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3.11.2010
Delhi - Chennai Chennai - Kanchipuram
Kanchipuram - Krischnagiri
Krischnagiri - Bengalore
Bangalore - Mysore
Mysore
Mysore - Sravanabelogola
Sravanabelogola - Belur
Belur - Chitradurga
Chitradurga - Hampi
Hampi
Hampi
Hampi - Dharwad
Dharwad - Benaulim
Benaulim
Benaulim
Benaulim - Palolem
Palolem
Palolem - Gokarna
Gokarna - Maravanthe
Maravanthe - Udupi
Udupi - Mangalore
Mangalore - Parassinikadavu
Parassinikadavu - Tottada
Tottada - Kozhikode
Kozhikode - Triprayar
Triprayar - Fort Kochi
Fort Kochi
Fort Kochi
Fort Kochi - Alappuzha (Alleppey
Alappuzha - Kollam
Kollam - Varkala
Varkala
Varkala - Trivandrum
Trivandrum
Trivandrum - Kovalam
Kovalam
Kovalam - Kanyakumari
Kanyakumari - Tirunelveli
Tirunelveli - Madurai
Madurai
Madurai - Trichy
Trichy - Thanjavur
Thanjavur - Kumbakonam
Kumbakonam - Chidanbaram
Chidanbaram - Puducherry
Puducherry - Mamallapuram
Mamallapuram
Mamallapuram
Mamallapuram
Mamallapuram - Chennai
Chennai - Mamallapuram
Mamallapuram
Mamallapuram
Mamallapuram
Mamallapuram
Mamallapuram
Mamallapuram - Chennai Airport
Insges. gefahrene Kilometer: 3.488 km
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Fotos unter: www.picasaweb.google.at/Radferien
Beim Check-In in Wien stellen wir fest, daß unsere beiden Räder inkl. dem gesamten Reisegepäck 49 kg wiegen. Unser Gepäck haben wir zu den Rädern dazugepackt und daher weiß die Dame am Schalter nicht, ob sie uns die Räder als Sportgerät verrechnen muß oder nicht. Da sie ihre Vorgesetzte nicht erreichen kann, müssen wir nichts bezahlen. Nach 7,5 Stunden Flugzeit mit der AUA landen wir um 0,55 Uhr (22 Grad) in Delhi. Mit dem Shuttlebus wechseln wir zum einigen Kilometer entfernten nationalen Flughafen und müssen neu einchecken. Wir haben 5 1/2 Stunden Aufenthalt. Nach einer Nacht ohne Schlaf geht es dann um 7 Uhr weiter nach Chennai.
Flughafen Delhi
4.11.2010 Delhi - Chennai, 2,20 Std. Flugzeit, 29 km vom Airport zum Hotel, 2 Std. Fahrzeit, 30 Grad, leicht bewölkt Beim Check-In herrscht richtiges Chaos. Die Inder stellen sich nicht gerne in der Reihe an u. versuchen sich immer wieder vorzudrängen. Für die vielen Passagiere waren zuwenig Schalter offen. Als wir nach 1 Stunde endlich an der Reihe sind, werden wir zu einem anderen Schalter geschickt, da die Räder zu groß sind. Nach einer langen Sicherheitskontrolle werden wir sofort zum Flugzeug gebracht. Am Flugfeld geht es genauso chaotisch zu. Viele Autos, Menschen u. dazwischen rollen die Flugzeuge durch. Die 2 1/2 Stunden Flug verschlafen wir beide fast zur Gänze. Beim Aussteigen erleben wir den ersten Hitzeschock; 30 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Darum entschließen wir uns, die Räder gleich in der vollklimatisierten Ankunftshalle zusammen zu bauen.
Aus den laut Reiseführer 16 Kilometer ins Zentrum werden 29 Kilometer, weil wir irgendwo falsch abgebogen sind. Der Linksverkehr bereitet uns keine Probleme, doch an das hektische Treiben auf der Straße und das ständige Hupen müssen wir uns erst gewöhnen, Es herrschen keine Regeln u. es gilt das Gesetz des Stärkeren. Nach oftmaligen Fragen finden wir endlich das Hotel, das wir uns vorher ausgesucht haben. Das Zimmer mit Dusche, WC und TV kostet für uns beide zusammen umgerechnet Euro 6,50 (leider ohne Toilettepapier! Die Inder benutzen die linke Hand und auf den Toiletten gibt es überall eine Handdusche). Wir wir dann auch feststellen müssen, gelingt es uns nicht, irgendwo Toilettepapier zu kaufen. Auch beim Versuch Geld in den Banken zu wechseln haben wir Probleme. Obwohl der Wächter am Eingang uns an einen Schalter verweist, teilt man uns erst nach einer 1/2 stündigen Wartezeit in der Schlange mit, daß wir in eine Wechselstube müssen. Unser Rezeptionist ist aber sehr freundlich und hilfsbereit u. schickt einen Freund zum Wechseln u. besorgt uns sogar WC-Papier! Nach einer angenehmen, ausgiebigen Dusche erkunden wir die nähere Gegend ohne Rad. Mit einer Motorrad-Rikscha lassen wir uns in halsbrecherischer Fahrt zum Strand chauffieren. Ein tolles Erlebnis am Strand - tausende Inder und wir! Bis jetzt haben wir, außer am Flughafen, noch keine Touristen gesehen u. wir kommen uns wie Exoten vor. Einige bitten uns, Fotos mit uns machen zu dürfen. Die Inder gehen mit der normalen Straßenkleidung ins Wasser; die meisten aber nur bis zu den Knien, da sie nicht schwimmen können.
5.11.2010 Chennai - Kanchipuram, 78 km,32 Grad, schwül
Die Nacht war kurz und laut. Die Inder feiern heute das Lichterfest u. das größte Fest des Jahres. Es geht schlimmer zu als bei uns zu Sylvester. Sie haben die ganze Nacht Knallkörper u. Raketen gezündet. Frühstück gab es an einem Straßenstand: Chai (Tee mit aufgeschäumter Milch, Ingwer u. viel, viel Zucker) und Milchbrötchen. Das frühe Aufstehen hatte den Vorteil, daß es noch nicht so heiß war u. der Verkehr sich in Grenzen hielt. So konnten wir relativ schnell die stickige Großstadt Chennai (6,5 Mio Einwohner) verlassen. Fast den ganzen Weg nach Kanchipuram fuhren wir auf einer mautpflichtigen Schnellstraße. Aber trotzdem kamen uns immer wieder Motorrad- und Radfahrer auf dem Pannenstreifen entgegen.
Kanchipuram ist eine der 7 heiligsten Städte des Subkontinents für 2 hinduistische Religionsgruppen. Das ganze Jahr über strömen Pilger hierher. Nach unserem ersten richtig indischen Mittagessen (Biriyani mutton; Reis mit Safran, Gewürzen u. Hammelfleisch - sehr scharf) liefen wir noch 2 Stunden durch die Stadt und besichtigten die wichtigsten Tempel. Die Tempel darf man nur ohne Schuhe betreten u. drinnen läuft man oft auf sandigen Wegen.
6.11.2010, 195 km, Fahrzeit 8,49 Stunden, bedeckt 28 Grad Unser nächstes Ziel für Besichtigungen ist Bangalore. Da wir die 280 Kilometer bis dahin nicht an einem Tag schaffen, sind wir früh aufgestanden um am ersten Tag möglichst weit zu kommen. Da es bedeckt war u. nicht zu heiß, sind wir am Anfang gut vorangekommen. Wir sind die ganze Strecke am gut asphaltierten Highway gefahren, um nicht auf den Nebenstraßen in jedem Ort nach dem Weg fragen zu müssen.
Um 10 Uhr hatten wir schon richtig Hunger, sodaß wir an einem vegetarischen Straßenrestaurant anhielten. Wir sind ganz überrascht wie gut vegetarisches Essen schmeckt. Die Strecke auf den letzten 2 Stunden wurden hügelig und kostete uns schon ziemlich Substanz. Gerhard hat sich den Tag schlecht eingeteilt u. schwächelte auf den letzten 30 Kilometern. Besonders nerven die unzähligen Motorradfahrer, die nebenher fahren und sich unterhalten oder mit ihren Handys fotografieren wollen. Am Abend begaben wir uns noch auf die Suche nach einer Apotheke, um unseren Salzhaushalt wieder auszugleichen. Auf natürlichem Weg (Bier) geht es leider nicht, da es keines gibt!
7.11.2010 Krischnagiri - Bengalore, 95 km, 5,27 Stunden, regnerisch, 23 Grad Beim Wegfahren um 7 Uhr hat leichter Nieselregen eingesetzt. Trotz der gestrigen langen Etappe fühlten wir uns ganz gut. Die heutige Strecke war ein ständiges rauf und runter, jedoch mit keinen steilen Anstiegen. Neben der Straße befinden sich öfters richtige Müllhalden. Je weiter wir uns Bengalore nähern ändert sich auch die Umgebung. Der Schmutz wird weniger, neben der Straße befinden sich Reisfelder und Palmenhaine. Hier sind viele Fabriken und Industrieanlagen von internationalen Firmen vertreten.
Nach unserer Mittagsrast begann es richtig stark zu regnen u. wir mußten die letzten 2,5 Stunden im zeitweise sehr starken Regen zurücklegen. Im Zentrum der Stadt war der Verkehr chaotisch. Durch die vielen Wasserlacken auf der Straße sah man auch die unzähligen, riesigen Löcher nicht. Bangalore ist eine moderne, verwestlichte Stadt mit 8 Mio Einwohnern und liegt 1.000 m über dem Meer, dadurch herrscht ein angenehmes Klima. Es gibt Designerboutiquen, internationale Restaurants, Kaffeehausketten à la Starbucks und BIER! Da es keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten gibt, zog es uns bei Starkregen von einem Lokal ins andere.
8.11.2010, Bengalore - Mysore, 146 km, Fahrzeit 6,41 Stunden Das Hotel in Bengalore, laut Reiseführer eines der besseren in dieser Gegend, war ziemlich schäbig und heruntergekommen. Als wir aufwachten war die Tageszeitung unter der Türe durchgeschoben; die Wettervorhersage: 48 Stunden Regen. Was soll`s? Ich überredete Gerhard zum Weiterfahren und los ging`s! Ich hasse die großen Städte mit dem starken u. chaotischen Verkehr und bewundere Gerhard immer wieder, daß er die Orientierung nicht verliert u. immer die richtigen Straßen findet.
Der Regen hörte nach 2 1/2 Stunden auf und wir kamen zügig voran. In dieser Gegend gibt es viele Zuckerrohrplantagen, Reisfelder u. Kokospalmen. Immer wieder kamen wir durch größere Städte in denen es sehr chaotisch zuging. Bei vielen Ortseingängen u. manchmal auch bei Kreuzungen gibt es Schwellen. Als Gerhard eine mit viel zu hohem Tempo überfuhr, flog ihm eine Packtasche davon. Also, wenn Ihr in Zukunft keine Berichte mehr von uns lesen könnt, ist ein Auto über Gerhard`s Packtasche gefahren! Dieses Mal konnte er die Halterung wieder anschrauben und alles ist gut gegangen!
Am Abend spazierten wir noch zum toll beleuchteten Maharadscha-Palast. Beim Eingang gibt es mehrere Tempel u. wir sahen die Zeremonie einer Auto- und Motorrad-Taufe. Wir kamen auch an einem Jahrmarkt vorbei, wo wir Eintritt zahlen mußten, um den Ramsch ansehen zu können! Beim Abendessen am Straßenstand genehmigten wir uns ein köstlich kühles, indisches "Kingfisher" Bier.
Mysore, die 2. größte Stadt des südindischen Bundesstaates Karnataka, ist ein Zentrum der Sandelholzschnitzerei, Seiden- und Räucherstäbchen-Manufaktur. Wir starten den Tag mit einem ausgiebigen Frühstücksbuffet in einem Luxushotel. Wir konnten alle indischen Spezialitäten probieren, aber auch endlich wieder gewohntes Frühstück essen. Das Frühstück kostete genauso viel wie unser erstes Hotelzimmer in Chennai. Im Anschluß besuchten wir den bekannten Devaraja Markt, angeblich einer der größten und schönsten Lebensmittelmärkte Indiens und bekannt für Gewürze, ind. Parfum und Räucherstäbchen.
Beim von Festungsmauern umgebenen, märchenhaften Maharadscha-Palast zahlten wir Rupie 200,-- pro Person Eintritt; Einheimische bezahlen Rupie 20,--. Vor dem Eintritt in den Palast muß man Schuhe und Kameras abgeben. Beim Rundgang im prachtvollen Inneren fühlt man sich wie in "Tausendundeiner Nacht". In der Parkanlage konnte man mit Elefanten und Kamelen reiten. Lustig war es zu beobachten, wie der Elefant mit seinem Rüssel Münzen entgegennahm u. sie seinem Führer reichte. Danach wurde der Spender mit dem Rüssel am Kopf berührt.
10.11.2010, Mysore - Sravanabegola, 89 km, 4,52 Std. Fahrzeit, leicht bewölkt, 24 Grad Den 1. Stopp legten wir schon nach 14 km in Sirangapatnam ein. Das Dorf liegt auf einer Insel im Fluß Kaveri. Wir besichtigten den aus dem 10. Jhd. stammenden Vishnu-Tempel Sriranganathaswamy. Anschließend begaben wir uns zum 4 km entfernten Gumbaz-Mausoleum, wo ein berühmter Feldherr, der sich erfolgreich lange Zeit den Briten widersetzte, samt seiner Familie beigesetzt ist. Auf dem Rückweg zur Hauptstraße besichtigten wir noch den ehemaligen Sommerpalast Daria Daulat Bagh.
Kurze Zeit später mußten wir die Schnellstraße verlassen, da unser nächstes Ziel nur über Nebenstraßen erreichbar ist. Anfangs gab es viele tiefe Schlaglöcher und zeitweise war die Straße überraschend gut und sogar ausgeschildert. Nur in den kleineren Orten fehlte manchmal der komplette Asphalt und trotzdem gab es aber hohe Schwellen, die man im Schritttempo passieren muß. Landschaftlich war es wunderschön, ziemlich abwechslungsreich, nicht zu wellig u. durch den bedeckten Himmel die meiste Zeit nicht zu heiß. 5 km vor unserem Ziel kamen wir an eine unbeschilderte Kreuzung. Wenn nicht ein Schafhirte mit seiner Herde gewesen wäre, hätten wir mit Sicherheit nicht den schmalen Weg gewählt, der schlußendlich der richtige war.
Die kleine Stadt Sravanabelogola ist wegen ihrer 18 m hohen Monolithstatue, die eine nackte männliche Figur zeigt, ein wichtiger Wallfahrtsort. Man erreicht die Statue über 620 Stufen, die in den Granitstein geschlagen sind. Die Schuhe muß man schon unten am Eingang abgeben u. über die heißen Stufen barfuß hoch laufen. Am Fuße des Hügels wo auch unser Hotel ist, befindet sich ein See. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein weiterer Hügel. Also wieder barfuß hoch über die heißen Stufen zum nächsten Tempel. Die streng gläubigen Digambara-Jains laufen splitternackt herum. Wir sahen am Rückweg auch wirklich zwei Nackte, umgeben von in den buntesten Saris gekleideten Frauen. Das war in der Stadt ein ungewohnter Anblick.
11.11.2010 Sravanabegola - Belur, 90 km, Fahrzeit 4, 23 Stunden, bewölkt, 27 Grad Um 5,30 Uhr begann der Wirbel im Hotel. Die Pilger sind früh aufgestanden, weil sie bei Sonnenaufgang bei ihrem Heiligtum am Hügel sein wollten. Daher wachten auch wir früh auf und machten uns gleich auf den Weg. Kurz nach 7 Uhr erwischte uns der erste Regenschauer. Gerhard glaubt es mir noch immer nicht, daß hier momentan Regenzeit ist.
Bei der Durchfahrt einer größeren Stadt herrschte wieder einmal auf einem nicht asphaltierten Stück richtiges Chaos. Da die linke Straßenseite verstopft war, sind alle nach rechts in den Gegenverkehr ausgewichen, bis dann gar nichts mehr ging! Bei dem was wir hier täglich erleben, fragen wir uns immer wieder ob die Inder überhaupt denken! (Sie überholen und biegen dann sofort vor einem ab, überholen auf unübersichtlichen Bergkuppen und Kurven, Verkehrszeichen und Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt es kaum)
Belur war im 11. und 12. Jhd. die Hauptstadt der Hoysala-Dynastie und ist bekannt für den im Jahre 1117 erbauten Chennakeshava-Tempel, den wir am Nachmittag besichtigten. Heute sind wir keinem Touristen begegnet und wir waren für die Kinder eine Sensation.
12.11.2010, Belur - Chitradurga, 175 km, Fahrzeit 9,05 Std. sonnig/leicht bewölkt, 28 Grad Der Tag fing nicht gut an. Als wir um 6,30 Uhr los wollten, war das Hotel fest verschlossen. Die Putzfrau fanden wir vor einem Fernseher am Gang im 1. Stock. Sie sprach kein Wort Englisch und machte nur Gesten. Da der Hoteleingang mit einem Rollbalken von innen verschlossen war, wußten wir, daß irgend jemand einen Schlüssel haben muß. Sie machte keine Anstalten uns zu helfen und so trommelten wir solange an dem Rollbalken und schrieen und pfiffen bis das ganze Hotel wach war. Nach 10 Minuten kam dann endlich ein Junge mit dem Schlüssel aus einem Zimmer. Nach 13 km legten wir den 1. Stopp ein und Gerhard besichtigte den einzig sehenswerten Tempel, während ich auf die Räder aufpasste und einen Chai trank.
Um die kürzeste Route zu fahren, fuhren wir ausschließlich über Nebenstraßen und wußten vorher nicht, wieviele Kilometer bis zur nächsten großen Stadt mit Hotels es wirklich sind. An jeder Kreuzung mußten wir nach dem Weg fragen. Wenn mal niemand da war brauchten wir nur kurz zu warten bis jemand auftauchte. Das größte Problem war aber, daß es hier 43 % Analphabeten gibt und fast alle nur Hindi sprechen. Auch die Wegweiser waren für uns nicht zu entziffern. Trotzdem klappte es, daß wir den richtigen Weg fanden, aber die Straßen waren teilweise katastrophal. Oft kilometerlang nicht asphaltiert mit bis zu einem 1/2 Meter tiefen Löchern, die durch den starken Regen in der Nacht überschwemmt waren. Wir kamen auch zu einer neuen Eisenbahnunterführung, die komplett unter Wasser stand, sodaß wir die Räder über die Gleise schleppen mußtenu. Zu diesem Zeitpunkt wußten wir noch nicht, daß wir zu einer überfluteten Straße kommen, wo wir durch die starke Strömung mußten. Bei der ersten Überflutung zogen wir uns noch die Schuhe aus und wateten durch das fast knietiefe Wasser, doch bei den nächsten zwei Überflutungen, die nicht so tief waren, war es uns schon egal. Durch die morastigen Straßen waren wir sowieso schon voll mit rotem Schlamm.
Die große Stadt war im Reiseführer gar nicht angeführt und so suchten wir auf gut Glück ein Hotel. Das 1. Hotel war zu schäbig, aber das nächste war auch nicht viel besser. Da es aber schon dunkel wurde, mußten wir es leider nehmen.
13.11.2010, Chitradurga - Hampi, 147 km, 7,05 Std. Fahrzeit, sonnig, 31 Grad
Die Regenzeit dürfte vorbei sein. Wir haben nun schon den 3. Tag schönes Wetter, nur die Felder neben der Straße sind teilweise überflutet. Die gesamte heutige Strecke fuhren wir auf einer Fernverkehrsstraße (die 2. höchste Straßenkategorie des Landes). Es herrschte starker LKW-Verkehr, PKW`s waren kaum zu sehen. Wir merkten auch sehr schnell warum. Auf langen Abschnitten der Straße war kein Asphalt vorhanden und es gab riesige Schlaglöcher. Die LKW`s fuhren teilweise nur im Schritttempo, was Gerhard zu nutzen wußte, denn bei den Steigungen hielt er sich immer fest. Die LKW´s überholen sich gegenseitig ohne Rücksicht ob Gegenverkehr herrscht. Der Gegenverkehr hielt immer an, wenn es zu eng wurde. Nach kurzer Zeit wurde es Gerhard zu blöd und er fuhr genauso frontal auf die LKW`s zu und hielt erst im letzten Moment mitten auf der Straße an, sodaß er auch die überholenden LKW`s zum Anhalten nötigte. Für mich war der Tag der reinste Horror und ich war psychisch am Ende. Wenn wir gewußt hätten wie schlecht die Straßen hier sind wären wir nicht mit dem Rad gereist; so macht es keinen Spaß. Man muß sich so konzentrieren um nicht in ein Loch zu stürzen, daß man die meiste Zeit des Tages von der schönen Landschaft, abseits der Straße, mitbekommt. Wir können nur hoffen, daß es in den anderen Bundesstaaten besser wird. Nach 7 Stunden in der Hitze und dem vielen Staub sahen wir aus wie Bergwerksarbeiter!
In Hampi wurden wir aber für die Mühen wieder entschädigt. Das kleine Dorf hat sich zu einem Touristenzentrum entwickelt. Hier fanden wir schnell ein schönes Zimmer und es gibt wieder internationale Küche. Am Abend am Rückweg vom Restaurant fiel wieder einmal der Strom aus, wie fast täglich in Indien einige Male. Dieses Mal hatten wir aber die Taschenlampe vergessen u. so mußten wir aufpaßen, daß wir keine der zahlreichen Kuhfladen in der Dunkelheit übersehen
14.11.2010, Hampi - Ruhetag, 8 km, sonnig, 32 Grad
Obwohl wir ausschlafen wollten, sind wir früh wach geworden, da einige Affen vor unserem Zimmer die Mülleimer ausgeleert haben. Auf der Dachterrasse mit Blick auf den Tempel und die herumturnenden Affen konnten wir uns endlich wieder einmal ein gewohntes Frühstück servieren lassen.
In die Tempelruinenstadt, die zum Weltkulturerbe zählt und in der 2. Hälfte des 16 Jhd. eine prächtige Hauptstadt eines Hindureiches war, dürfen keine Autos einfahren und es ist daher angenehm ruhig. Das Gelände ist übersät mit riesigen goldbraunen Felsbrocken und grünen Bananenfeldern. Es ist ein guter Ort zum Entspannen. Das Dorf liegt an einem malerischen Fluß. Am Fluß kann man mit runden geflochtenen Booten, wie schon vor 500 Jahren, aufs andere Ufer übersetzen.
Das Ruinengelände erstreckt sich über 26 km2. Es teilt sich in 2 unterschiedliche Gruppen auf. Die eine Gruppe befindet sich gleich unweit unseres Hotels und umfaßt die am höchsten verehrten Tempel.
Den Vormittag wanderten wir zu den Tempelanlagen in der näheren Umgebung. Nach einem kurzen Mittagsschläfchen als es schon etwas erträglicher wurde, fuhren wir mit dem Rad noch zu einigen entfernten Tempelanlagen.
Gestern Abend hat der Stromausfall 4 Stunden gedauert. Unser Hotel hat leider keinen Generator, wir fanden aber ein Restaurant mit eigenem Strom. Als wir nach dem Abendessen ins Zimmer wollten war es darin so unerträglich stickig und heiß, sodaß wir gleich wieder die Flucht in ein Straßencafè antraten. Als wir dann zurück kamen und ins Zimmer wollten, schliefen die Söhne des Gästehaus-Besitzers am Fliesenboden, voll gekleidet, vor unserer Tür.
In der Früh entschieden wir kurzfristig noch einen Tag länger zu bleiben und die Ruhe zu geniessen. Da Hampi eine heilige Stätte ist, herrscht überall Fleisch- und Alkoholverbot. Es fehlt uns das Bier, aber sonst gefällt es uns mit Travellern zu plaudern und Pizza und Pasta zu essen. Wir trafen hier schon einige Österreicher und es sind auch viele Russen unterwegs.
Nach dem Frühstück wollten wir mit einem Boot auf die andere Seite des Flusses übersetzen, da es drüben laut Reiseführer noch ruhiger und ursprünglicher ist. Leider führt der Fluß zuviel Wasser und die Boote fahren daher zurzeit nicht. Da Gerhard nicht ruhig sitzen und sich richtig entspannen kann, nahm er sein Rad, um die weitläufigen Ruinenstätte zu erkunden. Ich machte es mir inzwischen auf der Dachterrasse gemütlich und konnte endlich einmal lesen.
Am späten Nachmittag klapperte ich noch sämtliche Souvenirshops ab, konnte mich aber mit der indischen Kleidung nicht so richtig anfreunden. Die Leute hier sind ausgesprochen freundlich, hilfsbereit und nicht aufdringlich.
16.11.2010 Hampi - Dharwad, 167 km, 7,49 Std. Fahrzeit, sonnig, 30 Grad
Am Abend fragten wir den Vermieter ob er nicht irgendwo Bier besorgen kann. Er hätte uns eines aus dem nächsten Dorf, das 8 km entfernt ist, geholt. Offensichtlich dachte er wir wollen uns berauschen. Daher bot er uns ein "Spezial"-Lassi mit Marihuana an. Lassi ist ein Joghurt-Getränk, das man mit verschiedenem Fruchtgeschmack haben kann. Es ist sehr erfrischend und wir trinken es gerne; aber nicht mit Marihuana! Als wir zur vereinbarten Zeit zum Frühstück kamen, schlief noch die halbe Familie am Betonboden auf der Dachterrasse. Nur 1 Sohn hatte eine Matratze, die anderen benutzten als Unterlage nur eine Decke; sogar die 80-jährige Großmutter!
Die Straße war die ersten 30 Kilometer nicht sonderlich gut, aber dann ging es mit Rückwind zügig dahin. 25 Kilometer vor unserem geplanten Etappenziel hielt uns ein Klein-LKW an und bot uns an, uns bis zur Stadt mitzunehmen. Das konnten wir natürlich nicht ausschlagen. Aus diesem Grund beschlossen wir kurzfristig auch gleich die für morgen geplante Etappe zu fahren. Die Gegend ist sehr fruchtbar. Viele Baumwollfelder und die verschiedensten Getreidearten waren zu sehen. Immer wieder schütteten die Bauern ihre Getreidekolben auf die Straße, damit sich durch das Drüberfahren der Autos die Körner lösen.
Die Stadt mit ihren 140.000 Einwohnern hat zwar viele Unterkünfte, aber die ersten 8 bei denen wir fragten waren ausgebucht. Offensichtlich ist irgendein Fest in der Stadt u. die Rezeptionisten waren zum ersten Mal auf dieser Reise sehr unfreundlich! Wir hatten schon den Eindruck sie wollen keine Ausländer nehmen. Nach öfterem Fragen u. als wir schon fast keine Hoffnung mehr hatten, fanden wir doch noch ein sauberes Zimmer. Und jetzt machen wir uns auf die Suche nach einer Bar, in der wir endlich wieder einmal ein Bier genießen können. Bei der Hotelsuche haben wir schon einige gesehen. Noch 160 km bis zum Meer.
17.11.2010, Dharwad - Benaulim, 191 km, 9,17 Std. Fahrzeit, hügelig, sonnig, 30 Grad
Das Hotel war sauber aber laut. Wie in Indien üblich, sind die meisten Hotels 24 Stunden Hotels. Man bezahlt immer für 24 Stunden das Zimmer u. damit herrscht ein ständiges Kommen und Gehen! Damit die heiße Luft besser zirkulieren kann, sind die Zimmer auch oft im oberen Bereich durch schräg gestellte Fenster geöffnet.
Den Weg aus der Stadt fanden wir überraschend schnell. Nach ca. 30 km sehr schlechter Straße übersahen wir offensichtlich eine Abzweigung. Erst beim Mittagessen, als wir die Straßenkarte auspackten bemerkten wir, daß wir einen gut 25 km langen Umweg gemacht hatten. Durch die Hitze und das permanente Auf und Ab waren wir schon etwas angeschlagen und nun auf einem moralischen Tiefpunkt! Zum Glück waren die Straßen nun besser und führten teilweise durch Waldgebiet, sodaß wir ein wenig vor der Sonne geschützt waren.
Irgendwann waren wir dann endlich auf einer Paßhöhe angelangt und die Fahrt ging rasant ca. 15 km in den nächsten Bundesstaat Goa hinab. Wir wurden permanent von mit rotem Sand beladenen LKW`s überholt, bis irgendwann vor uns ein LKW-Stau auftaucht. Natürlich herrschte wieder totales Chaos. Die LKW-Kolonne war gut 5 km lang und die PKW`s, Busse, Motorräder und wir, fuhren auf der falschen Fahrbahnseite vorbei.
Im letzten Moment sahen wir dann noch die für uns richtige Abzweigung. Auch die letzten Kilometer vor der Küste waren wellig und anstrengend. Aus den geplanten 160 km wurden nun 190 km.
18.11.2010 - Benaulim - Ruhetag
Goa war bis 1961 von den Portugiesen besetzt. Durch die ringsum hohen Berge und undurchdringlichen Wald war es vom Rest Indiens abgeschnitten. Den Einfluß der Portugiesen merkt man besonders an den zahlreichen katholischen Kirchen und vor allem in der Küche Goas. Die Liebe der Portugiesen für Fleisch und Fisch in der Verbindung zu indischen Gewürzen ergibt eine Küche, die mit keiner anderen Asiens vergleichbar ist. Auch wird hier ungewöhnlich viel Alkohol getrunken und das Bier ist sehr billig.
Den Tag verbrachten wir am Strand mit Faulenzen und Essen.
19.11.2010, Benaulim - Ruhetag
Benaulim war früher nur ein kleines Dorf, das von Fischerei und Reisanbau lebte. In den letzten 20 Jahren hat es sich zu einem Urlaubsort gewandelt und zwischen den Reisfeldern schossen Appartementkomplexe aus dem Boden. Zurzeit, da noch keine Hochsaison ist, sind noch wenige Touristen hier. Der weiße Sandstrand und das badewasserwarme arabische Meer sowie das frisch gefangene köstliche Seafood ließ uns noch einen weiteren Tag hier bleiben.
Genervt haben uns gestern Abend nur die unzähligen Stromausfälle. Der längste hat über 1 Stunde gedauert. Zum Glück haben die großen Restaurants Stromgeneratoren, sodaß wir auf das köstliche Abendessen nicht verzichten mußten.
20.11.2010, Benaulim - Palolem, 48 km, 2,29 Std. Fahrzeit, sonnig, 31 Grad
Gleich auf den ersten Kilometern haben wir uns wieder einmal verfahren. Geplant war über den Highway die kürzeste Strecke zu fahren, wir landeten aber auf einer Nebenstraße die an einem Fluß endete. Zum Glück gab es aber eine kostenlose Fähre, die uns auf die andere Seite brachte. In diesem Bundesstaat sind sogar die kleinen Nebenstraßen sehr gut asphaltiert! In jedem kleinen Dorf, in dem wir durchkamen, gab es auch eine katholische Kirche.
Obwohl die Distanz nur kurz war, machten uns die Ausläufer der Westghats und die große Hitze etwas zu schaffen. Zur Belohnung sind wir dann aber im "Paradies" gelandet.
Ein Gästehaus war schnell gefunden und wir machten uns gleich auf zum 200 m entfernten Strand. Die halbmondförmige Bucht mit dem goldgelben Sand und den wogenden Kokospalmen wirkt wie eine Ansichtskartenidylle.
21.11.2010 Palolem, Strandtag, sonnig, 31 Grad
Hier im Tourismusort ticken die Uhren anders! Als wir im Dachrestaurant unserer Unterkunft um 8 Uhr frühstücken wollten, schliefen noch alle Angestellten am Boden. Auch die anderen Restaurants hatten noch geschlossen. Nach einer kurzen Suche fanden wir aber ein Einheimischen-Lokal, das schon offen war und auch kontinentales Frühstück servierte. Auf unseren Strandliegen waren wir von deutschen Langzeiturlaubern, die hier den Winter verbringen umgeben, die den ganzen Tag interessante Geschichten erzählten. Einer ist schon 21 Monate unterwegs und hat Gerhard von einer Trekkingtour zum Mount Everest-Basis-Camp vorgeschwärmt. Das will er natürlich jetzt in einem der nächsten Urlaube auch machen. Ein anderer ist schon fast ganz Indien mit dem Fahrrad abgefahren und hat uns wertvolle Tipps für unsere Weiterreise gegeben.
So wie gestern, sahen wir auch heute wieder, wie ein Kind Akrobatikvorführungen an einem Seil machte und nachher von den Zuschauern Geld kassierte und das in der Mittagszeit bei glühender Hitze.
Wir blieben wieder bis zum Sonnenuntergang am Strand, doch leider verdeckte eine Wolke im letzten Moment das Schauspiel. Nach dem Duschen zog es uns wieder zum Strand. In der ganzen Bucht sind die Lokale schön beleuchtet und man ißt bei Kerzenschein direkt am Strand und genießt die Meeresbrandung. Hier hätte ich es noch einige Zeit ausgehalten.
22.11.2010, Palolem - Gokarna, 100 km, 4,53 Std. Fahrzeit, sonnig, 32 Grad
Aufgrund der Empfehlung eines Deutschen waren wir zum gestrigen Abendessen in einem Steak-Haus. Das Beefsteak war richtig zart und geschmackvoll, obwohl die Kühe hier heilig sind.
Die Strecke nach Gokarna war wie befürchtet recht hügelig. Gerhard geht mir schön langsam auf die Nerven. Die LKW`s fahren auf den Hügeln so langsam, daß Gerhard oft einen zum Festhalten findet und ich muß mich bei der Hitze selber rauf quälen. Er macht es so lange bis er wieder stürzt, wie damals in Vietnam. Nach kurzer Fahrzeit verließen wir Goa und kamen wieder in den Bundesstaat Karnataka. An der Grenze wurden die Autofahrer kontrolliert, doch wir wurden durchgewunken. Man merkt sofort einen Unterschied. In Goa sind die Straßen besser, die Leute schöner gekleidet und nicht so aufdringlich u. es liegt auch nicht soviel Abfall herum.
Gokarna wird im Reiseführer als ein weiteres Highlight des Südens beschrieben. Es wurde erst in den 90er Jahren von den Neo-Hippies, die vor den vielen Touristen in Goa geflüchtet sind, entdeckt. Wir sahen wenige "normale Touristen", fast nur Hippies. Es ist aber auch ein bekannter Hindu-Wallfahrtsort. Die Zahl der Pilger übersteigt die der Touristen bei weitem. Bevor die Hindus in den Tempel gehen, nehmen sie ein heiliges Bad im Meer und rasieren sich teilweise den Kopf kahl. Am Stadt-Strand sahen wir keinen einzigen Weißen u. er ist mit Müll stark verschmutzt.
Wir sind dann 30 Minuten über einen Hügel in die nächste Bucht gewandert, die lt. Reiseführer einen weißen Sandstrand haben sollte. Doch leider war von einem weißen Sand weit und breit nichts zu sehen! Am Strand gab es einige Lokale aber keinen Schatten. So wanderten wir wieder 30 Minuten in die nächste Bucht weiter und auch hier war der Sand nicht weiß. Wer jedoch die Abgeschiedenheit und Einsamkeit liebt und ein Sonnenanbeter ist, ist hier gut aufgehoben. Für uns ist der Ort absolut kein Highlight, obwohl es am Abend mit den vielen Pilgern in den engen Gassen, die mit nacktem Oberkörper herumlaufen und bemalt sind, sehr mystisch war.
23.11.2010 Gokarna - Maravanthe, 133 km, 6,41 Std. Fahrzeit, sonnig, 32 Grad
Die Küstenstrecke von Goa bis Mangalore zählt landschaftlich zu den schönsten des Landes. Wir überquerten zahlreiche von Palmenhainen gesäumte Flußmündungen und mehrmals die Ausläufer der Westghats, die hier fast bis ans Meer reichen. Auf einem 25 km langen Teilstück war die Straße wieder so schlecht, daß wir teilweise nur im Schritttempo vorankamen. Die Hitze und die vielen Steigungen zwangen uns zu mehreren Pausen. Jedes Mal als wir anhielten um Getränke oder Essen zu kaufen, wurden wir von neugierigen Menschen umringt.
Durch ein Werbeplakat am Straßenrand wurden wir auf ein Beach-Resort aufmerksam. Der Manager kümmerte sich rührend um uns und lud uns zuerst auf ein kühles Getränk ein, bevor er uns einen Bungalow ganz vorne am Strand zu einem Sonderpreis überlies. Der weiße Sandstrand vor der Anlage war menschenleer, obwohl das Wasser traumhaft war. In der Hängematte vor unserem Bungalow konnte ich so richtig die Seele baumeln lassen.
So ein ruhiges und abgelegenes Resort hat aber auch seine Nachteile. Man ist auf das Essen vom Restaurant angewiesen und das war mehr als enttäuschend. Bei Fischen ist es üblich, daß man sie vorher gezeigt bekommt u. je nach Größe der Preis ausgehandelt wird. Hier hat man uns den Fisch vorher nicht gezeigt, sondern nur den Preis genannt. Als wir dann endlich nach fast 1 Stunde warten den Fisch serviert bekamen, war er so klein, daß sogar der Kellner beim Servieren schmunzelte u. er meinte, er sei ein bißchen klein! Wir ließen daraufhin den Manager kommen u. beschwerten uns. Er gab uns dann 25 % Nachlaß.
Mehr Fotos unter: www.picasaweb.google.at/Radferien 24.11.2010, Maravanthe - Udipi, 53 km, 2,31 Std. Fahrzeit, sonnig, 32 Grad
Beide haben wir nicht gut geschlafen, da die Meeresbrandung so intensiv war, daß wir uns dachten, das Wasser kommt beim Bungalow rein. Schön langsam kommen wir in die flache Gegend. Heute überquerten noch mehr Flußmündungen als gestern und die Straße wird immer besser. Teilweise wird sie verbreitert, statt daß die asphaltlosen Stücke ausgebessert werden. Die Arbeiter wohnen mit der ganze Familie direkt neben der Baustelle unter Planen und primitivsten Bedingungen. Bis auf die Kleinkinder, die abseits spielen, arbeitet die ganze Familie mit.
Udipi ist eine der heiligsten Hindustätten mit einem Krishna-Tempel aus dem 13. Jhd. Der Tempel steht in einem eigenen Tempelbezirk und ist noch von kleineren Tempeln umgeben. Drinnen wurde ich von einem Priester herumgeführt und er erklärte mir die verschiedenen Gottheiten.
Unterwegs entdeckten wir auch wieder eine neue Frucht, die wir bisher noch nicht kannten und natürlich gleich ausprobierten. Es handelt sich um eine Palmfrucht, die im Grunde geschmacklos ist, aber erfrischend. Zuerst glaubten wir es sind kleine Kokosnüsse.
Am Abend fand in der Tempelstadt ein "Car-Fest" statt. Leider kamen wir etwas zu spät und sahen nur mehr den Schluß. Es war ein Umzug rund um den schön beleuchteten Tempel; an der Spitze ging ein geschmückter Elefant, dahinter Fackelträger und am Schluß wurde ein riesiger Wagen mit einem goldenen Aufbau von ca. 50 Leuten gezogen. Auch ein schönes Feuerwerk war zu sehen. Das Fest endete dann im Tempel, wo die Zeremonie über Plasma-Bildschirme übertragen wurde.
Nach dem Fest kamen wir noch zufällig bei einer "Bodybuilding"-Wahl vorbei. In der riesigen Veranstaltungshalle sah ich nur eine Frau, sonst sahen nur Männer zu. Zum Abendessen probierten wir noch eine südindische Spezialität "Masala Dosa". Dosa ist eine Palatschinke aus Reismehl, gefüllt mit Masala, ein würziges Kartoffel-Curry. Die dazugereichten Saucen waren für uns undefinierbar u. etwas scharf.
25.11.2010, Udupi - Mangalore, 62 km, 2,51 Std. Fahrzeit. leicht bewölkt, 31 Grad Unterwegs kamen uns zum ersten Mal zwei Radreisende entgegen. Vom Grüßen her stuften wir sie als Amerikaner ein. Einer mit Rennrad und Packtaschen, der andere mit einem Klapprad und Packtaschen. Wie die über die schlechten Straßen kommen, die wir schon hinter uns haben, würde uns interessieren. Die Küstenstadt Mangalore besaß früher den wichtigsten Hafen Südindiens. Die Großstadt ist nicht so hektisch wie Chennai und Bangalore u. wir kamen an einigen modernen Einkaufszentren vorbei. Eines liegt genau gegenüber von unserem Hotel. Bis jetzt haben wir erst 2 x einen kleinen Supermarkt gesehen. Hier im Einkaufszentrum gibt es einen super modernen und riesigen Spar-Supermarkt, mit dem selben Logo wie bei uns. Es gab zwar keine Leberkässemmel, aber wir freuten uns trotzdem über die vielen Köstlichkeiten und die Abwechslung im Speiseplan.
Mit einer Motor-Rikscha ließen wir uns zum 3 km entfernten Krishna-Tempel aus dem 10. Jhd. bringen. Er ist bekannt für seine einzigartige 1,5 m hohe Bronzestatue. Auch hier wurde mir von einem Priester alles erklärt und gezeigt u. wir durften einer Zeremonie mit lautstarkem Gesang beiwohnen.
26.11.2010, Mangalore - Parassinikadavu, 151 km, 7,31 Std. Fahrzeit, bewölkt, 29 Grad, Nach 20 km haben wir die Grenze zu Kerala passiert. Der Bundesstaat an der indischsen Südwestküste ist 550 km lang und an der breitesten Stelle 120 km. Er ist der am dichtesten besiedelte Bundesstaat mit einer demokratisch gewählten kommunistischen Regierung.
Teilweise war die Straße wieder so schlecht, daß es eigentlich gar keine Straße mehr war. Die zweite Hälfte des Tages wurde die Straße zwar besser aber dafür sehr hügelig.
An unserem Etappenziel fanden wir nur mit viel Mühe eine Unterkunft, obwohl das Nest eigentlich nur aus einem Tempel, Souvenierläden und Hotels besteht, ist es anscheinend aufgrund eines Tempelfestes überlaufen. Wir konnten im Tempel einen "Theyyam" (Geisterzeremonie) beobachten. Der Oberpriester war am ganzen Körper bemalt und verkleidet. Er hatte einen schweren ungewöhnlichen Kopfschmuck. Unter Begleitung einer Gruppe Trommler tanzte er wie besessen. Leider durfte man im Tempel nicht fotografieren.
27.11.2010, Parassinikadavu - Tottada, 34 km, 2,10 Std. Fahrzeit, bewölkt, 27 Grad Als nächstes Etappenziel war Kannur, eine kleine hauptsächlich moslemische Fischer- und Marktstadt geplant. Das Hotel, das wir lt. Reiseführer ausgewählt hatten, war als komfortabel beschrieben aber in Wirklichkeit ein Dreckloch! Auch die Stadt selbst hat uns nicht sehr überzeugt. Wir kauften dann beim Bäcker die Süßigkeiten aus Reismehl und Rohrzucker, die für diese Gegend bekannt sind und machten uns auf die Suche nach dem 10 km entfernten und am Meer liegenden privaten Gästehaus. Bei jeder Abzweigung mußten wir fragen, da es keinerlei Wegweiser gab. Wie immer fragten wir doppelt und dreifach, da wir von den Leuten, die kein Englisch sprechen, schon einige Male in die falsche Richtung geschickt wurden. Über einige Umwege und Schiebepassagen fanden wir dann aber doch das unter Kokospalmen versteckte Haus. Der freundliche Besitzer vermietet 5 Zimmer mit Vollpension und ist ein "Theyyam"-Experte.
Nach dem ausgiebigen Mittagessen gingen wir zum Schwimmen an den menschenleeren Sandstrand.
Der Besitzer organisierte uns eine "Theyyam"-Vorführung in einem privaten Wohnhaus. Zusammen mit einer Deutschen, die auch hier wohnt, wurden wir um 16 Uhr von einer Motor-Rikscha abgeholt u. ins 8 km entfernte Dorf gebracht. Die ausrichtende Familie dieses Festes ist anscheinend sehr wohlhabend und hieß uns freundlich willkommen. Uns wurden lokale Süßigkeiten und der allgegenwärtige Chai angeboten. Nach einer guten Stunde waren dann endlich alle Mitglieder der Großfamilie, ca. 30 Personen, eingelangt und das Spektakel begann mit einer lauten Trommel-Session. Danach begann der bunt bemalte und geschmückte Oberpriester unter Trommelbegleitung mit langsamen Tanz, der immer schneller und hektischer wurde. Nach mehr als einer halben Stunde war er ziemlich in Trance und hat den Gott angeblich in sich aufgenommen. Danach segnete er die meisten Familienmitglieder und das Haus, die mit dem Ritual eine Art Erntedankfest feierten. Außer uns durften auch noch 3 Französinnen dabei sein. Zwischendurch servierte man uns auf Zeitungspapier und Bananenblatt gesegnete Kichererbsen und Kokosnußstücke. Am Ende setzte sich der Oberpriester vor den aufgebauten Altar und die Familienmitglieder stellten sich in einer Reihe an. Er segnete jeden noch einmal und sagte ihnen die Zukunft voraus.
Das Abendessen fiel sehr, sehr reichlich aus (Reis, Fladenbrot, 4 verschiedene Gemüsecurrys und Fisch), von allem soviel man essen konnte.
28.11.2010, Tottada - Kozhikode, 91 km, 4,22 Std. Fahrzeit, bewölkt, 27 Grad Von unserem netten Quartiergeber bekamen wir wieder einmal ein ausgiebiges kontinentales Frühstück. Weil Gerhard stark verkühlt ist und Halsschmerzen hat, wären wir gerne noch einen Tag länger geblieben damit er sich auskurieren kann. Leider ist ab heute alles ausgebucht. Die Straße war heute die meiste Zeit ziemlich neu asphaltiert, sodaß wir uns fragten ob wir überhaupt noch in Indien sind.
Kaum hatten wir in Kozhikode das ausgewählte Hotel gefunden, gab es ein heftiges Gewitter und wir waren froh, daß sich im Hotel auch ein gutes Restaurant befindet. Die Stadt zählte einst zu den wohlhabendsten Handelsstädten in ganz Asien. Heute merkt man eigentlich nichts mehr davon und im nassen Zustand erscheint die Stadt noch schmutziger und schäbiger.
29.11.2010 Kohzikode - Triprayar, 135 km, 6,33 Std. Fahrzeit, sonnig, 30 Grad Zum Frühstück probierten wir einige der Süßigkeiten dieser Region aus. Indien bietet generell nicht nur scharfes Essen, sondern auch viele sehr, sehr süße Mehlspeisen. In jedem Dorf gibt es mehrere Bäckereien.
Leider haben wir uns heute wieder irgendwo verfahren. Der Umweg war aber nicht allzu groß. Fast die ganze Strecke ging es bergauf und bergab dahin u. die Steigungen waren etwas steiler als bisher. Zum Glück haben wir nun schon eine gute Form, aber die Hitze macht trotzdem zu schaffen.
In diesem Teil des Landes wohnen viele Inder, die in Saudi-Arabien arbeiten und mit dem verdienten Geld schöne neue Villen bauen. Manche sehen aus wie Paläste. Zu Mittag gab es leider wieder nur indische Kost. Reismehlbrot und scharfe vegetarische Currys. Das Brot war zum einem Turm geformt. Wir probierten auch verschiedene einheimische Limonaden und eine, die aussah wie Sprite, war genauso scharf wie das Essen!
Bis zu unserem morgigen Ziel sind keine Orte im Reiseführer vermerkt und so hofften wir, irgendwo unterwegs eine Unterkunft zu finden. Die 1. Lodge die wir am Weg fanden, sah von außen schon so schmuddelig aus, sodaß wir gar .nicht nach einem Zimmer fragten. Aber das Glück war dann doch auf unserer Seite u. wir fanden dann ein wirklich schönes sauberes Hotel. 30.11.2010, Triprayar - Fort Kochi, 67 km, 3,10 Std. Fahrzeit, sonnig, 32 Grad Je weiter wir Richtung Süden kommen, umso bevölkerter ist der Bundesstaat. Ein Ort geht nahtlos in den anderen über. Wir sind heute so gut wie nie über unbewohntes Land gefahren. Uns fällt auf, daß in dieser Region viele der Motorradfahrer Helme tragen. Anscheinend weil sie nicht Motorradfahren können, sie zuckeln und gondeln dahin und wir überholen sie sogar mit unseren Rädern. Von Ernakulam konnten wir mit einer Personenfähre, die auch unsere Räder mitnahm, nach Fort Kochi übersetzen, dadurch ersparten wir uns einen Umweg von gut 10 km. Der Schaffner auf der Fähre riss 6 verschiedene Fahrkarten von seinem Block u. wir dachten schon jetzt wird es recht teuer werden, doch zu unserem Erstaunen zahlten wir zusammen nur umgerecht € 0,15 inkl. der Räder! Hier sieht mach Kirchen, Moscheen und Tempel fast nebeneinander stehen. Das multikulturelle Leben funktioniert hier also hervorragend.
Die von einer Deutschen empfohlene Unterkunft war ausgebucht. Die nette Besitzerin schickte uns ein paar Häuser weiter, doch bevor wir dort ankamen fragte uns ein Motorradfahrer ob wir ein Quartier bräuchten. Er hat ganz in der Nähe ein Haus. Wir fuhren hinterher und es stellte sich heraus, daß ein ganzes Haus zu unserer Verfügung steht. Der überaus nette und hilfsbereite Besitzer wohnt 5 Minuten davon entfernt. Er erklärte uns alles ausführlich und zeigte uns wie die Waschmaschine sowie die anderen Küchengeräte funktionieren. Endlich können wir unser eigenes Bier im Kühlschrank lagern (650 ml Flasche = € 0,85). Sogar einen Internetanschluß haben wir gratis zur Verfügung und das ganze Haus kostet pro Tag € 12,50
1.12.2010, Fort Kochi, Ruhetag Kochi entstand im Jahre 1341 als eine Überschwemmung die Mündung des Periyar-Flusses verschob und so ein sicherer Naturhafen geschaffen wurde. Die Stadt zog christliche, arabische und jüdische Siedler aus dem Nahen Osten an. Die Europäer kamen im frühen 16. Jhd. an. Zuerst die Portugiesen, danach die Holländer und später die Briten. Sie alle stritten um die Kontrolle des Hafens und seines ertragreichen Gewürzhandels. Hier steht die erste katholische Kirche Indiens. Auch der holländische Friedhof ist sehr interessant. Die alten Gebäude wurden teilweise liebevoll restauriert und andere wiederum sind dem Verfall preisgegeben.
Die Stadt ist von Touristen überlaufen und auch Kreuzfahrtschiffe legen hier an. Der Tourismus bietet für uns Vorteile; weil das kontinentale Essen ein wenig Abwechslung in unseren täglichen Speiseplan bringt. Auch Bier ist hier wieder zu bekommen und wir haben gleich einige Flaschen in unserem Kühlschrank eingelagert. Das Einkaufen im Alkohol-Shop ist eine richtige Heimlichtuerei. Man kann nicht in den Shop hinein; man stellt sich hinter einer Blechwand an, damit man nicht den neugierigen Blicken der Passanten auf der Straße ausgesetzt ist.
Am Abend gingen wir zu einer Live-Vorstellung von "Kathakali". Es ist eine einzigartige Form rituellen Theaters. Es werden in der Tanzvorführung Kämpfe zwischen Göttern und Dämonen dargestellt. Vor der Vorführung konnte man zusehen wie die Tänzer bemalt und geschmückt wurden und es gab auch eine kurze Einführung über die verschiedenen Gesten.
2.12.2010, Fort Kochi, Ruhetag Mit dem Rad erkundeten wir am Vormittag einige Vierteln von Kochi, darunter das jüdische Viertel mit einer Synagoge aus dem Jahr 1568. In dem Viertel gibt es auch viele Antiquitäten-Läden. Im Bezirk Mattancherry wird in den alten Lagerhäusern noch heute Gewürzhandel betrieben.
Gerade als wir wieder nach Hause kamen fuhr der Fischverkäufer mit seinem Fahrrad vorbei. Wir nützten die Gelegenheit und kauften frischen Fisch fürs Mittagessen. Wenn wir schon eine eigene Küche haben sollten wir sie auch nutzen!
3.12.2010 Fort Kochi - Alappuzha, 64 km, 3,02 Std. stark bewölkt, zeitweise Nieselregen Auf den ersten 15 km bis zum Highway war es etwas holprig, doch dann ging es zügig voran. Zeitweise tröpfelte es ganz leicht u. wir hofften, daß nicht der große Regen kommt. In den letzten 3 Nächten hatte es jeweils stark geregnet. Unser Vermieter erzählte uns in der Früh daß der Monsun seit 1 Monat vorbei sein sollte, doch es hat noch nie ganz aufgehört zu regnen.
Alleppey, wie die Stadt in der britischen Zeit genannt wurde, war ab Mitte des 19. Jhd. die bedeutendste Hafenstadt der Backwater-Region. Gewürze, Kaffee, Tee, usw. wurden über ein Netz aus Kanälen vom Landesinneren zum Meer transportiert. Es wird auch gerne als Venedig des Ostens bezeichnet, was allerdings ein absoluter Schwachsinn ist. Die Stadt hat sich zum Zentrum des Reisboot-Tourismus in Kerala entwickelt. Etwa 400 Boote liegen an den Ufern der nahen Seen vertaut. Auf den letzten Kilometern, wurde uns, immer wenn wir nach dem Weg fragten, sofort eine Privatunterkunft angeboten. Wir kauften 2 Tickets für die Fähre, die uns morgen auf dem Wasserweg in einer 8 stündigen Fahrt 85 km weiter südlich nach Kollam bringen soll.
Wir wohnten: Nathan`s Holiday-Home www.NATHANSHOLIDAYHOME.com .4.12.2010, Alappuzha - Kollam, 85 km mit Fähre, bedeckt Bäng, bäng, bäng - ich schaue auf die Uhr - 6 Uhr Früh! Was ist das? Die Nachbarin hat mit dem Wäschewaschen begonnen. Wie üblich wird jedes einzelne Wäschestück einige Male mit voller Wucht auf eine Steinplatte geschlagen. An Schlafen ist nicht mehr zu denken. Gerhard macht sich auf den Weg und sucht einen Milchverkäufer, damit er sich in einer improvisierten Schüssel (aufgeschnittene Wasserflasche) seine Cornflakes anrühren kann. In den indischen Hotels und Gästehäusern gibt es kein Frühstück. Meistens kaufen wir uns am Vorabend süße Weckerln und Bananen und in der Früh bei einem Stand dazu einen Chai. Als wir um 10 Uhr zur Fährstation kommen, liegt die Fähre schon am Pier, aber wir finden kein Personal und wissen nicht was wir mit den Rädern machen sollen. So nehmen wir das Gepäck ab und stellen sie einfach auf den Bug des Schiffes. Außer vier indischen Urlaubern fuhren nur einige wenige Touristen mit. Die 8-stündige Fahrt durch die Backwaters verlief sehr interessant und abwechslungsreich. Mal ging es auf schmalen Kanälen, dann wieder über einen See, gelegentlich auch auf breiteren Wasserstraßen und dabei sah man das ländliche Leben von Kerala, das man von der Straße aus nicht mal erahnen würde.
Im zeitweise undurchdringlichen Grün sah man die verschiedensten Vogelarten, unter anderem Kormorane, Fischadler und türkisfarbene Eisvögel. Auch wunderschöne "Kettu vallam" (Hausboote) kreuzten immer wieder unseren Weg. Diese alten Reisboote sind aus geöltem Jackbaumholz mit Schutzdächern aus geflochtenen Palmwedeln und Kokosbast hergestellt. Diese Boote kann man auch für einen oder mehrere Tage mieten. Die meisten haben Aircondition, Bäder u. meist 2 Schlafzimmer.
Bei der Ankunft in Kollam war der Steg schon belegt und so mußten wir an einem Schiff andocken. Es war uns nicht möglich, unsere Räder vom Bug des Schiffes zu holen, sodaß die gesamte Mannschaft auf den Booten herumturnen mußte, um sie wieder auf sicheren Boden zu bringen.
5.12.2010, Kollam - Varkala, 44 km, 2,22 Std. Fahrzeit, Vormittag sonnig, Nachmittag bedeckt, 28 Grad Endlich schien wieder einmal für ein paar Stunden die Sonne. Die kurze Radetappe war leicht wellig. In Varkala, einem alten Hindu-Pilgerort, fanden wir uns überhaupt nicht zurecht. Wir fanden zwar den wichtigsten Tempel und den Strand der Einheimischen, der voll mit Pilgern war, die an diesem Ort Ahnenverehrung betreiben u. die Asche ihrer verstorbenen Angehörigen zur Ruhe betten, aber nicht den Strand der Touristen. Er befindet sich nur ein paar hundert Meter nördlich, ist aber nur über steile Klippen zu erreichen. So fuhren wir einige Kilometer auf der Suche nach dem Gästehaus eines Deutschen umher. Als wir endlich den richtigen Weg gefunden hatten, wurden wir einige Meter davor von einem Vermieter angehalten. Die Anlage machte einen gepflegten Eindruck und war super günstig (Euro 5,-- pro Nacht für das Doppelzimmer), sodaß wir das Angebot gerne annahmen.
Wir wohnen 100 m von den roten Laterit-Klippen und dem Strand entfernt. Der schmale Sandstreifen ist nur über steile Stufen zu erreichen. Es herrscht eine starke Brandung und die starke Unterströmung ist sehr gefährlich. Die Life-Guard achtet darauf, daß niemand zu weit hinaus schwimmt. Wenn Inder ins Wasser gehen springen die Strandwächter sofort auf und pfeifen sie heraus. Sie werden dann belehrt u. dürfen sich nur im seichten Wasser aufhalten. Am Nachmittag kamen ein paar Inder in ihrer Straßenkleidung auf den Strand und beäugten die Touristen. Kurze Zeit später wurden sie schon von der Polizei verjagt. Oben auf den Klippen reiht sich ein Restaurant an das andere und ebenso Beach-Resorts und Gästehäuser.
6.12.2010, Varkala, Ruhetag, sonnig, 30 Grad Faul am Strand liegen, im warmen arab. Meer baden, gut essen und vom Nikolo im Schnee träumen, so sah unser heutiger Tag aus. Wir haben uns aber auch über die Inder geärgert, die überall ihre Abfälle hinschmeißen. Am Abend ist der ganze Strand versaut, in der Nacht kommt die Flut, spült alles ins Meer und in der Früh schwimmt man zwischen Plastik, Schnüren, usw.
Übrigens habe ich heute im Reiseführer gelesen, daß neugierig sein für Inder nichts negatives bedeutet!
7.12.2010, Varkala - Trivandrum, 63 km, 3,17 Std. Fahrzeit, in der Früh sonnig, ab Mittag bewölkt u. regnerisch, 28 Grad In den Restaurants in Varkala wurde zwar Bier verkauft, aber die Flasche mußte man immer unter den Tisch stellen. Beim Nachschenken vergaßen wir darauf u. da die Polizei vorbeiging, stürzte sofort der Kellner zum Tisch u. versteckte die Flasche wieder. Die Fahrt war sehr kurzweilig und abwechslungsreich. Gegenüber einer großen Moschee, wo wir unseren täglichen Chai tranken, flogen aus den vorbeifahrenden Autos und Bussen immer wieder Münzen auf die Straße. Diese wurden von einem Mann mit einem langen Stock mit einem Magnet darauf, aufgesammelt. Wir haben keine Ahnung wieso dies geschieht und haben es bisher noch nie gesehen. Wenn man sieht, wie am Straßenrand Fleisch verkauft wird, ißt man gerne vegetarisch!
Thiruvananthapuram, die Hauptstadt Keralas hieß früher Trivandrum. Der Verkehr in dieser Großstadt ist etwas geruhsamer und disziplinierter. Da ein internationales Filmfestival stattfindet hatten wir Schwierigkeiten ein Zimmer zu finden. Wir überlegten schon 15 km weiter an den Strand zu fahren, doch im letzten Moment fanden wir doch noch ein schönes, sauberes Zimmer in einem gepflegten Hotel. In den bekanntesten Tempel der Stadt wurde uns der Zutritt als Nicht-Hindus verwehrt. Das Bummeln durch die Altstadt und besonders der Basar mit den engen Gassen und kleinen Läden war sehr reizvoll.
Wir versuchten braune Bananen, eine Sorte die wir bis jetzt noch nicht kannten; außen braun und das Fruchtfleisch innen orange, fest u. sehr schmackhaft. Schön langsam merkt man auch hier, daß Weihnachten vor der Türe steht.
8.12.2010, Trivandrum, Regen, 27 Grad Regen, Regen, Regen! Seit 20 Stunden schüttet es zeitweise wie aus Kübeln u. das hindert uns an einer Weiterfahrt. Wir konnten unser Zimmer für 1 Nacht verlängern, aber morgen müssen wir leider raus. Hoffentlich hört es bis dahin zu regnen auf. In der Hotellobby haben wir 2 Bayern kennen gelernt, die unsere Route aus verkehrter Richtung reisen u. uns daher einige wertvolle Tipps geben konnten. Das Schlechte an der Sache ist, daß sie seit 1 Woche Regen haben. Aber irgendwann muß ja der Regen endlich aufhören.
Das empfohlene Restaurant, das für seine muslemischen Gerichte von der Malabar-Küste bekannt ist, war sehr schwer zu finden, da es sich in einer winzigen, engen Seitengasse befindet. Die Gerichte werden auf einem Bananenblatt serviert u. einen Fisch ohne Besteck zu essen ist auch etwas mühsam.
9.12.2010, Trivandrum - Kovalam, 14 km, 0,49 Std. Fahrzeit, sonnig, 30 Grad Hurra, die Sonne scheint wieder! Der touristisch am besten erschlossene Urlaubsort dieses Bundesstaates ist für uns enttäuschend. Kovalam hat 4 kleine Sandstrände mit überwiegend dunklem Sand. Die Promenade besteht aus einer Reihe von Resorthotels, Gästehäusern, Restaurants und man wird von unzähligen Keilern belästigt. Es gibt hier lediglich ein paar europäische Urlauber, der überwiegende Teil sind Inder.
Sehr interessant war es, die Fischer zu beobachten. Unter rhythmischen Gesang holen sie vom Strand aus die riesigen Netze ein. Ca. 20 - 30 Personen sind an der schweren Arbeit beteiligt.
Auf unserer Strandliege wurden wir andauernd von aufdringlichen Obstverkäuferinnen belästigt. Zum ersten Mal auf dieser Reise konnten wir unsere Lieblingsfrucht, Mangos, kaufen. Bis jetzt hat es noch keine gegeben.
10.12.2010, Kovalam, Ruhetag, sonnig, 30 Grad Beim gestrigen Abendessen servierte man uns das Bier im Kaffeehäferl, nur damit keiner mitkriegt, daß Alkohol ausgeschenkt wird.
Da wir nicht mehr viele Radetappen bis zum Schluß unserer Reise haben, überlegten wir kurz, für ein paar Tage in eine Ayurveda-Klinik auf Kur zu gehen. Als 2 Steirerinnen, die hier so eine Kur machen, den Ablauf erzählten, ist uns die Lust vergangen. Es beginnt mit einer Untersuchung. Danach wird der Körper von Giften gereinigt, die sich durch falsche Ernährung und unausgewogenen Lebensstil angesammelt haben. Die Reinigung erfolgt mittels herbeigeführtem Erbrechen, Einläufen und medizinischen Ölen, die in die Nase eingeleitet werden. Auch die Ernährung ist rein vegetarisch u. ayurvedisch. So verbrachten wir den Tag am Strand u. beobachteten die vielen Inder, die heute zum "Touristen schauen" hier waren! Viele Männer bleiben ungeniert vor den Liegestühlen der weißen Frauen stehen u. gaffen sie ewig an. Man fühlt sich hier als Frau alleine nicht sehr wohl. Als Gerhard längere Zeit am Strand spazieren war, habe ich mir ein T-Shirt angezogen. Da das Schwimmen aufgrund der starken Unterströmungen sehr gefährlich ist, hatten die Strandwächter heute alle Hände voll zu tun. Sobald ein Inder weiter als 10 m ins Wasser ging pfiffen sie ihn schon wieder heraus u. belehrten ihn ausführlich.
11.12.2010, Kovalam - Nykarumari, 87 km, 4,11 Std. Fahrzeit, Vormittag bewölkt mit leichtem Nieselregen, Nachmittag sonnig, 32 Grad Der südlichste Punkt Indiens ist erreicht. Wir befinden uns nun im Bundesstaat Tamil Nadu. Die Landschaft hat sich wieder verändert. Die Gegend ist nicht mehr so dicht besiedelt u. wir fuhren durch Reisfelder und Bananenplantagen.
Nykarumari ist überschwemmt von indischen Pilgern; Ausländer haben wir so gut wie keine gesehen. Aber für Hindus ist es fast Pflicht einmal hier gewesen zu sein und die Statue der jungfräulichen Göttin Kanya Devi mit ihrem glitzernden Diamantschmuck im Ufertempel gesehen zu haben. Ein Hotel reiht sich an das andere und die schmalen Gassen sind gesäumt mit Andenkenläden. Hier treffen der Golf von Bengalen, der Indische Ozean und das Arabische Meer aufeinander. 2004 wurde die Stadt schwer vom Tsunami getroffen und Tausende verloren ihr Leben. Es ist nun alles wieder aufgebaut u. schaut genauso verkommen aus, als ob es schon 100 Jahre stehen würde. Die Straßenhändler und die unzähligen Bettler sind hier besonders aufdringlich.
Vor jedem Tempel muß man die Schuhe ausziehen, auch bei katholischen Kirchen mußten wir dies gelegentlich schon machen. Heute mußte Gerhard zum ersten Mal bei einem Tempel auch sein T-Shirt ausziehen, da Männer nur mit nacktem Oberkörper hinein durften!
12.12.2010, Kanyakumari - Tirunelveli, 93 km, 4,31 Std. Fahrzeit, sonnig, 32 Grad
Super, ein neuer 4-spuriger Highway, mit asphaltierten Seitenstreifen, flach und so gut wie kein Verkehr. Da macht das Radfahren wieder Spaß, wenn die Hitze nicht wäre. 20 km fuhren wir durch einen riesigen Windpark. Kaum zu glauben, daß es hier so etwas gibt.
Angeblich geht der Highway 230 km lang bis zum nächsten touristischen Highlight, der Stadt Madurai. Da wir das an einem Tag nicht schaffen, beschließen in der größten Stadt unterwegs zu übernachten. Da sie nicht im Reiseführer erwähnt ist, hofften wir, hier ein Hotel zu finden. Am Stadtrand die Erleichterung; die ersten Werbetafeln von Hotels waren zu sehen. Doch die Freude währt nicht lange, jedes Hotel bei dem wir fragen ist ausgebucht - sagen zumindest die Rezeptionisten, denen wir nicht ganz vertrauen. Oft sprechen sie kein Wort Englisch. Sie zögern auch meist ein bißchen, sodaß wir schon vermuten, sie wollen mit Ausländern nichts zu tun haben. Vielleicht weil wir in unserer Radkleidung und mit Helm am Kopf für sie aussehen wie von einem anderen Stern! Im 12. Hotel, als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten, klappte es dann doch! Hier ist der Rezeptionist sehr nett u. erklärte uns, daß gestern viele Hochzeiten stattfanden u. daher alle Hotels in der Stadt voll sind. Da man hier 24 Stunden im Zimmer bleiben darf, waren natürlich zu Mittag noch alle Zimmer belegt. Beim Check-In wird immer die Zeit aufgeschrieben u. man zahlt das Zimmer im voraus. Also müßten sie auch wissen, wann wieder ein Zimmer frei wird. Da zeigt sich wieder, daß die Inder nicht mitdenken.
Tirunelveli - Madurai, 161 km, 7,12 Std. Fahrzeit, sonnig, 32 Grad Die Fahrt am Highway war eintönig und langweilig, dadurch sind die Kilometer überhaupt nicht vergangen.
Am Anfang unserer Reise dachten wir bei jedem Schild "Hotel", da gibt es ja unzählige Übernachtungsmöglichkeiten. Bald war uns klar, daß als Hotel einfache, billige Restaurants bezeichnet werden und keine Zimmer vermieten, Sie servieren oft nur ein "meal", ein ganz einfaches Gericht, meist nur einen Berg Reis mit verschiedenen Gemüse-Currys, serviert auf einem Bananenblatt und das soviel man essen kann. Der Preis solcher Mahlzeiten liegt meist unter € 0,50. 11 km vor Madurai mußten wir den Highway verlassen. Danach war die Straße mit unzähligen Schlaglöchern versehen und was wir besonders lieben, sehr, sehr staubig! Nach dem relativ ruhigen Bundesstaat Kerala sind wir es gar nicht mehr gewohnt uns, durch das Verkehrschaos zu kämpfen. Ich hatte Mühe, beim Kampf in den schmalen, mit Schlaglöchern übersäten Gassen zwischen den Menschenmassen u. den Kühen durchzukommen, um Gerhard nicht zu verlieren. Je größer das Chaos u. je schlechter die Straßen sind, umso schneller fährt er; da macht es ihm erst so richtig Spaß! Zum Glück klappte es heute mit dem Hotel auf Anhieb. Es hat zwar nur ein "indisches WC", aber es ist sehr sauber.
14.12.2010, Madurai, Ruhetag, sonnig 31 Grad Madurai ist eine der ältesten Städte Südasiens und ein wichtiger Pilgerort. Der größte Tempelkomplex mit seinen 33.000 Götterdarstellungen aus Stein und Stuck wird täglich von ca. 15.000 Pilgern besucht. Der Tempel wird von fünf großen und figurengeschmückten Türmen, die als Tor dienen, abgegrenzt.
Wir hatten uns Madurai etwas anders vorgestellt. Wir dachten, daß die Stadt von vielen westlichen Touristen besucht wird (zu sehen sind aber so gut wie keine) u. es auch internationale Küche gibt. Die Restaurants hier haben eigenartige Speisekarten. Es gibt Frühstück, Lunch und Dinner zu vorgegebenen Zeiten. Z.B. wollten wir zum Frühstück Spiegeleier oder Omelette, das gibt es aber erst ab 11 Uhr. Um 18 Uhr wollten wir zu Abend essen, aber zu dieser Zeit gibt es nur Snacks; Abendessen erst ab 19 Uhr!
15.12.2010, Madurai - Trichy, 138 km, 6,13 Std. Fahrzeit, bewölkt, 28 Grad Um 6,20 Uhr, bei Tagesanbruch, fuhren wir los. Es herrschte noch fast kein Verkehr u. wir fanden rasch aus der Stadt. Zu unserer großen Überraschung stießen wir recht bald auf einen 4-spurigen Highway, obwohl in unserer Karte eine kleinere Straße eingezeichnet ist. Obwohl in jede Richtung 2 Spuren führen, getrennt durch einen breiten Grünstreifen, kamen trotzdem auf der Überholspur immer wieder Autos, Motorrad- u. sogar Radfahrer entgegen. Niemand regt sich darüber auf; offensichtlich ist das normal. Der Gegenwind machte uns sehr zu schaffen u. wir waren froh, als kurz vor unserem Ziel ein LKW so langsam vorbeifuhr, daß wir 8 km im Windschatten mitrollen konnten.
Trichy selbst bietet keine besonderen Sehenswürdigkeiten, doch im 8 km entfernten Srirangam steht der größte Tempelkomplex Südindiens. Am Nachmittag regnete es 4 Stunden in Strömen, sodaß wir erst gegen Abend mit dem Linienbus zur Tempelbesichtigung aufbrachen. Die Fahrt war ein Abenteuer. Der Bus war mit Menschen vollgestopft u. die Fahrweise kriminell. Wir haben uns gewundert, daß wir auf der Straße bis jetzt heil davon gekommen sind, so wie die fahren! Der Tempel zählt zu den meistverehrten Vishnu-Schreinen Südindiens. Er besteht aus 7 rechteckig ummauerten Höfen. Man durchschreitet 3 Tempeltore und wandert an unzähligen Souvenirläden vorbei, bis man beim 4. Eingang die Schuhe ausziehen muß u. der eigentliche Tempel beginnt. Der 7. und letzte ist nur Hindus vorbehalten. Wir ignorierten die Verbotstafeln u. wälzten uns mit den Menschenmassen in den letzten Tempel wo gerade eine Zeremonie begann. Nach einigen Minuten hat man uns dann doch entdeckt u. uns nach draußen verwiesen.
Trichy - Thanjavur, 63 km, 2,56 Std. Fahrzeit, bewölkt, 28 Grad Seit Verlassen der Südspitze Indiens bläst uns nun jeden Tag der Wind von vorne entgegen. Wir fahren von einer Tempelstadt zur anderen. Schön langsam haben wir genug von den Tempeln u. freuen uns schon wieder auf das Meer und frischen Fisch. Thanjavur wird durch einen Fluss in 2 Hälften geteilt. Im Norden liegt die Altstadt mit den zwei größten Sehenswürdigkeiten, dem eindrucksvollen Brihadishwara-Tempel und dem königliche Palastkomplex. Der Tempel war ja sehr interessant, aber der Palastkomplex, in dem sich einige Museen befinden, ist stark verfallen u. nicht als Palast zu erkennen. Laut Reiseführer ist man hier mindestens 2 volle Tage mit dem Besichtigen der Sehenswürdigkeiten beschäftigt; wir hatten in 3 1/2 Stunden alles gesehen.
Thanjavur - Kumbakonam, 41 km, 1,56 Std. bewölkt/Regen Das macht Spaß - 1 Stunde im Regen! Wir sehen es positiv, der Regen hat wenigstens etwas Abkühlung gebracht. Schlimm ist nur, daß es in den Städten immer sehr sandig ist u. man dadurch sehr schmutzig wird. Kaum hatten wir geduscht u. die Wäsche gewaschen hörte es zu regnen auf. Auf dem Fenstersims unseres Zimmers kommen immer wieder grasgrüne Papgeien zu Besuch u. machen einen großen Wirbel. In Kumbakonam gibt es 18 große Schreine und die Gegend ist bekannt für ihre Bronzegießereien. Eine interessante große Tempelanlage in einem Dorf 5 km vor Kumbakonam konnten wir aufgrund des Regens leider nicht besichtigen. Bei einem Tempel dürfte ein Fest stattgefunden haben, da eine riesige Menschenschlange vor dem Eingang wartete.
Zu Mittag gelang es uns nicht ein vernünftiges Restaurant zu finden. Zwar hat hier jedes Hotel ein Restaurant, da aber kaum ausländ. Touristen hierher kommen, gibt es zu Mittag nur die indischen "meals" u. die können wir schon nicht mehr sehen!
Kumbakonam - Chidanbaram, 80 km, 3,56 Std. Fahrzeit, stark bewölkt, 27 Grad Auf einer Nebenstraße, die durch unzählige kleine Dörfer mit teilweise strohgedeckten Häusern führte, erreichten wir Chidanbaram. In der Gegend wird seit Urzeiten Ackerbau betrieben u. ist das größte Reisanbaugebiet Tamil Nadus. Unzählige Bäche und Flüsse durchziehen die Landschaft. Besonders in den Dörfern gab es wieder unzählige Schlaglöcher, die vom gestrigen Regen noch voll mit Wasser waren. Eines habe ich leider übersehen u. dabei ist mir am Hinterrad eine Speiche gebrochen. Wir haben zwar Ersatzspeichen mit, aber den Kranzabzieher den wir brauchen würden um die Speiche zu montieren hat Gerhard zu Hause vergessen. Jetzt kann ich nur hoffen, daß das Hinterrad die letzten 230 km bis Chennai noch hält.
Obwohl es hier nur indische Pilger gibt, waren wieder einmal alle Hotels ausgebucht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als beim Tempeleingang ein schäbiges Zimmer zu nehmen, besser als gar keines!
Der Tempel Sabhanayaka Nataraja ist für die südindischen Shaivas das heiligste aller Heiligtümer. Er wird von Priestern aus der Kaste der Brahamanen betreut. Die Priester erkennt man an einem Haarknoten oberhalb der Stirn. Auch dieser Tempelkomplex ist von 4 hohen Türmen (gopuras) begrenzt. Im Inneren befindet sich eine Halle mit 1000 Säulen, teilweise mit schönen Reliefs verziert. Unzählige Affen turnen in der Anlage umher. Da gerade Mittagszeit ist, gibt es auch eine Ausspeisung für die Pilger. Sie sitzen in langen Reihen im Türkensitz am Boden und auf ihr Bananenblatt bekommen sie Reis und verschiedene Gemüsecurries. Auch wir wurden eingeladen, lehnten aber dankend ab!
Chidanbaram - Puducherry, 72 km, 3,28 Std. Fahrzeit, bewölkt, 26 Grad
Unsere Räder wollen nach Hause. Heute ist an Gerhard`s Hinterrad eine Speiche gerissen; auch auf der Kranzseite, sodaß er es nicht reparieren kann! Puducherry war die ehemalige Hauptstadt Französisch-Indiens. Es leben viele Franzosen hier und es wird auch noch französisch gesprochen. Die Straßennamen sind französisch u. die Polizisten tragen Kèpis (Schirmmützen) wie in Frankreich. Hier gibt es viele tolle Cafès mit frischen Croissants, echtem Kaffee und knusprigem Baguette. In den Restaurants sind die Speisekarten auf französisch. Man hat die Qual der Wahl bei den vielen leckeren Gerichten! Die Häuser und die Strandpromenade sind sehr gepflegt u. man fühlt sich wie in einer französischen Stadt.
Auch wir haben uns bei einem Franzosen einquartiert; sein Vater hat in den 60er Jahren 2 x an der Tour de France teilgenommen. Vorher hatten wir uns ein Gästehaus angesehen, das der "Sri Aurobindo Society" gehört. Dies ist eine Art Sekte, die hier sehr vermögend ist. Bevor uns das Zimmer gezeigt wurde, mußten die Vorschriften durchlesen und akzeptieren. Zapfenstreich um 22,30 h, keine Drogen, kein Alkohol, keine Besuche und Mitteilungen zur Lebensphilosophie. Das Spirituelle hat uns dann doch nicht zugesagt.
Puducherry - Mamallapuram, 99 km, 4,50 Std. Fahrzeit, regnerisch, 26 Grad
Immer wenn ein Wolkenbruch über uns niederging, war weit und breit kein Unterstand. Kaum waren wir vom Fahrwind wieder trocken, schon kam der nächste Schauer. Einige Male stellten wir uns dann doch irgendwo unter, aber es brachte nichts, da wir sowieso immer wieder naß wurden. Schlimmer als den warmen Regen fanden wir aber den starken Gegenwind, der uns den ganzen Tag ins Gesicht blies.
Mamallapuram zählt wegen seiner kulturellen Bedeutung zum UNESCO-Weltkulturerbe. In den sandigen Straßen hört man überall das Hämmern der Steinmetze, die aus Granit Figuren meißeln.
Da es schon später Nachmittag war, konnten wir uns nur mehr einige Sehenswürdigkeiten, der in Felsen gehauenen Pallavia-Architektur ansehen.
21.12.2010, Mamallapuram, Ruhetag, sonnig 27 Grad, starker Wind
Da wir nur mehr 60 km von unserem Start- und Zielort Chennai entfernt sind, haben wir uns entschlossen schon früher nach Hause zu fliegen. Unser Quartiergeber war sehr hilfsbereit u. hat uns die Umbuchung bei der Air India gemanagt. Leider können wir nun nicht direkt mit der AUA nach Wien fliegen, sondern müssen einen Zwischenstopp in Frankfurt machen. Nachdem alles geregelt war konnten wir uns in Ruhe die Felsentempel ansehen. Am imposantesten Bauwerk, dem Shore-Tempel war Eintritt zu bezahlen (Rs 10,-- für Inder und für alle anderen Rs 250,-- / was für ein Verhältnis!)
22.12.2010, Mamallapuram, Ruhetag, sonnig, 28 Grad
Ein paar Häuser neben unserem Gästehaus gibt es einen schönen Hotelpool an dem wir den ganzen Tag relaxten. Hier ist es ganz normal, daß man sich als Nicht-Hotelgast an einen Pool legen kann, wenn man an der Rezeption eine Kleinigkeit dafür bezahlt.
Es war sehr angenehm, da man nicht wie am Strand, den ganzen Tag von Verkäufern belästigt wird. Außerdem gibt es am Strand weder Liegen noch Schatten. Die Wellen und die Strömung sind so gefährlich, daß man nicht schwimmen kann.
23.12.2010, Mamallapuram, Ruhetag, sonnig, 28 Grad
Wie jeden Tag in diesem Ort, wird um Punkt 8 Uhr morgens der Strom für ca. 1 Stunde, warum auch immer, ausgeschaltet?! Beim Frühstück gibt es in dieser Zeit in den Restaurants dann keine frischen Fruchtsäfte u. bei den wenigen Lokalen, die Kaffeemaschinen besitzen, keinen Kaffee.
Wir verbrachten einen letzten Tag am Strand um noch Sonne und Wärme zu tanken.
Gerhard hat es natürlich nicht den ganzen Tag am Strand ausgehalten u. er fuhr mit dem Rad noch zu einem nahegelegenen Tempel
Mamallapuram - Chennai, 67 km, 3,27 Std. sonnig, 28 Grad
Weihnachten! Wir können es gar nicht glauben. Bis jetzt haben wir noch kein einziges Weihnachtslied gehört u. Christbäume u. Krippen sieht man nur bei den wenigen Kirchen. Aber das Schönste ist, bei 28 Grad Rad zu fahren. Aber es sollten schlimme Weihnachten werden, denn der Tag verlief nicht so wie geplant. Noch bevor wir uns ein Hotel suchten fuhren wir zum Büro von Air India, um unsere Tickets abzuholen. Als die Dame am Schalter ewig am Computer herum tippte ahnten wir schon Schlimmes. Der von einer offensichtlich unfähigen Angestellten im Call-Center von Air India gebuchte Rückflug mit der Lufthansa über Frankfurt war nicht möglich, da an diesem Tag Air India erstens keinen Kooperationsflug mit Lufthansa anbietet u. zweitens alle Flüge von Frankfurt nach Wien ausgebucht waren. Auf unserem ursprünglichen Flug am 30.12. direkt nach Wien, war jetzt kein Platz mehr frei. Nach 1 1/2 Std. Diskussion und Suchen nach Alternativen, schickte uns die Dame zum Büro von Austrian Airlines. Sie sagte, es sei in der nächsten Straße aber die genaue Adresse wisse sie nicht, stand auf und ging zum Mittagessen. Wir fuhren zur Touristeninformation u. die teilten uns mit, daß die AUA in Chennai gar kein Büro hat! Also wieder zurück zur AIR INDIA, warten bis die Mittagspause vorbei war u. nochmals eine Stunde streiten. Schließlich fand sie einen Direktflug am 31.12. jedoch in einer höheren Klasse. Sie stellte uns nun vor die Alternative, diesen Flug mit einer Aufzahlung von Euro 128,-- pro Person (€ 75,-- für die Umbuchung, € 53,-- für die höhere Klasse) zu akzeptieren oder das Büro ohne Flugticket zu verlassen. Notgedrungen nahmen wir das Ticket, obwohl wir heftigst protestierten, daß nun wir für den Fehler der Angestellten bezahlen müssen. Die Büroleiterin erklärte uns, daß sie es zwar verstehe u. es ihr persönlich leid tut, aber die Zahlung sei nicht mehr zu stoppen. Leider fanden wir auch kein ordentliches Hotel u. mußten in einem schmuddeligen Zimmer Weihnachten verbringen.
25.12.2010, Chennai - Mamallapuram, 61 km, 2,52 Std. Fahrzeit, sonnig 31 Grad
In der schmutzigen, heißen und hektischen Großstadt wollen wir auch keine Woche verbringen. So blieb uns nichts anderes übrig, als wieder zurück nach Mamallapuram zu fahren. Dort gibt es wenigstens gutes Essen und einen schönen Hotelpool.
Unterwegs hatten wir aufgrund des starken Verkehrs, der aus der Stadt rausrollte, schon Angst, daß wir keine Unterkunft finden. Es sind auch aufgrund des heute beginnenden Tanzfestivals viele Inder hier im Ort. Da wir aber früh ankamen, fanden wir auf Anhieb ein schönes Zimmer, in dem es sich eine Woche aushalten läßt.
26.12.2010, Mamallapuram, sonnig, 30 Grad
Jetzt beginnt für mich der Urlaub und für Gerhard, der ja nicht ruhig sitzen kann, die harte Zeit. Ich verbrachte den ganzen Tag am Pool mit Lesen und Schwimmen u. Gerhard ließ es sich nicht nehmen, zum Bäcker zu fahren um frisches Gebäck zu kaufen. Die einzige Bäckerei, die französisches Baguette hat, ist gut 30 km entfernt - so ist er heute 75 km mit dem Rad gefahren, damit für ihn der Tag schneller vergeht
27.12.2010, Mamallapuram, sonnig, 31 Grad
Heute konnte ich Gerhard einmal überreden, daß er sich mit mir an den Pool legt. Auch der Tag am Pool kann interessant sein, besonders wenn viele Inder zum Baden kommen. Die meisten Inder können ja nicht schwimmen u. so wäre heute einer fast ertrunken, weil er irrtümlich ins tiefe Wasser geriet. Der Bademeister konnte ihn gerade noch herausziehen. Auch die Frauen, die komplett angezogen im Kinderbecken baden sind lustig zu beobachten.
28.12.2010, Mamallapuram, regnerisch, 26 Grad
Gerhard ließ es sich nicht nehmen u. ging wieder mit dem Fahrrad auf Endeckungstour, diesmal suchte er den schnellsten und kürzesten Weg zum Flughafen (114 km hin und zurück). Dabei kamen ihm 2 x Radreisende entgegen. Ein Pärchen davon zog sogar in unserer Unterkunft ein. Er ist Franzose u. sie. Sie leben auf Kreta u. produzieren Olivenöl und Honig. Sie sind noch am Anfang ihrer Reise u. wollen auch so wie wir 2 Monate unterwegs sein. Für die vielen Tipps die wir ihnen geben konnten waren sie sehr dankbar.
29.12.2010, Mamallapuram, Vormittag bedeckt, Nachmittag sonnig, 28 Grad,
Heute traf Gerhard bei seiner Radtour wiederum auf 2 Radreisende. 2 Französinnen, die in Chennai 6 Tage auf ihre Fahrräder warten mußten, da sie am Flug verloren gingen. Am Nachmittag wurde es zum Glück wieder sonnig u. am Strand war es recht angenehm auszuhalten.
30.12.2010, Mamallapuram, bewölkt/sonnig, 30 Grad
Pünktlich um 8 Uhr, wie jeden Tag, fiel wieder der Strom aus. Schön langsam gewöhnt man sich daran. Da es am Vormittag bewölkt war, las ich auf der Terrasse vor unserem Zimmer mein Buch zu Ende. Gerhard mußte auch heute wieder, was täte er auch sonst, Rad fahren! Am Nachmittag schien dann zeitweise die Sonne u. wir konnten uns am Strand noch ein paar Stunden entspannen.
Nun hoffen wir, daß wir morgen endlich nach Hause fliegen können. Unsere Flugtickets sind zwar bestätigt, aber Sorgen macht uns der Nebel in Delhi. Wir haben beim Frühstück in der Zeitung gelesen, daß es in der Nacht in Delhi öfters Nebel gibt u. gestern die meisten Flüge ausgefallen sind. Vielleicht wurde unser Flug von Chennai nach Delhi von 20 Uhr auf 18,10 Uhr vorverlegt. Unser Flug von Delhi nach Wien startet, wenn alles gut geht um 02,30 Uhr.
Mamallapuram - Chennai Airport, 57 km, 2,57 Std. Fahrzeit, sonnig, 30 Grad
Gestern Abend vor dem letzten "Garnelen-Essen" haben wir noch beim Tanzfestival zugesehen. Es war nicht sehr aufregend, da es sehr monoton u. immer im selben Rhythmus war. Auch die Unmengen von Moskitos haben uns recht schnell ins Restaurant getrieben.
Als wir den Airport erreicht hatten u. die Räder verpackt waren, freuten wir uns, daß wir das Chaos unbeschadet überstanden haben. Wir hatten trotz der teilweise schlechten Straßen u. vielen Glassplitter keinen einzigen Reifenschaden. Es hatte sich gelohnt, vor der Reise pannensichere Reifen zu montieren. Bis auf 2 gerissene Speichen (ein Wunder, daß es bei diesen Straßen nicht mehr waren!) hatten wir mit unseren KTM-Trekkingrädern keinerlei Probleme.
Da wir schon sehr früh am Flughafen waren, war es beim Check In noch sehr ruhig. Wir waren glücklich darüber, daß dieses Mal die Räder gleich bis Wien durchgecheckt wurden u. keine Extrakosten für das Sportgepäck verlangt wurden. Wir wunderten uns, daß wir nur für den 1. Flug bis Delhi einen Boarding Pass erhielten, aber man sagte uns, daß wir den für den Wien-Flug in Delhi bekämen. Im Flugzeug gab es dann noch einmal scharfes, indisches Essen u. dazu nur Wasser, Tee oder Kaffee.
Auf dem Flug selbst kamen wir ordentlich ins Schwitzen, da es sehr turbulent wurde u. der Captain von Problemen sprach. Es ging dann aber doch alles gut u. wir landeten pünktlich. Sicherheitshalber kontrollierten wir beim Förderband ob nicht doch unsere Räder hier ausgeladen werden, bevor wir uns auf den Weg zum Check In bei Austrian Airlines machten. Am Schalter waren wir bei den ersten die eincheckten u. der Inder wollte nicht glauben, daß unser Gepäck bis Wien durchgecheckt ist. Wir bekamen unsere Boarding Pässe, aber die Gepäckabschnitte wurden uns abgenommen u. der Inder machte sich auf den Weg um unser Gepäck zu suchen. Nach ca. 1 1/2 Std. hörten wir eine Durchsage, daß wir uns beim Austrian-Airlines Informationsschalter melden sollen. Das Problem war, daß wir schon im Duty Free Bereich waren u. offiziell Indien schon verlassen hatten u. nicht mehr zurück konnten. Es war recht mühsam beim Informationsschalter zu erklären, daß wir zu diesem Schalter nicht mehr gehen können. Nach einiger Zeit fand uns der Inder dann doch u. wollte von uns Euro 300,- für die Fahrräder haben. Nach einer längeren Diskussion verlangte Gerhard den Manager von Austrian Airlines zu sprechen. Dieser war dann auch sofort zur Stelle u. äußerst höflich u. sah dann auch ein, daß wir die übliche Gebühr von Euro 70,-- pro Fahrrad zu bezahlen bereit waren u. nicht mehr.
Die Sicherheitskontrollen waren sehr streng; vom Boarding bis zum Einsteigen ins Flugzeug wurden wir auf der Gangway noch 2 x kontrolliert. Aber als wir beim Einsteigen auf "wienerisch" begrüßt wurden u. die Kronen Zeitung erhielten fühlten wir uns schon wie zu Hause. Interessant war, daß außer uns beiden nur ungefähr 10 Europäer, aber keine Österreicher waren, alle anderen Fluggäste waren Inder. Um 4,30 h Ortszeit war dann Silvester in Österreich. Die ganze Crew stürmte vorbei in die Business-Class um zu feiern. Als sie zurück kamen fragten wir im Spaß ob sie auf uns vergessen hätten. Darauf hin kam wirklich die Stewardess mit 2 Fl. Piccolo Sekt u. richtigen Gläsern u. entschuldigte sich. Am Flughafen wurde Silvester von den Indern überhaupt nicht zur Kenntnis genommen.
Resümee: Die Reise war sehr interessant, obwohl es zeitweise psychisch und physisch sehr hart war. Außerdem war es eine günstige und ausgezeichnete Diät, da wir beide einige Kilos in Indien gelassen haben. Auch die teilweise katastrophalen hygienischen Zustände haben uns überraschenderweise keine gesundheitlichen Probleme bereitet. |