mit ihren riesigen Pinguin-Kolonien, Walen, Robben u. Vögel haben sich für immer in unser Gedächtnis eingeprägt. Aber auch das Negative werden wir nie vergessen. Die 2 Tage und 2 Nächte hin und zurück durch die Drake-Passage waren die Hölle.

    
27.11.09, Ushuaia, 8 Grad, regnerisch, in der Früh Schneefall
Gleich nach dem Frühstück, schon um 8 Uhr, wurden wir vom Schiff gejagt. Bei Schneetreiben u. eiskaltem Wind marschierten wir die 1.000 m vom Hafen die steile Straße hoch zu unserem Hostel. Es hörte bald zu schneien auf u. wir konnten uns nach einer Busfirma umsehen, die morgen noch 2 Plätze nach Punta Arenas, Chile, frei hat.
Bei der ersten gab es erst am Montag wieder einen Direktbus. Wir wurden aber zur Konkurrenz vermittelt u. ergatterten gerade noch die letzten 2 Plätze.
Anschließend fuhren wir mit einem Kleinbus in den 12 km entfernten Nationalpark "Tierra del Fuego". Eintritt umgerechnet Euro 10,--, für einen 2 1/2 stündigen Waldspaziergang, das wäre in Österreich unvorstellbar.
Der malerische Wanderweg verlief teilweise durch dichten mysthischen Urwald mit moosbewachsenen Bäumen, immer wieder hinunter zu schönen unberührten Buchten des Beagle-Kanals (ein riesiger Meeresarm). Teilweise war der Weg sehr matschig u. schlammig u. wir waren mit unseren Sportschuhen schlecht ausgerüstet.
Da wir in Ushuaia erst zu Mittag losfuhren u. der Bus zurück am späten Nachmittag nur mehr alle 2 Stunden fährt, hatten wir ein wenig Streß u. nicht genügend Zeit, die herrliche u. ungewöhnliche Landschaft Feuerlands richtig zu genießen.

    
28.11.09, Ushuaia - Punta Arenas (Chile), 11,5 Std. Busfahrt, bedeckt, regnerisch
Die Grenzkontrolle bei der Ausreise aus Argentinien und die Einreise nach Chile haben insgesamt 1 1/2 Std. gedauert. Man muß sich jedesmal endlos mit dem gesamten Gepäck anstellen. Das Gepäck wird bei Ein- und Ausreise jeweils durchleuchtet, weil sie wegen der Ein- und Ausfuhr von Lebensmitteln so penibel sind. Die Leute selbst werden aber nicht kontrolliert u. so haben wir alles verbotene bequem in den Jackentaschen verstaut. Somit war die Jause für den Rest des Tages gerettet.
Ab der Grenze ging es auf einer Schotterpiste weiter durch die Steppen- und Graslandschaft Feuerlands. Zu sehen gab es außer tausenden Schafen, oft viele Guanakus, eine Lama-Art, und in zahlreichen kleinen Seen, Gruppen von intensiv rosaroten Flamingos. Erst einige Kilometer vor der Fähre über die Magellanstraße war die Straße wieder asphaltiert. Da Ebbe herrschte, war das Auf- und Abfahren auf die Fähre mit dem langen Bus gar nicht so einfach. Das Heck kratzte jedesmal gewaltig über die Rampe. Beim Bus hinter uns, riß es die halbe Stoßstange weg.
In Puerto Arenas hatten wir dann nicht weit ins reservierte Hostel. Aus dem kleinen Hunger den wir noch hatten wurde ein großes Essen. Das erste Restaurant das wir fanden war ein "all-you-can-eat" Restaurant. Wie schon in Argentinien gibt es nicht nur ein Selbstbedienungsbuffet sondern man kann sich auch Fleisch u. Fisch frisch grillen lassen. Das Lamm- und Rindfleisch schmeckt ganz anders als bei uns. Es hat einen besseren Geschmack u. ist viel zarter. Natürlich haben wir viel zu viel gegessen u. auch bei den frisch zubereiteten Palatschinken, zusätzlich zum normalen Dessert, konnten wir nicht widerstehen.

    
29.11.09, Punta Arenas, sonnig, 11 Grad, eisig kalter Wind
Die 130.000 Einwohner- u. südlichste Stadt Patagoniens besticht durch die kunstvollen Villen aus der Zeit des Wollbooms im Beginn des 19. Jahrhunderts. Auch auf dem Friedhof der Stadt, der zu den faszinierendsten Südamerikas zählt, stellen die Wollbarone ihren Reichtum mit imposanten Grabmälern zur Schau. Dazwischen findet man die bescheidenen Grabstätten der Einwanderer. Nach der Friedhofsbesichtigung wanderten wir weiter stadtauswärts zur Zona Franca, in der man zollfrei einkaufen kann. Da Sonntag ist, haben leider nicht alle Geschäfte geöffnet. Für den Weg zurück ins Zentrum nahmen wir ein Sammeltaxi, das bevorzugte Verkehrsmittel der Stadt. Wir teilten es mit 2 anderen Fahrgästen, die schon drinnen saßen als wir es anhielten. Die Taxis sind numeriert u. fahren auf fixen Strecken. Man bezahlt einen Fixbetrag (umgerechnet ca. € 0,50) egal wie weit man mitfährt.
Im Zentrum, das sehr überschaubar ist, sind wir ausgestiegen u. hatten ein nun staatliches Museum in der Villa des Wollbarons Maricio Braun besucht. In der Hälfte der gut gepflegten Innenräume kann man die originale exquisite Einrichtung der Familie bestaunen. Die zweite Hälfte beherbergt eine Ausstellung über die regionale Geschichte der Region. Früher haben hier Indianer gelebt, die von den weißen Zuwanderern ausgerottet wurden.
Beim späten Mittagessen probierten wir die regionalen Spezialitäten: ein Eintopfgericht mit der Königskrabbe. Das rosarote Ungeheuer ist im Ganzen knapp 40 cm groß. Als zweites Gericht: "paila marina" eine Suppe, serviert in einem Tontopf mit allem was das Meer zu bieten hat. Den Rest des Tages machten wir es uns im warm eingeheizten Zimmer gemütlich. Der eiskalte Wind, der vom Meer hoch durch die Gassen pfeift, nervt uns sehr.

    
30.11.09, Punta Arenas, sonnig, 9 Grad
Ich habe schon seit ein paar Tagen ein leicht geschwollenes Zahnfleisch u. einen eigenartigen Geschmack im Mund. Da hier die letzte große Stadt für die nächsten Tage ist, sind wir noch einen Tag länger als geplant geblieben u. ich bin gleich in der Früh in einem privaten Ärztezentrum zum Zahnarzt gegangen. Gott sei Dank habe ich nur an einer Stelle ein entzündetes Zahnfleisch. Der Zahnarzt hat die Zahntasche mit einer Spritze ausgespült u. 3 Tage muß ich Antibiotika nehmen. Gerhard ist stolz auf mich, daß ich mit meinem Spanisch alleine mit dem Arzt klar gekommen bin. Gerhard wollte in der Zwischenzeit auf der Bank Geld wechseln. Er war in 2 Banken u. keine hat ihm gewechselt; beide haben ihn in eine Wechselstube geschickt.
Später sind wir in das Hostel eines Deutschen übersiedelt. Wir wollten von Anfang an bei ihm wohnen, doch waren seine Zimmer alle ausgebucht. Er ist vor 10 Jahren mit dem Rad durch Chile gefahren u. hat hier seine Frau kennen gelernt. Nun hat er mit ihr 2 Kinder u. betreibt ein Hostel u. ein Reisebüro. Er hatte uns schon gestern spontan seine Hilfe beim Zahnarztbesuch angeboten. Es ist eine feine Sache, Infos über Chile in Deutsch zu erhalten. Er hat uns auch für die nächsten Tage eine Trekkingtour im Torres del Paine Nationalpark zusammen gestellt sowie die Refugios (bewirtschaftete Hütten wie bei uns in den Bergen) Bustransport in den Park u. Transfer mit einem Katamaran über einen See gebucht. Im Zollfrei-Shoppingcenter haben wir uns noch mit wasserdichten Goretex-Trekkingschuhen u. ausreichend Müsliriegel für die 3 Wanderungen die wir vorhaben, eingedeckt.
Am Abend sind wir lange mit Sebastian, unserem Vermieter, zusammen gesessen. Er hat viel über sein aufregendes, abenteuerliches Leben und von Chile erzählt.

    
1.12.09, Punta Arenas - Puerto Natales, 250 km Bus, wechselhaft (Sonne, Regen, Hagel, stürmisch)
Das einzige Fischerstädtchen Puerto Natales, 16.000 Einwohner, ist der ideale Ausgangspunkt für einen Besuch des Nationalparks Torres del Paine. Wir sind im kuscheligen Hostel eines Schweizers, der seit 20 Jahren hier lebt, untergekommen. Das Haus hat Gott sei Dank eine Zentralheizung, was hier in dieser Gegend nicht selbstverständlich ist. Heute Früh bei Sebastian hatten wir beim Aufstehen nur 12 Grad im Zimmer. Der Wind pfeift hier noch kälter als in Punta Arenas. Ohne Haube kann man nicht rausgehen.
Unser Vermieter hat praktischerweise auch ein Reisebüro u. einen Outdoor-Equipment-Verleih. Bei ihm haben wir 2 dicke Schlafsäcke für die nächsten 2 Nächte im Nationalpark ausgeborgt. Auch den Bus für die Weiterreise nach den Trekkingtouren hat er gebucht.
Beim Spaziergang in der Stadt sahen wir fast nur Touristen in Wanderkleidung herumlaufen. Auch wir haben unsere neuen "Timberland"-Trekkingschuhe eingelaufen.
Gerhard ließ sich nicht von einem Lamm-Steak im Restaurant überzeugen u. ich mußte mich selbst in die Küche stellen.
    
2.12.09, Puerto Natales - NP Torres del Paine, 119 km Bus, 21 km wandern
Der Bus in den Nationalpark hat uns im Hostel abgeholt. Leider waren wir die ersten u. war um 15 Min. zu früh. Wir konnten unser Frühstück nicht mehr zu Ende essen u. ich mußte meinen Kaffee stehen lassen.
Beim Nationalpark-Eingang stiegen wir in einen Kleinbus um, weil wir die letzten 7 km zum Refugio mit dem Gepäck nicht laufen wollten.
Der Nationalpark Torres del Paine wurde 1978 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Jährlich kommen 140.000 Besucher in den Park. Man kann im Park campen oder in Refugios (so ähnlich wie unsere Berghütten) oder in ganz wenigen sehr teuren Hotels übernachten. Wir wohnten in einem sehr großen Refugio mit 3 Stockbetten pro Raum mit Vollpension.
Die Bettwäsche muß man zu unverschämten Preisen mieten oder man schläft so wie wir u. die meisten anderen im Schlafsack. Gleich nach dem Check-In starteten wir unsere 1. Wanderung.
Anfangs ging es moderat einem Flußlauf entlang bergauf, danach folgten einige steile Rampen. Nach dem 2. und letzten Campingplatz am Weg war es eine richtige Kletterei über Felsen u. Geröll bis zum finalen Aussichtspunkt. Da Gerhard immer ein rasantes Tempo vorlegt hatten wir auf der gesamten Strecke sicher um die 20 Leute überholt. Oben angekommen eröffnete sich ein wunderbarer Blick auf einen smaragdgrünen Gletschersee sowie die 3 senkrecht in die Höhe ragenden Granitsäulen Torres del Paine. Alle 3 Spitzen versteckten sich hinter Wolken die vom Wind hin- u. hergeschoben wurden. Für Sekundenbruchteile war einmal der rechte u. einmal der linke Turm frei sichtbar. Am Aussichtspunkt waren um die 30 Leute versammelt. Wir kamen mit 2 Bayern ins Gespräch, die schon 1 1/2 Stunden warteten, um einmal alle 3 Spitzen frei zu sehen. Wir gaben nach einer 30-minütigen Verschnaufpause auf u. begannen wieder den Abstieg. Nach ein paar Minuten kam uns eine Japanerin entgegen die uns auf Deutsch sagte, daß wir uns einmal umdrehen sollten. Hinter uns strahlten nun alle 3 Gipfel wolkenlos in der Sonne. Der Abstieg über das Geröll war genauso schwierig wie der Aufstieg. Gerhard bekam Schmerzen im rechten Knie.
Als wir um 18 h zurück ins Refugio kamen, waren unsere zugewiesenen Betten überzogen u. es gab auch dicke Daunendecken. Offensichtlich hatte sich das Personal geirrt. Glück muß man haben! Auch das Wetter war uns an diesem Tag hold, denn die meiste Zeit schien die Sonne u. der Wind war ausnahmsweise nicht kalt.
Zum Abendessen gab es ausgezeichneten Fisch mit Risotto. 2 deutsche Tischnachbarn erzählten, daß sie heute ihren 1. schönen Tag hatten. An den zwei Tagen davor mußten sie ihre jeweiligen Wanderungen abbrechen, weil sie im dichten Schneefall keine Sicht mehr hatten.
Todmüde verkrochen wir uns schon um 21,30 h ins Bett.

    
3.12.09, Refugio Tres Torres - Refugio Paine Grande Lodge, Bus, Fähre, 22 km wandern
Durch die 2 starken Pisco Sour (Trestern Schnaps mit Bitterlemon) beim Abendessen schlief ich sofort ein u. bemerkte gar nicht wie die restlichen 4 Leute in unserem Zimmer zu Bett gingen. Leider wurde ich später durch das laute Schnarchen, von wem auch immer, wieder wach.
Um 9 Uhr brachte uns ein Shuttlebus zum Nationalpark Eingang, wo wir wieder mit dem Bus der uns gestern hierher brachte, weiter bis zur Fähre fuhren. Dort mußten wir im starken Wind (50 km/h) über eine Stunde bis zur Abfahrt des Bootes warten. Die Fahrt mit dem Katamaran über den Pehoe-See dauerte 30 Minuten.
Die Lodge Paine Grande liegt direkt am Seeufer u. hat mehr als 100 Betten. Uns wurden wieder 2 Betten in einem 6-Bett-Zimmer zugewiesen. Um Punkt 13 Uhr starteten wir die Tour zum Grey-Gletscher. Die Strecke verlief ständig bergauf und bergab u. oft über Schiefergestein. Schon am Start warnte uns ein Parkranger vor dem starken Sturm bei der Lagune Grey. Dort angekommen wehte uns der Wind um die Ohren. Bei uns hätte man keinen Hund vor die Türe geschickt. Hier sah man bereits die ersten Eisberge im See treiben. Nach 11 km erreichten wir endlich den Aussichtspunkt auf den Grey-Gletscher. 3 Gletscherzungen treffen in den See. Vom hochgelegenen Ausgangspunkt sah man kein Ende des Gletschers. Unter uns im See strahlten hellblaue Eisberge. Was einmalig und wunderschön ist, wenn wir es nicht vorher in der Antarktis schon gesehen hätten. Der Rückweg zog sich in die Länge u. das Knie von Gerhard machte sich wieder bemerkbar. Ich mußte immer wieder auf ihn warten.
Um 1/4 8 Uhr, kurz vor dem Abendessen, kamen wir kaputt im Refugio an. Diese Unterkunft ist fest in deutscher Hand. Vorwiegend deutsche Wandergruppen mit Gästen noch älter als wir.

 
4.12.09, Refuio Paine Grande Lodge - Puerto Natales, sonnig, 15 Grad, Bus, 30,2 km wandern
In den geliehenen Schlafsäcken war uns viel zu warm. Die deutschen Wandergruppen sind schon um 6 h aufgestanden haben das ganze Haus geweckt. Niemand konnte verstehen warum, da es erst um 7,30 h Frühstück gab.
Die heutige Wanderung war unsere Königsetappe. 30,2 km in 8 Stunden 50 Minuten. Die ersten 2 Stunden (7,6 km) ging es leicht wellig über gute Wege entlang eines Sees zum Campamento Italiano (Campingplatz plus Ranger Station). In der nächsten Stunde folgte eine Kletterei über teilweise hohe Felsen und der Überquerung einiger Bachläufe. Manchmal balancierten wir über Baumstämme. Wenn es keine gab, mußte man von Stein zu Stein springen um die andere Seite zu erreichen. Als wir auf einem Plateau mit toller Aussicht ankamen, dachten wir daß wir es geschafft hätten. 2 Österreich, die es sich gerade bei einer Jause gemütlich machten, animierten uns noch 1 Stunde weiter bis zum Mirador zu gehen. Die letzten 10 Minuten mußten wir steil hoch klettern. Oben am Felsen angelangt eröffnete sich uns ein traumhafter 360 Grad Rundblick über eine atemberaubende Landschaft. Unten im Tal der hellblaue See, vergletscherte Berge u. der 3.050 m hohe Cerro Paine Grande. Das traumhafte Wetter komplettierten das Glücksgefühl. Beim Abstieg kam uns ein Fuchs entgegen. Er war nicht scheu u. beäugte uns neugierig.
In den 3 Tagen sind wir 73 km gelaufen und der Körper hat uns seine Grenzen aufgezeigt.
Krankenblatt Gerhard:
3 Tage Schmerzen im rechten Knie u. am linken Knöchel
2 Tage Blase an der rechten Ferse
1 Tag Blase rechts zwischen den Zehen
Christine:
1 1/2 Tage starke Schmerzen linke kleine Zehe

Am Abend brachte uns die Fähre über den See zurück, wo schon der Bus nach Puerto Natales wartete. Nach ca. 30 km Fahrt plötzlich ein lauter Knall. Der rechte Vorderreifen am Bus war explodiert. Der Chauffeur konnte mit Mühe den schlitternden Bus auf der Straße halten u. zum Stehen bringen. Der Schock saß tief u. wir bedankten uns innerlich bei dem Schutzengel den wir hatten. Da im Nationalpark 4 Busse zur gleichen Zeit losgefahren sind, hatten wir auch noch das Glück, daß der nachfolgende Bus noch Platz hatte u. uns mit in die Stadt nahm.

 
5.12.09, Puerto Natales (Chile) - El Calafate (Argentinien) sonnig, 17 Grad
Aus der 5-stündigen Busfahrt nach El Calafate wurden fast 6 Stunden, da der Chauffeur auf der Schotterpiste dahin kroch. Wir hatten keine Reservierung für eine Unterkunft und waren froh, daß am Busbahnhof 3 Vermieter standen um Gäste zu werben. Wir sind gleich mit der ersten Anbieterin mitgefahren, weil ihr Hostel auch im Reiseführer steht u. der Preis paßte. Es war auch praktisch, da wir unser Gepäck nicht schleppen mußten, da wir von den Wanderungen noch etwas angeschlagen waren.
Unsere Schmutzwäsche gaben wir in einer Wäscherei ab u. machten uns auf die Suche nach einem Reisebüro, um unsere Weiterreise wieder zurück nach Chile zu organisieren. Es konnte uns aber niemand wirklich weiterhelfen. Da auf der chilenischen/patagonischen Seite ein riesiges Seengebiet ist u. es kaum Straßen gibt, muß man teilweise mit Schiffen Richtung Norden fahren oder fliegen. Wir buchten in unserem Hostel daher nur den morgigen Ausflug zum Perito Moreno Gletscher u. die Busfahrt am Montag nach El Chalten.
Die kleine Stadt El Calafate hat 15.000 Einwohner u. ist sehr touristisch. Alle Argentinienier-Besucher nutzen die Stadt als Ausgangspunkt für den Besuch des 80 km entfernten Gletschers. Beim Erkunden der Stadt trafen wir auf einige bekannte Gesichter. Die meisten reisen auf derselben Route, mit derselben Geschwindigkeit u. daher sieht man sich immer wieder. Da die Wäsche am Abend noch nicht fertig war, aßen wir gleich im Buffet-Restaurant nebenan um die Wartezeit zu verkürzen. Beim Essen beobachteten wir eine Gruppe Chinesen, die sich Hauptspeise u. Dessert auf einen Teller luden u. laut schmatzend alles durcheinander aßen. Sie tauchten die frittierten Sardinen in das Schlagobers der Torte, davon ein Bissen, dann ein Stück Fleisch, gefolgt von einem Löffel Pudding, danach eine Messerspitze Kartoffelpürree, usw. GRAUSAM!


6.12.09, El Calafate, Tagesausflug Porito Moreno Gletscher, 160 km Bus, sonnig, 20 Grad
Im Riesenautobus waren wir nur 8 Leute. Die Reiseleiterin erzählte 2-sprachig die ganze Fahrt über die Natur und Argentinien.
Der Gletscher liegt im Nationalpark Los Glaciares, ist 30 km lang, 5 km breit u. 60 m hoch. Er wächst kontinuierlich und schiebt sich täglivch 2 m vorwärts, dadurch "kalbt" er laufend riesige Eisbrocken. Auf einem Steg kann man ziemlich nahe dem Gletscher entlang laufen. Es gibt auch die Möglichkeit zu einer 1-stündigen Bootsfahrt dem Gletscher entlang. Da wir vorher schon spektakulärere Gletscher in der Antarktis gesehen hatten, war es für uns nicht mehr so aufregend wie für die anderen der Gruppe. Aber die 2 Kondore mit ihren riesigen Flügelspannweiten, die einmal kurz über unseren Köpfen kreisten beeindruckten uns sehr.

 
7.12.09, El Calafate - El Chalten, 220 km Bus, 23 km wandern, sonnig, 23 Grad
Auf der Fahrt nach El Chalten begegneten wir schon wieder einen Radreisenden, der sich alleine über die schnurgerade Straße in der Trockensteppe quälte.
50 km vor dem 600 Einwohnerdorf El Chalten erblickten wir zum ersten Mal die spitzen Gipfel des Bergmassives Fitz Roy. Die schroffen Felsen ragen wie Haifischzähne in den Himmel. 2 x hielt der Bus für einen kurzen Fotostopp. Das Dorf, das im Nordteil des Nationalparks Los Glaciares liegt, wurde erst 1985 gegründet u. lebt ausschließlich vom Tourismus. Obwohl wir bei unseren Internet-Anfragen von allen Herbergen Absagen erhielten, fanden wir das bisher schönste Quartier unserer bisherigen Reise. Nachdem wir auch noch die Weiterreise zur chil. Grenze organisiert hatten, der Bus fährt nur an ungeraden Tagen, machten wir uns noch auf zu einer 6-stündigen Wanderung (23 km). Man kann noch seelenruhig am Nachmittag losgehen, da die Sonne erst um 21,46 h untergeht u. es gegen 23 h erst ganz dunkel wird. Mit dem Wetter hatte wir riesiges Glück. Strahlend blauer Himmel u. fast schon zu heiß zum Wandern. Die Wanderung war im Vergleich zu unseren bisherigen wesentlich einfacher. Ab dem Ortsrand ist alles gut ausgeschildert. Der Weg wand sich um riesige Felsformationen auf Hängen, die mit den typischen patagonischen Binnenlandpflanzen bedeckt sind. Weiter ging es an einer Feuchtwiese vorbei bis der Weg anstieg zum Mirador Laguna Torre. Vor uns lag der Bergsee, in den ein Gletscher mündet u. dahinter die 3.128 m hohe Gipfelspitze des Cerro Torre. Die Votaren-Behandlung an Gerhards Knie wirkte Wunder. Er trug auch meinen Rucksack u. trotzdem hatte ich Mühe ihn mit meinen kurzen Beinen zu folgen. Zum Glück waren auch meine Schmerzen an der kleinen Zehe zu ertragen. Trotzdem war ich froh, nach 6 Stunden aus den Schuhen zu kommen. Das Riesensteak u. das Bier zur Belohnung haben mich wieder aufgerichtet.

 
8.12.09, El Chalten, 25 km wandern zur Laguna de los Tres - 7 Std., sonnig, 25 Grad
Am Abend war es im Zimmer so ungewöhnlich heiß (+27 Grad), sodaß wir Mühe hatten einzuschlafen.
Die Wanderung zum hochgelegenen Bergsee am Fuße des 3.405 m hohen Fitz Roy war sehr anstrengend. Ab dem Ortsende stieg der Wanderpfad 1 Stunde kontinuierlich bergan. Der Hauptweg führte durch wind zerzauste Wälder, vorbei an kleinen Seen und über ein morastiges Gelände. Ab dem Basislager der Bergsteiger ging der Weg 1 Stunde steil bergauf. Oft über hohe Felsstufen. Oben angekommen blickten wir hinunter auf einen zugefrorenen Gletschersee. Wir stiegen zum See hinab um noch einmal zu einem anderen Aussichtspunkt hochzuklettern. Unter uns lag nun die smaragdgrüne Laguna Sucia. Genau als wir oben ankamen löste sich vom Gletscher gegenüber am Fuße des Fitz Roy ein riesiges Eisfeld. Die Lawine donnerte laut krachend in den See. Ein interessantes Naturschauspiel. Das erste steile Stück zurück stellte sich schwieriger heraus als der Anstieg. Zwischen den Felsen lag viel loser Sand u. der machte es sehr rutschig. Die letzten 1 1/2 Std. waren für mich sehr schlimm. Ich hatte am rechten Fuß zwei Blasen (große Zehe u. Ferse) u. wußte nicht mehr wie ich auftreten sollte. Dadurch kam ich nur mehr sehr langsam voran.

 
9.12.09, El Chalten - Los Antiguas, sonnig, 23 Grad
Der Bus fuhr über die Route 40, die in Argentinien sehr populär ist. Die Piste ist nicht asphaltiert u. es ist ein Abenteuer auf ihr zu reisen. Die Straße hat eigene Regeln, z.B. muß man, wenn jemand eine Panne hat, immer stehen bleiben und helfen. Es gibt nur alle 100 bis 200 km einmal ein Farmhaus in der Nähe der Straße. Telefone gibt es keine u. auch Handys funktionieren nicht. Unsere Fahrt dauerte 15 Stunden! Zu sehen gab es nur Staub u. patagonische Steppe. Gelegentlich eine Kreuzung mit Pisten die ins Nirgendwo führten. Hier u. da mal ein Strauß, gelegentlich eine Herde Guanacos u. Hasen.
Kurz nach 23 Uhr kamen wir endlich in Los Antiguas an. Wir hatten schon Angst es nicht mehr zu schaffen, da der Chauffeur unterwegs 3 x anhielt u. irgendwetwas am Motor reparierte. Der Bus hatte seine Endstation genau vor einem Hostel, das mit der Busfirma zusammenarbeitet. Der Besitzer zeigte uns 2 Betten in einem 8-Bettzimmer, in dem schon 2 Leute schliefen. Mit den restlichen Busreisenden wurde das ganze Zimmer gefüllt. Die 3 WC mit Dusche im Zimmer waren durch eine Trennwand, die nur so hoch war wie der Türstock, vom Schlafraum getrennt. Nach oben hin war alles offen u. man hörte jedes Geräusch aus der Toilette im ganzen Schlafraum. Trotzdem schliefen wir aus lauter Müdigkeit im Stockbett sehr gut.


10.12.09, Los Antiguas - Chile Chico, sonnig, 23 Grad, starker Wind
Los Antiguas, 2.500 Einwohner, ist ein ländlicher Ort, der am windigen Ufer des Lago Buenos Aires liegt, an der Grenze zu Chile.
Wir konnten unsere Reise nur bis hierher organisieren. Morgen müssen wir sehen wie wir weiter kommen.
Zuerst fragten wir den Vermieter, der meinte, daß um 12 Uhr vom Busbahnhof in das chilenische Grenzdorf Chile Chico abfährt. Beim Frühstück, wo wir übrigens einen Steirer kennen lernten, erzählte ein Belgier, der den selben Weg hatte, daß schon um 10 Uhr ein Bus fährt. Die Frau des Vermieters meinte, daß wir nur zur Hauptstraße gehen müssen, da fahren Kleinbusse u. wenn die uns mit dem Gepäck sehen, halten sie und bringen uns nach Chile. Wir beschlossen auch noch, uns bei der Touristeninformation zu erkundigen. Der nette Herr meinte, daß um 12 Uhr ein Bus fährt, da es aber erst 8 Uhr war, würde es schneller gehen, wenn wir die 1.800 m zur Grenze zu Fuß gehen u. danach mit einem Kollektivo (Sammeltaxi) nach Chile Chico fahren. Leider hatte er vergessen zu erwähnen, daß man nach der argentinischen Grenzkontrolle noch 7 km durchs Niemandsland laufen muß um zum chilenischen Grenzposten zu kommen.
Die argentinische Beamte fragte uns noch mit welchem Auto wir da sind. Als wir sagten zu Fuß, wünschte sie uns viel Spaß bei den nächsten 7 Kilometern. Wir konnten es kaum fassen! So marschierten wir am rechten Fahrbahnrand durchs Niemandsland. Nach 15 km bemerkte Gerhard, daß er seinen Tagesrucksack an der Grenze vergessen hatte u. lief im Dauerlauf zurück. Zum Glück ist die Grenze ausgestorben u. der Rucksack stand noch auf seinem Platz. Unterwegs kam kein einziges Auto das uns hätte mitnehmen können. Nach 1 Stunde Fußmarsch kamen 2 chilen. Gendarmeriebeamte in einem Bus entgegen. Sie wendeten u. nahmen uns mit bis zur Grenze. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren u. unsere Rucksäcke mangels Röntgengerät händisch durchsucht wurden, fragten wir wo nun die Kollektivos stehen. Der Zöllner meinte, daß es keine gibt, aber in 5 km ist schon das Dorf. Also wieder laufen! Aber wir hatten wieder Glück, denn nach 500 m kamen schon wieder 2 Polizisten, diesmal mit einem Pick-up. Wir durften das Gepäck aufladen u. sie brachten uns direkt zur Touristeninformation. Dort erfuhren wir, daß die Fähre über den See, die wir nehmen wollten, bereits um 7 Uhr Früh abgefahren war u. die nächste erst am nächsten Tag um 9 Uhr fährt. So saßen wir einen Tag in dem stürmischen 3.000 Einwohnerdorf Chile Chico fest.
Wir kauften die Fährkarten u. die Bustickets nach der Fähre nach Coyhaique. Auch eine Unterkunft direkt am schönen See u. 100 m von der Anlegestelle der Fähre entfernt war schnell gefunden.
Wie auch schon in anderen Dörfern u. Städten in Argentinien u. Chile fallen die vielen Straßenhunde auf. Sie sind alle sehr friedlich, gut genährt u. streunen durch die Straßen. Sie laufen wenn sie Menschen sehen per Fuß neben ihnen her u. begleiten sie ein Stück ihres Weges. Trotz der vielen Hunde sind die Gehsteige nicht von ihnen verschmutzt!

11.12.09, Chile Chico - Puerta Ibanez (Fähre) - Cohaique, Bus 116 km
Die meisten Passagiere auf der Fähre waren Chilenen. Auch vier Radreisende (2 Holländer u. 2 Franzosen) überquerten mit uns den See. Die Fähre benötigte 2 1/2 Stunden für die Überfahrt. Gut, daß es heute windstill war u. es daher nicht schaukelte. Die anschließende Busfahrt führte zum größten Teil über die berühmte Carretera Austral. Diese Straße ist insgesamt 1.200 km lang u. größtenteils Schotterpiste. In den 1970er Jahren ließ sie Diktator Pinochet vom Militär bauen. Sie verläuft von Norden nach Süden u. wird von 3 Meeresengen unterbrochen, die mit einer Fähre überbrückt werden müssen.
Das chilenische Patagonien ist im Gegensatz zum argentinischen durchgehend mit kaltem Regenwald bewachsen. Die vom Pazifik aufsteigende Feuchtigkeit regnet sich auf der Westseite der Kordillere ab. Es ist alles grün u. die Landschaft ist hügelig, mit vielen Seen u. Flüssen.
Cohaique, 45.000 Einwohner, ist die Provinzhauptstadt der Region Aisen u. die einzige wirkliche Stadt der Region. Wir hatten vor, morgen mit dem Bus von hier ins 83 km entfernte Puerto Chacabuco zu fahren u. von da mit einem Schiff einen Tagesausflug zur Laguna San Rafael zu unternehmen. Danach wäre es vom selben Hafen, die Fjorde hoch, nach Puerto Montt gegangen. Leider gibt es nur 2 Reedereien. Bei der größeren ist das Schiff kaputt (Motorprobleme) u. es fährt erst wieder ab Weihnachten, das 2. Schiff ist bis 19.12. ausgebucht. So versuchten wir unser Glück am Busbahnhof. Doch da wartete schon die nächste Enttäuschung. Da die einzige Straße, die Carretera Austral aufgrund der einschneidenden Fjorde nicht bis Puerto Montt durchgeht, fahren die Busse nur 2 x in der Woche über Argentinien in 18 - 20 Stunden. So beschlossen wir am Abend noch einmal bei unserem Vermieter zu fragen, welche Möglichkeit es sonst noch gäbe. Da wir unseren Reiseplänen um einiges voraus sind u. die Fluglinie LAN, mit der wir aus Madrid gekommen sind, ein Büro in der Stadt hat, fragten wir, ob es möglich wäre, unsere Rückflüge vom 11.1. ein paar Tage vorzulegen. Durch den Sondertarif den wir haben, mußte erst telefonisch in Santiago de Chile angefragt werden. Als das geklärt war stellte sich heraus, daß bis zurück zum 24.12. alles ausgebucht ist. Nach kurzer Überlegung beschlossen wir, den Rückflug am 24.12. zu nehmen. Das ganze dauerte 2 1/2 Stunden u. viele Telefonate mit Santiago, weil der Computer unsere Umbuchung mit dem Sondertarif nicht zulassen wollte. Die Angestellte u. auch wir waren schon ziemlich verzweifelt.
Um 22 Uhr standen wir dann noch im Supermarkt 20 Minuten an der Kassa, obwohl alle 15 Kassen geöffnet waren. Es waren einfach zu viele Leute einkaufen.
Unsere Zimmervermieter sind ein deutsches Pärchen, die Chile mit dem Rad, dem Pferd u. einem selbst gebauten Floß vor einigen Jahren bereisten. Sie sind dageblieben u. haben nun ein Hostel u. bieten auch noch Abenteuer-Touren an. Auch einen Radreiseführer haben sie über die Carretera Austral geschrieben, da es bis jetzt noch keinen gab. Im Sommer fahren sie nach Deutschland und veranstalten Dia-Vorträge. Sie sind ausgesprochen nett u. hilfsbereit u. empfahlen uns, nach Puerto Montt das Flugzeug zu nehmen. Thomas, er war selbst mal Radrennfahrer, empfahl uns eine kleine Fluglinie, die deutschstämmigen Chilenen gehört. Im Internet hatten wir für Euro 50,-- pro Person, für morgen Nachmittag 2 Flüge gefunden. Leider scheiterte die Buchung bei der Kreditkartenzahlung. Hoffentlich klappt es morgen früh im Büro.
Es wohnt noch ein deutsches Pärchen im Hostel, das Süd-Chile per Pferd erleben möchte. Sie haben sich vor ein paar Tagen hier 2 Gaucho-Sättel gekauft u. heute 3 Pferde (eines fürs Gepäck u. 2 Reitpferde. Die Pferde mußten sie nach der Sattelgröße aussuchen. Sie sind schon seit Jänner auf Reisen u. sind so lange unterwegs bis ihnen das Geld ausgeht. Die Frau kennt sich mit Pferden aus, doch ihr Freund ist erst vor ein paar Tagen zum ersten Mal auf einem Pferd gesessen. Die 2 sind wahre Abenteurer.


12.12.09, Cohaique (bedeckt) - Puerto Montt, Regen 12 Grad
Über Nacht hat es stark abgekühlt u. wir mußten wieder unsere Goretex-Jacken auspacken. Die Flugtickets nach Puerto Montt waren schnell gekauft. Wir setzten uns zum Surfen noch eine Zeitlang in den Park u. beobachteten auch die Leute. Die Chilenen, auch die Kinder, sind durchwegs gut genährt. Unsere Vermieterin erzählte, daß die Kinder vergöttert werden u. alles bekommen, vor allem viel zu essen, da die Meinung herrscht, dünne Kinder müssen hungern. Thomas bestellte uns ein Sammeltaxi zum 55 km entfernten Flughafen. Der Kleinbus holte uns pünktlich ab. Das Flugzeug, eine Boeing für 200 Passagiere war größer als wir dachten. Auf dem 50 minütigen Flug gab es Sandwich und Getränke. Bei der Landung in Puerto Montt regnete es stark. Der Flughafen ist ganz neu u. alles ist gut organisiert. Wie die meisten Fluggäste kauften auch wir Bustickets für den Flughafenbus in die 15 km entfernte Stadt. Puerto Montt, die 160.000 Einwohner-Stadt an der Panamerikana paßt überhaupt nicht in unser bisheriges Chile-Bild. Die regnerische Stadt präsentierte sich grau, trist, verwahrlost, schmutzig und verkommen. Die alten Holzhäuser sind zum größten Teil ungepflegt u. herunter gekommen. Sie sehen gelegentlich aus, als würden sie jeden Moment einstürzen u. trotzdem leben Leute darin. Da es noch immer stark regnete machte sich Gerhard auf die Suche nach dem reservierten Hostel. Ich wartete einstweilen am Busbahnhof. Hier gibt es kaum Straßenschilder u. auch das Hostel in einem alten Holzhaus war von außen nicht als solches zu erkennen. Mit viel Fragen fand er es dann doch u. holte mich nach einer 3/4 Std. ab. Die Vermieterin ist aber wie alle Chilenen sehr nett u. hilfsbereit.


13.12.09, Puerto Montt (regnerisch, 12 Grad) - Valdivia (sonnig, 18 Grad), Busfahrt 3 1/2 Std.
In der Nacht wurde es wieder einmal sehr kalt im Zimmer (15 Grad) aber zum Glück war das Bett durch die vielen Decken warm u. kuschelig. Der Dauerregen hatte zwar aufgehört, aber es sah alles noch so trostlos aus wie am Vortag. Im Laufe des Vormittags regnete es immer wieder einmal kurz. Im Busbahnhof kauften wir die Tickets für die Weiterfahrt am Nachmittag. Anschließend liefen wir durch die Stadt, die sich in einem weiten Bogen um eine Bucht schlingt. Da heute Wahlen sind, ist alles geschlossen. Normal haben auch am Sonntag die meisten Geschäfte geöffnet u. die großen Supermärkte sogar bis 22 Uhr. An dem einen Ende der Bucht befindet sich der Fischereihafen. Es herrschte gerade Ebbe u. die Fischerboote lagen im Schlamm. Dafür entschädigte der interessante Fischmarkt. Wir sahen Meeresfrüchte die wir vorher noch nie gesehen haben. Da gerade Mittagszeit war schmorten in großen Töpfen Suppen u. Eintöpfe. Die Köchinnen der winzigen Stände mit ihren wackeligen Bänken liefen in der Markthalle u. davor herum u. suchten nach Kunden. Bei jedem Stand durfte man in die Töpfe schauen. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen. Wir probierten unter anderem auch rohes Seeigelfleisch mit Zitrone. Gut, daß wir sie kosten durften u. nicht eine ganze Portion bestellen mußten. Sie sehen aus wie unsere schleimigen Nacktschnecken u. auch der Geschmack dürfte der gleiche sein!
Wir hatten Bustickets für 15,45 h gekauft, da jedoch die Stadt nichts hergab waren wir schon kurz vor 14 h am Busbahnhof. Wir konnten zum Glück die Tickets für den 14,30 h Bus umtauschen. Nachdem der Bus schon draußen stand u. ich auch fragte, ob er nach Valdivia fährt, durften wir einsteigen. Während wir uns noch auf den Plätzen einrichteten, fuhr der Bus auch schon los. Das kam uns etwas spanisch vor. Nach ca. 5 km kam der Schaffner und merkte, daß wir im falschen Bus saßen. Gott sei Dank mußten wir unterwegs nicht aussteigen. Unsere Platzkarten paßten nun natürlich nicht u. immer wenn wer zustieg mußten wir die Sitzplätze wechseln. Nach 3 1/2 Std. erreichten wir Valdivia (130.000 Einwohner). Beim Aussteigen war es sonnig u. angenehm warm.
Gleich das erste Hostel aus dem Reiseführer hatte ein schönes Zimmer frei. Während wir die Stadt erkundeten wusch die Vermieterin unsere Wäsche. Die Stadt ist sehr gepflegt u. das Zentrum überschaubar. Sie liegt am Zusammenfluß zweier Flüsse u. es gibt rundherum viel grün. Es regnet hier 160 Tage im Jahr. Am Flußufer liegen Ausflugsboote u. daneben riesige Seelöwen. Die Männchen haben beeindruckende Löwenmähnen. Wir wurden gewarnt, nicht zu nahe an die sehr agressiven Männchen heranzugehen. Es hat uns sehr beeindruckt, daß es mitten in einer Großstadt eine wildlebende Seelöwenkolonnie gibt.


14.12.09, Valdivia - Pucon, sonnig, 20 Grad,
In 3 Stunden waren wir mit dem Bus in Pucon. Die Kleinstadt mit 14.000 Ew. ist eines der internationalen Tourismuszentren Chiles. An der Hauptstraße reiht sich eine Agentur neben die andere. Alle bieten ziemlich das gleiche Programm, Trekking, Bergsteigen, Rafting u. noch viele Outdoor-Erlebnisse. Am See Lago Villarrica läßt es sich am schwarzen Sandstrand mit Blick auf den rauchenden Vulkan Villarrica gut entspannen. Der aktive Vulkan sieht aus wie auf einer Postkarte. Ein spitzer Kegel oben mit einer Schneehaube bedeckt. Der Ort wirkt sehr nett. Durch die strengen Bauvorschriften, z.B. dürfen die Geschäfte nur mit Holzschildern werben, und dies ergibt ein einheitliches Stadtbild.
Viele Familien vermieten Privatzimmer. Am Busbahnhof wurden wir von einigen Frauen angesprochen. Wir sind bei einer Familie gelandet, die im Sommer alle Zimmer in ihrem neuen Haus vermietet u. selbst dahinter in einer uralten Holzbaracke wohnt. Die Vermieterin empfahl uns auch gleich eine der unzähligen Agenturen für eine Vulkanbesteigung. Wir kauften gleich ein Paket mit einem anschließenden nächtlichen Besuch in einer Naturtherme


15.12.09, Pucon, 26 Grad, sonnig
Schon um 4,30 h in der Früh wurden wir von unserer Unterkunft abgeholt. Im Geschäftslokal der Agentur bekamen wir einen Rucksack mit der nötigen Ausrüstung für die Vulkan-Tour. Schuhe, Steigeisen, Pickel, Gamaschen, Haube, Fleece-Handschuhe, wind- u. wasserabweisende Fäustlinge, Hosen u. Jacken und einen Rutschfleck. Wir selbst mußten nur die Jause, genug zum Trinken, Sonnencreme u. Sonnenbrille mitbringen.
Um 5 h waren dann alle fertig, insges. 11 Personen, inkl. 3 Bergführern. Mit einem Kleinbus fuhren wir bis zur Talstation eines Sessellifts (aus Österreich) auf 1.410 m. Der Anstieg bis zum Kraterrand (2.810 m) sollte 5 Stunden dauern. Im Zick-Zack ging es hoch. Die Schneegrenze war knapp über 2.000 m. Es war ziemlich vereist u. der Führer schlug immer wieder Stufen mit dem Pickel ins Eis. Besonders die letzten 500 m waren extrem steil. Leider konnte man von oben nicht bis zum Grund des Schlundes sehen, doch man hörte das Magma deutlich brodeln. Wenn sich der Wind kurz drehte, raubte einem der Schwefelqualm, der aus dem Schlund kam, den Atem. Von oben hatte man einen schönen Rundblick u. in der Ferne sah man noch 2 Vulkane. Nach einer kurzen Pause wurden die Rutschflecken am Hosenboden montiert u. das richtige Handhaben des Pickels zum Bremsen vorgezeigt. Als ich die steile Rutschbahn sah, bekam ich Panik. Ich verhielt mich dadurch auch noch falsch u. legte mich fast auf den Rücken, sodaß ich immer schneller wurde. Nach der ersten Bahn mußten wir ein kurzes bis zur nächsten Rinne laufen. Da wollte ich nicht mehr runter rutschen, aber der Bergführer überredete mich, da das Runtergehen im vereisten Schnee noch viel gefährlicher ist. In der Bahn bin ich dann so langsam gerutscht, daß die nachfolgenden auf mich drauf rutschten u. wir allesamt aus der Bahn geschleudert wurden. Am Schluß hat mir die Rutscherei dann sogar noch Spaß gemacht. Da ich den ganzen Ausflug hinter dem Bergführer gelaufen bin, hatte ich auch ausreichend Gelegenheit mein Spanisch zu verbessern.
Am Nachmittag hatten wir vor im See zu baden, doch das Wasser war für uns viel zu kalt. Anscheinend sind die vielen Chilenen die im Wasser waren abgehärteter als wir. Am Abend, 20,30 h, brachte uns ein Kleinbus zur 40 km entfernten Naturtherme Los Pozones. Der Fahrer fuhr wie ein Rennfahrer bis aus der letzten Reihe aus dem Bus eine Inderin nach vorne rief, daß er etwas langsamer fahren soll. Dem deutschen Jungen, der vorne saß, stand beim Aussteigen noch der Angstschweiß auf der Stirn. In der Therme gab es 6 mit großen Steinen ausgelegte Naturbecken, mit verschiedenen Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad. Alles im Freien u. bei den vielen Sternen u. fast ohne Kunstlicht, sehr romantisch. Es gibt eine Umkleidehütte aber seine Sachen muß man von einem Becken zum anderen mittragen. Wir hatten bis 23 Uhr Zeit zum Entspannen.


16.12.09, Pucon - Santiago De Chile, Bus 850 km, sonnig, heiß
10 1/2 Std. brauchte der bequeme Bus für die 850 km nach Santiago de Chile. Er kostete nur Euro 17,-- pro Person u. zur Jause gabe es auch noch einen Snack. Wir hatten 2 Plätze in der 1. Reihe gebucht, damit wir die Landschaft besser genießen können. Leider setzte eine Familie ihre alte Mutter in die 1. Reihe auf der anderen Seite u. schickte die pflegebedürftige Frau alleine im Bus mit. Es dauerte nicht lange u. die alte Dame machte groß in die Hose. Der Gestank war nicht auszuhalten. Da der Bus nicht voll war, wies uns der Schaffner auf unsere Bitte einen Platz weiter hinten zu. Mit der Zeit verteilte sich der Gestank im ganzen Bus. Einige Fahrgäste begannen mit Parfum herum zu spritzen. Der Schaffner spritzte alle 30 Minuten mit einer Desinfekionslösung durch den Bus. Es half alles nichts u. wir mußten durchhalten.
Wir fuhren die ganze Zeit auf der Panamericana. Mittelchile wird intensivst von der Landwirtschaft genutzt. Die Region zählt zu den führenden Obstexportländern der Welt. Auch das wichtigste Weinanbaugebiet des Landes liegt hier. Zwischen den riesigen Obstplantagen sah man immer wieder gigantische Lagerhallen in denen das Obst verpackt wird u. im Hintergrund oft die schneebedeckten Gipfel der Anden.
Der Bus darf max. 100 km/h fahren. Auf der Leuchtschriftanzeige konnten wir immer die aktuelle Geschwindigkeit sehen. Wenn er mal über 100 km/h kam ertönte ein schriller Pfeifton, solange bis wieder die erlaubte Geschwindigkeit erreicht war. Als wir in Santiago um 18 Uhr aus dem Bus stiegen hatte es 32 Grad. Mit der sehr modernen U-Bahn waren wir in 10 Minuten im Zentrum. Wir brauchten aber doch noch 2 Stunden bis wir ein Zimmer gefunden hatten, das Gerhard paßte.


17.12.09, Santiago (32 Grad, sonnig) - Valparaiso, 2 Std. Bus
Wir brauchten den ganzen Vormittag um ein paar Tage auf den Osterinseln zu organisieren. Da man hier nicht einfach ins Reisebüro geht u. ein Pauschalpaket bucht, mußten wir zur Fluglinie LAN laufen, die auf dieser Strecke das Monopol hat. Nachdem die passenden Flüge gefunden waren, konnten wir sie noch nicht fix buchen, weil wir erst versuchen mußten, eine freie Unterkunft zu finden. Das schafften wir alleine nicht, da das Telefonieren über Skype nicht funktionierte. Unser Vermieter half uns u. buchte für uns telefonisch eine Unterkunft und den Transfer. Danach mußten wir wieder zu LAN um die Flüge fix zu buchen. Es warteten aber so viele Leute im Büro, daß ich es selbst am Computer am Online-Schalter versuchte u. es auch schaffte. Nun hatten wir eine Sorge weniger.
Das nächste Problem war, daß unser Hostel für die nächste Nacht ausgebucht war u. wir das Zimmer leider räumen mußten. Was nun? Beim Mittagessen am Fischmarkt entschlossen wir uns, für die nächsten 2 Tage ans Meer nach Valparaiso zu fahren. In einen Rucksack packten wir das nötigste zusammen. Den zweiten Rucksack deponierten wir im Hostel.
Vom Busbahnhof fahren alle 20 Minuten Busse in knapp 2 Stunden nach Valparaiso. Wir baten den Chauffeur uns direkt vor einem Hostel aussteigen zu lassen um Gerhard das Rucksackschleppen zu ersparen. Es klappte alles hervorragend.


18.12.09, Valparaiso, Vormittag Hochnebel, Nachmittag sonnig, 24 Grad
Die Hafenstadt Valparaiso, 280.000 Ew. ist die viertgrößte Stadt des Landes. 2 - 5 Straßenzüge erstrecken sich entlang der Bucht. Der Rest der Stadt verteilt sich auf 42 Hügel. Jeder Hügel besitzt sein eigenes Flair u. die sozialen Unterschiede der einzelnen Hügel sind deutlich zu erkennen. Ein Hügel mit noblen Villen, auf anderen altersschwache Behausungen. Wenn wir Leute nach dem Weg fragten, wurden wir immer gewarnt, manche Hügel nicht zu besuchen, da es dort nicht sicher sei!
Die Hügel erreicht man über steile Treppen oder uralte Aufzüge, die auf steilen Schienen hinauffahren. 14 dieser Aufzüge gibt es. Der 1. wurde 1855 gebaut. Der jüngste ist 80 Jahre alt. Der steilste bewältigt eine Steigung von 70 Prozent. Jeder für sich ist ein preiswertes Erlebnis! Von oben hat man immer einen schönen Ausblick auf den Hafen. Ein Teil der Hügel gehört zum Weltkulturerbe u. wurde mit dem Geld der Weltbank renoviert.
Am Nachmittag fuhren wir mit der Schnellbahn in 14 Min. in den Nachbarort Vina del Mar; eines der beliebtesten Seebäder Chiles. Im Sommer verbringen ca. 1 Mio Gäste hier ihren Urlaub. Wir können uns das nicht vorstellen, weil aus unserer Sicht die Strände nichts besonderes sind. Die hohen Wellen sind trotz schönem u. leicht windigem Wetter bis ans Ufer gerollt u. es herrschte Badeverbot. Wir setzten uns ca. 45 Min. auf der Promenade auf eine Bank u. verfolgten das Treiben am Strand. Die kurze Zeit reichte fr einen leichten Sonnenbrand! Da angeblich die Strände in den nächsten Orten noch schöner u. sauberer werden, sind wir mit dem Bus 2 Orte weiter gefahren. Dort war der Strand grau, fast keine Leute u. kein einziger im Wasser, obwohl hier der Atlantik ganz flach war. Offensichtlich wurde da für den Reiseführer schlecht recherchiert. Gerhard hat sich die neue Badehose (die alte hat er nach seinem Tauchgang vergessen) umsonst gekauft!

 
19.12.09, Valparaiso - Santiago, ca. 150 km Bus, wolkig, 24 Grad
Als wir aus dem Hostel kamen, kam uns ein Bus nach Santiago entgegen. Der Chauffeur sah uns mit dem Rucksack u. hielt sofort an. Gerhard ersparte sich somit 1 km Rucksack schleppen zum Busbahnhof.
Santiago, die 5 Mio Einwohnerstadt ist sehr kompakt u. wir fanden uns sofort gut zurecht. Da unser Zimmer noch nicht frei war, gaben wir den Rucksack im Hostel ab u. gingen in den Supermarkt. An der Kassa fehlte Gerhard plötzlich die Geldbörse. Sie wurde ihm offensichtlich samt seinem Fotoapparat im Gedränge der U-Bahn aus der Hosentasche gestohlen! Er hatte zwar nur umgerechnet knapp um die Euro 30,-- darin, aber leider auch seine Kreditkarte. So liefen wir zurück ins Hostel u. riefen in Wien an, um die Karte zu sperren. Die Anzeige auf dem Polizei-Kommissariat war schnell gemacht. Man musste nur ein Formular in Englisch ausfüllen, bekam einen Stempel auf die Kopie u. alles war erledigt. Gut, dass wir jeden Tag die Fotos auf unser Netbook herunterladen u. noch eine zweite Kamera mithaben. Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, machten wir auch noch den Check-In bei LAN für unseren Flug morgen auf die Osterinsel. Anschließend schlenderten wir noch durch einige Stadtviertel u. drängten uns zum Tagesabschluss durch die Menschenmassen in der Fußgängerzone. Auch hier merkt man den weihnachtlichen Einkaufsstress sehr.

 
20.12.09, Santiago - Hanga Roa (Osterinsel) 5 1/2 Std. Flug
In der Nacht ist Gerhard eingefallen, daß auch sein Führerschein in der gestohlenen Geldbörse war.
Der Flughafenbus fuhr nicht weit von unserem Hostel ab. Am Airport war um 7 Uhr Früh schon sehr viel los. Anscheinend sind wir auch heute vom Pech verfolgt. Das Flugzeug war defekt u. wir wurden in ein Restaurant zum Frühstück geschickt u. auf neue Infos in 2 Stunden vertröstet. Nicht nur daß wir wertvolle Zeit von unserem so und so schon viel zu kurzen Aufenthalt auf den Osterinseln verlieren, haben wir im "All-you-can-eat"-Restaurant aus Langeweile viel zu viel gegessen u. werden wahrscheinlich noch mehr zunehmen. Mit 4 Std. 40 Min. Verspätung hob die vollbesetzte Ersatzmaschine, eine Boeing 767, nun doch noch ab. Bei der Ankunft wurden wir mit frischen Blumenkränzen begrüßt u. in unser Hostel gebracht. Gleichzeitig mit uns kamen auch 2 junge Mädchen aus Deutschland an, die in Santiago für 1 Semester studieren. Wir beschlossen, uns gemeinsam ein Auto für morgen zu mieten. Die Mädels hat uns Gott geschickt, denn ohne sie hätten wir keinen fahrbaren Untersatz mieten können, da ich meinen Führerschein in Österreich gelassen habe.
Da es bis kurz vor 22 Uhr hell ist, konnten wir am Abend noch einige historische Stätten am Ortsrand zu Fuß erkunden.


21.12.09, Hanga Roa, leicht bewölkt 25 Grad, Luftfeuchtigkeit 76 %
Die Osterinsel wurde zu Ostern von einem Holländer entdeckt u. er gab ihr den Namen Osterinsel. Sie gehört zu Chile, liegt aber 3.762 Kilometer vom Festland entfernt. Der Zeitunterschied zum Festland beträgt 2 Stunden. Die nächstgelegene bewohnte Insel ist 1.900 Kilometer entfernt u. so ist die Osterinsel die isolierteste menschliche Ansiedlung.
Beim gemeinsamen Frühstück mit den anderen 6 Gästen die gestern mit uns angekommen waren, beschlossen auch die restlichen sich gemeinsam ein Auto für die Inselrundfahrt zu mieten.
Die Insel ist 17 km lang und 12 km breit u. vulkanischen Ursprungs. Nur eine Straße, die durch die Inselmitte führt ist asphaltiert. Der Rest der Straßen sind zum Teil sehr abenteuerliche Pisten und fast nur mit Allradautos zu befahren, daher sind so gut wie alle Mietautos Jeeps.
Auf der kleinen Insel gibt es fast 250 große Tempelanlagen u. knapp 1.000 monumentale Steinfiguren u. Felszeichnungen zu bewundern. Die Steinfiguren sind zwischen 2 und 21 m groß. Im Laufe der Jahre sackten viele Figuren tief in den Boden ein. Auf unserer Rundfahrt sahen wir uns die größten u. interessantesten Anlagen an. Im Norden liegt der einzige Strand der Insel. Wir verbrachten auf dem traumhaften weißen palmengesäumten Sandstrand ein paar Stunden. Das Schwimmen im warmen Südsee-Wasser war sehr angenehm. Die 2 deutschen Mädels waren sehr beeindruckt, da sie noch nie vorher so einen tropischen Sandstrand sahen.
Unser letzter Stopp des Tages war ein unscheinbarer Ort an der Steilküste. Wir hielten nur, weil einige Autos da standen. Ein kaum zu sehendes Loch im Boden (ca. 65 x 55 cm groß) war der Eingang zu einer Wohnhöhle mit 2 Öffnungen zum Meer hin. Zum Glück borgte uns eine einheimische Familie 3 Taschenlampen. Ohne die hätten wir keine Chance gehabt die Höhle zu besichtigen.
Die Rückfahrt über die unasphaltierte Piste war äußerst spektakulär. Teilweise war die Straße überschwemmt u. man sah die Unebenheiten u. Löcher nicht. Wir hatten jedes Mal Angst im tiefen Schlamm stecken zu bleiben. An einer Stelle war das Wasser so tief, daß eine Fontäne über dem Auto zusammenschlug. Gerhard hatte sein Fenster nicht ganz geschlossen u. wurde mit dem schlammigen Wasser vollgespritzt. Gut daß er das Steuer bereits am Morgen übernommen hatte, da die Mädels über keinerlei Fahrpraxis verfügten.

 
22.12.09, Osterinsel, wolkig 24 Grad - Santiago
Da wir bis zu unserem Abflug um 14 Uhr noch genug Zeit hatten liefen wir nochmals durchs Dorf u. ein Stück die Küste entlang. Als wir das Hostel verliesen lief uns ein Schäferhund zu und wich uns 3 Stunden nicht mehr von der Seite. Er spielte sich wie unser Beschützer auf.
Auf der Insel gibt es sehr viele Wildpferde. Sie kommen bis zum Dorfrand, wo sie aber von den streunenden Hunden verjagt werden. Am kleinen Dorfstrand badeten einige Kinder. Eine große Schildkröte schwamm ins seichte Wasser bis auf 1 Meter an die Kinder heran. Leider verjagten sie diese aber. Sie blieb aber immer in der Nähe. Gerhard blutete das Herz daß er keine Zeit mehr zum Schnorcheln hatte.
Die Hostelbesitzerin wollte uns und eine französische Familie zum 1 km entfernten Flughafen bringen. Wir saßen schon im altersschwachen Kleinbus, aber sie brachte keinen Gang hinein. Dann stellte sie den Motor ab u. dann ging gar nichts mehr. Der Hund war noch immer da u. wollte unbedingt zu uns in den Bus springen. Als wir alle aus dem Auto ausgestiegen u. das Gepäck ausgeladen hatten u. sie ein Taxi rief, gelang es dem Franzosen den Bus zu starten u. sie konnte uns doch noch zum Airport bringen.
Die Zeit am Flug verging sehr schnell. Man konnte am eigenen Bildschirm zwischen 44 Filmen wählen u. an die 10 Filme waren auch auf Deutsch. Kurz vor 22 Uhr waren wir im Hostel u. freuten uns auf das reservierte Doppelzimmer. Es war aber kein einziges Zimmer frei. Das Personal schob sich gegenseitig die Schuld zu, daß sie unser reserviertes Zimmer vergeben hatten. Sie boten uns an, eine Nacht gratis im 6-Bett-Zimmer zu schlafen u. morgen in ein Doppelzimmer zu wechseln. Da wir in der Nacht nicht mehr herumlaufen wollten um ein anderes Hostel zu suchen willigten wir ein.
 
23.12.09, Santiago de Chile, sonnig, 26 Grad
Durch die hohe Luftfeuchtigkeit fühlen sich die 26 Grad wesentlich wärmer an. Der Chef vom Hostel hatte wegen des vergebenen Zimmers ein so schlechtes Gewissen, daß wir auch noch gratis ein Frühstück bekamen.
Anschließend machten wir 3 im Stadtplan empfohlene Rundgänge. Auf den Routen waren kaum Leute unterwegs, dafür war in den Einkaufsstraßen der Teufel los. Gott sei Dank bekam Gerhard dann wieder Knieschmerzen u. ich durfte endlich nach Hause. Er wäre sonst mit Sicherheit noch weiter gelaufen!
Im Gedränge mußte ich aufpassen, daß ich Gerhard nicht verliere. Er blieb aus Neugierde bei jeder Filiale der Kaffeeketten stehen, die leicht bekleidete Damen als Servierpersonal haben. In diesen Lokalen gibt es nur lange geschwungene Stehpulte. Das Personal besteht ausschließlich aus jungen Frauen in extrem kurzen Stretch-Minikleidern mit tiefem Ausschnitt. Die Gäste sind fast ausschließlich Männer in Anzügen.
Im Supermarkt kauften wir für das Abendessen ein. An der Kassa wollte uns die Kassiererin die 1 Liter Bierflasche nicht verkaufen, weil wir keine Pfandflasche zurück gebracht hatten. Da uns das schon einmal passiert ist, hat Gerhat die Flasche schon vor der Kassa geöffnet u. einen Schluck getrunken. Sie hat herumgemeckert u. wir haben uns blöd gestellt u. so konnten wir sie überlisten.

 
24.12.09, Santiago de Chile, wolkenlos, 29 Grad, - Madrid - Wien
Bei diesem herrlichen Sommerwetter tut es uns nun leid, daß wir ins feucht-kalte Österreich zurück müssen. Wir sind aber auch schon urlaubsmüde und brauchen Urlaub vom Urlaub!
Heute war die Stadt noch hektischer u. massenhaft Leute auf der Straße.
Zum Abschluß sahen wir uns noch Santiago von oben an. Wir wanderten einen Hügel hinauf zur Marienstatue San Cristobal. Von da hat man einen schönen Ausblick über die Stadt. Man sieht die Hochhäuser und normalerweise im Hintergrund die schneebedeckten Anden. Leider hing aber eine riesige Smogwolke über der Stadt, sodaß man nur die Umrisse der Berge erkennen konnte.
Im Bus zum Flughafen waren kaum Leute und auch im Flughafengebäude war es ziemlich leer. Wir baten beim Einchecken um einen Fensterplatz und man erklärte uns, daß es kein Problem sei, da in der großen Maschine bis Madrid nur 20 Passagiere an Bord sind! Vom Duty Free Shop wollte ich noch eine Flasche des Nationalgetränks "Pisco Sour" mit nach Hause nehmen. Die Kassiererin fragte mich nach meiner End-Destination. Da wir in Madrid umsteigen müssen und es in der EU verboten ist im Handgepäck Flüssigkeiten mitzuführen, hätte ich die Flasche bis Madrid austrinken müssen. Sch.... EU-Gesetze!
Feliz Navidad!

 

25.12.09, Maria Theresia,
Im Flugzeug waren sowenig Leute, daß wir 8 Sitzplätze (eine ganze Reihe) für uns alleine hatten u. genug Platz zum Schlafen. Um 24 Uhr wurden wir von der Crew mit Champagner geweckt, da die Chilenen am 24. Dezember erst um Mitternacht Weihnachten feiern. Die ganze Crew lief mit Weihnachtsmützen u. Hirschgeweihen am Kopf herum. Auch am Madrider Flughafen war nicht viel los u. die Duty Free Geschäfte zum größten Teil geschlossen.
Nun sind wir wieder gut zu Hause gelandet u. eine schöne und abenteuerliche Reise ist zu Ende.