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I N D I E N

29.11.2007 - 7.1.2008
Gerhard NORTH
29.11.2007
Nach einer langen Anreise - 2,20 Std. Wien -
Istanbul und 6 Std. Aufenthalt im Transitbereich u. weiteren 6,20 Std.
Flug nach Dehli - bin ich um 5,20 Uhr gelandet.
Nach dem Zusammenbau des Fahrrades habe ich vor dem
Flughafen gewartet bis es hell wird. Die Temperatur war ganz angenehm
- ca. 15 Grad, aber die Moskitos haben mich etwas gequält.
Der Weg ins Zentrum war nicht schwer zu finden -
nur im letzten Stück musste ich einige Male nach meinem gebuchten Hotel
fragen. In den engen Gassen machte ich auch gleich Bekanntschaft mit den
"heiligen" Kühen. Sie laufen kreuz und quer zu den Essensständen und
betteln um Futter.
Im Hotel hat mein Rad ein eigenes Zimmer bekommen
und ich ging gleich auf Besichtigungstour. Das Chaos in den Straßen ist
nur schwer zu beschreiben. Kühe, Affen, Hunde, Fahrrad- und
Motorradrikschas, Ochsen- u. Kamelkarren, tausende Menschen u. jede
Menge Schmutz und Dreck, besonders von den Kühen, verursachen einen
richtigen Kulturschock!
30.11.2007 - Dehli
Aufgrund der vielen Reiseberichte, die ich in letzter Zeit las, hatte
ich ja mit dem Schlimmsten gerechnet. Da wir zuvor schon halb Asien mit
dem Fahrrad bereisten, bin ich schon einiges gewohnt.
Nach der gestrigen Besichtigung von New Dehli, stand heute Old Delhi
mit dem roten Fort und der größten Moschee auf dem Programm. Ich war den
ganzen Tag auf den Beinen, bis auf ein kurzes Stück das ich mit der
U-Bahn gefahren bin.
Das Essen hier in den Hotels ist ganz auf die Touristen abgestimmt (zum
Glück nicht scharf!)
1.12. Delhi - Vrindavan, 159 km, 25 km/h, ca. 25
Grad
Schnupfen und Halsschmerzen
Der Kampf ums tägliche Überleben im indischen Straßenverkehr hat
begonnen. Die 10 Millionenstadt Delhi mit dem unglaublichen Smog
möchte ich schnell hinter mich bringen. Fast alle Radfahrer die ich
überhole möchten sich ein Duell mit mir liefern. Kaum habe ich einen
abgehängt ist schon der nächste da. Ich lerne auch sehr schnell, daß
es für Radfahrer keine roten Ampeln gibt. Einmal fahre ich auf eine
von einem Polizisten geregelte Kreuzung mit 30 km\h zu und reagiere
auf die Haltezeichen des Gesetzeshüter. Der Inder an meinem
Hinterrad fährt ungebremst an mir vorbei über die 4-spurige extrem
stark befahrene Strasse und kollidiert wie durch ein Wunder mit
keinem Auto.
Auf 60 Kilometer ist sehr starker Nebel. Die Autos fahren alle mit
eingeschalteter Warnblinkanlage. Die Autobahn auf der ich fahre ist
die einzige Strasse in meine Richtung, hat aber einen gut
asphaltierten Seitenstreifen. Einige Male kommen mir Scheinwerfer
entgegen. Meistens sind es Traktoren oder Motorräder. Ich erschrecke
immer sehr, weil die Sicht nur 30 m beträgt. Oft hockerln auch Leute
auf meiner Fahrspur und verrichten ihre Toilette. die Lkw's fahren
einige Male nur mit 30-40 km\h an mir vorbei und ich fahre
gelegentlich ein Stück im Windschatten oder halte mich an. Nach
kurzer Zeit bin ich kohlrabenschwarz und sehe aus als käme ich aus
einem Kohlebergwerk.
2.12. Vrindavan - Agra, 83km,
bewölkt, ca. 23 Grad
Gestern habe ich das Hotel aus dem Reiseführer nicht gefunden weil
es in Hindi angeschrieben war. Habe aber ein anderes sehr schönes
gefunden.
Vrindavan ist eine staubige Kleinstadt, in die jährlich eine halbe
Million Pilger aus aller Welt kommen - hier hat Krishna gelebt. Ich
sehe nur einen weißen Touristen der normal gekleidet ist und an die
100 weiße mit kahl geschorenen Köpfen und als Krishnas verkleidet.
Einen frage ich mal nach dem Weg und es stellte sich heraus, da er
aus Graz ist und hier lebt. Die zahlreichen Schreine der Stadt sind
sehr interessant. Es leben hier auch sehr viele Witwen die von den
Angehörigen des verstorbenen Mannes verstoßen und aus dem Haus
gejagt wurden weil es eine Sünde ist, länger als der Mann zu leben.
3.12. Agra - Varanasi, ca. 610 km mit dem Nachtzug im
Liegewagen 2 Klasse, in 9,5 Std. um Euro 5,--
Gegen 7 Uhr wache ich auf weil ich was aus meinem hintern rinnen
spüre. Ich habe extrem starken Durchfall und bin sehr stark
verkühlt. In der Nacht hatte ich einige Schweißausbrüche. Hoffe, daß
ich kein Fieber habe. Die Zugfahrt kann ja heiter werden.
Das Frühstück, Tee und Bananen kommt nach ca. 15 Minuten hinten
wieder raus. Fühle mich sehr schwach und kann mich zu Fuß nur sehr
langsam bewegen. Besichtige das rote Fort und trinke den ganzen Tag
nur Cola. Auch das Abendessen, Toast und schwarzen Tee, kann ich
nicht bei mir behalten. Zum Glück habe ich von zu Hause
Immodium-aktiv mitgenommem. Leider habe ich aber nicht vorher in die
Schachtel gesehen. Es sind nur 2 Stück mehr drinnen. Ich nehme die 2
und auf dem Weg zum Bahnhof kaufe ich in einer Apotheke den ganzen
Immodium-Vorrat. 4 Stück, mehr hatten sie nicht. Die Medikamente
werden hier stückweise verkauft. Auch Elektrolytpulver nehme ich
mit. Nachdem ich noch eine Kapsel genommen habe, überstehe ich die
Nacht ganz gut.
4.12. Varanasi, ca. 28 Grad sonnig
Die Hindu-Stadt liegt am Ganges und wird kilometerweit von
steinernen Ghats gesäumt, an denen täglich tausende Pilger und
Anwohner ihre rituellen Waschungen durchführen. Sie ist eine der
ältesten ununterbrochen bewohntesten Städte der Welt. Ich habe um 6
Euro ein Zimmer mit Bad in der nähe des größten Verbrennungsghats
gefunden. Die Einäscherungen finden 24 Stunden am Tag statt und pro
Leiche werden 300 kg Holz benötigt. Der Anblick der öffentlichen
Leichenverbrennungen ist faszinierend. Als es dunkel ist, ist es
noch aufregender. Es werden auf den breiten Steinstufen ca. 15
Leichen zur gleichen Zeit verbrannt. Jeder Scheiterhaufen brennt
angeblich 3 Std. am Ende wird noch der letzte Überrest des Toten,
ein ca. kopfgroßer Klumpen mit Stangen aus dem Feuer geholt und in
den Ganges geworfen. Einen Meter daneben baden die Leute und tauchen
kurz unter, ein paar Meter weiter putzt sich einer die Zähne oder
ein anderer wäscht seine Wäsche.
Der Schnupfen ist schon ein wenig besser und vom Magen fühle ich
mich auch schon wieder besser. Hoffe, daß ich gesundheitlich das
schlimmste überstanden habe.
5.12. Varanasi, ca. 26 Grad
Gestern habe ich den ganzen Tag Diät gehalten und mich nicht
schlecht gefühlt. Am Abend habe ich gebratenen Reis mit Ei bestellt,
aber vergessen zu sagen, daß ich ihn nicht scharf möchte. Es war
dann ziemlich scharf und auch Gemüse war drinnen.
Um 2 Uhr bin ich wach geworden und habe ca. 20 Min. auf dem WC
verbracht. Immer wenn ich gedacht habe ich bin fertig, ist wieder
ein Schwall gekommen.
Am WC habe ich mitbekommen, wie viele Tote zu dem Verbrennungsghat
getragen wurden, weil sie von singenden Männern begleitet werden.
Bei Sonnenaufgang ging ich zu den Ghats und habe nach kurzem
Feilschen eine 1 stündige Fahrt auf dem Ganges gebucht.
Es war wirklich interessant, weil die zum Großteil verfallenen
Paläste und die am Ufer badenden Inder in zum Teil wunderschönen
Saris in der aufgehenden Morgensonne eine Augenweide waren.
Nach dem Frühstück (schwarzer Tee und in Milch gekochten
Haferflocken) schlenderte ich durch die engen Gassen der Altstadt
zum goldenen Tempel. In der Gegend und vor dem Eingang stehen viele
bewaffnete Polizisten. Sie haben Angst vor Anschlägen hinduistischer
Fanatiker. Ich mußte alles (Handy, Fotoapparat, Schuhe) abgeben und
nach zwei Leibesvisitationen durfte ich endlich in die große Anlage.
Die Rituale der gläubigen Hindus zu beobachten faszinierte mich. Auf
die Nerven ging mir nur das barfußlaufen, weil alles von den Affen
verschissen war. Die unzähligen Affen sind eine wahre Plage; im
Hotel kann man das Fenster nicht öffnen weil, sie sonst ins Zimmer
kommen und im Restaurant ist mir einer von hinten auf den Tisch
gesprungen und hat mir eine Banane gestohlen. Die Kellner haben eine
Steinschleuder und Stöcke zum verjagen.
Die Hygiene ist in Indien ein eigenes Thema. So wild habe ich es bis
jetzt noch in keinem anderen Land der Welt empfunden; nicht mal in
Afrika.
Die vielen Tiere, die in jeder Stadt herumlaufen und ihre
Ausscheidungen hinterlassen, dann die Millionen fliegen, die sich
drauf setzen und sich dann auf dein Essen setzen - Mahlzeit. Aber
ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß sich mein verwöhnter Magen
darauf einstellt.
Bis jetzt bin ich aufgrund der vielen tollen Erlebnisse
zuversichtlich und voll Datendrang.
Am Abend geht es mit dem Nachtzug wieder zurück nach Agra wo ich
mein Rad und den größten Teil meines Gepäcks in einem Hotel gelassen
habe.
6.12. Varanasi-Agra, 23 Grad, Hochnebel
Bevor ich mit einer Fahrradrikscha zum Bahnhof gefahren bin habe ich
noch 1 Stunde das faszinierende Treiben am Verbrennungsghat
beobachtet. Ein Inder hat mir unaufgefordert das ganze Zeremoniell
erklärt.
Die Toten werden auf Bambusbahren in bunte Tücher gehüllt gebracht.
An der Farbe der Tücher kann man erkennen, ob ein Mann, Frau, jung
oder alt darunter liegt. Die Bahre wird dann in den Ganges getaucht
und zum Scheiterhaufen gebracht, dort werden die bunten Tücher
abgenommen und der Tote in einem weißen Tuch auf das Holz gelegt. Es
sieht etwas makaber aus, wenn dann das Feuer das Tuch weg brennt und
der Körper zum Vorschein kommt. Der älteste Sohn, der sich vorher
eine Glatze scheren lies (auch am Ghat) wirft dann am Schluß den
letzten Überrest in den Fluß.
Kinder unter 10 Jahren und Leute die durch Schlangenbiss oder andere
Gifte gestorben sind dürfen nicht verbrannt werden. Sie werden mit
Steinen beschwert und in den Fluß geworfen. Als ich da war wurde ein
Kind versenkt.
Am Bahnhof wartete ich auf den Zug und merkte erst im letzten
Moment, daß er nicht am angekündigten Gleis abfuhr. Als ich mein
Bett gefunden hatte, lag schon einer drin. Mit Hilfe der anderen
Fahrgäste konnte ich ihn vertreiben. Der Bummelzug brauchte für 620
km 14 Stunden. Ich hatte das Mittelbett in Fensterhöhe und es war in
der Nacht eiskalt, da die Fenster nicht dicht sind. An Schlafen war
nicht zu denken. Der Nachbar hat um 2 Uhr Früh laut zu singen
begonnen, ein anderer hat einfach ein Radio eingeschaltet, beim
nächsten klingelt das Handy um 3 Uhr und der Teeverkäufer läuft alle
30 Min. schreiend durch den Waggon.
Auf dem kurzen Weg zum Hotel werde ich von Fahrrad- und
Motorradrikschafahrern pausenlos angesprochen und verfolgt. Der
Wechsel der Straßenseite um mehr Ruhe zu haben, bringt auch nichts.
Die fahren einfach gegen die Fahrtrichtung neben mir her, obwohl
überall Polizisten herumstehen. Sie sekkieren mich ewig, man kann 10
mal nein sagen, sie ignorieren es einfach. Wenn dann einer endlich
aufgibt, ist sofort der nächste da.
Im Hotel angekommen sehe ich gleich nach meinem Rad und habe hinten
keine Luft im Reifen. Bei der Reparatur stelle ich fest, daß das
Ventil ausgerissen war. Wahrscheinlich hat einer am Rad
herumgespielt.
Nach 2 Scheiben trockenem Toast
und schwarzem Tee mache ich mich auf zum Taj Mahal. Es gibt auch
hier strenge Sicherheitskontrollen und nach 45 Min. anstellen, darf
ich mit dem Reiseführer in der Hand nicht hinein. Ich muß ihn in der
Gepäckaufbewahrung abgeben. Frauen mit Handtasche lassen sie aber
durch. Das erscheint mir etwas unverständlich. Beim Gehen merke ich
daß ich etwas schwach auf den Beinen bin. Esse am Nachmittag noch
gekochten Reis, aber der Durchfall wird einfach nicht besser. Zum
Glück habe ich morgen nur eine kurze Etappe.
7.12. Agra - Fathepur
Sikri-Bharatipur, 63 km, ca. 22 Grad sonnig
Habe nur schwer aus Agra hinausgefunden, aber als ich an einer Kreuzung
gefragt habe, hat ein vorbeifahrender Radfahrer sofort seine Hilfe
angeboten und ist bis zur Ausfahrtsstraße vor mir hergefahren. Bis
Fatepur Sikri waren es 38 km. Ich hielt vor einem Hotel und überlegte wo
ich mein Rad samt Gepäck einstellen könnte, da ich nach der Besichtigung
noch weiter wollte. In dem Moment kam auch schon der Hotelbesitzer und
bot von sich aus an, dass ich meine Sachen bei ihm kostenlos einstellen
kann, auch wenn ich kein Zimmer nehme. Die Hilfsbereitschaft und
Gastfreundschaft in dem Land ist man als Europäer nicht gewohnt.
Die verlassene Residenzhauptstadt des großen Mongulkaisers Akbar mit
ihren gewaltigen Palastanlagen aus rotem Sandstein, zum Teil mit weißem
Marmor, vermittelt einen fantastischen Eindruck einer Kaiserstadt.
Nach 2 stündiger Besichtigung bereitete mir der Hotelier noch ein
Mittagessen (Huhn, Reis, Cola) zu. Die 25 km bis zum Etappenziel brachte
ich schnell hinter mich, auf der Nebenstraße war nicht allzu viel
Verkehr. Bis jetzt war es auch seit dem Start in Delhi flach und es sind
auch noch keine Steigungen in Sicht. Mein Magen hat sich etwas erholt
und auch sonst fühle ich mich ganz gut. Denke es geht gesundheitlich
bergauf.
8.12. Bharatpur, 22 Grad sonnig
In der Nacht hatte ich wieder einen Rückfall und mußte einige mal
aufs WC. Auch hätte ich auf meinen Indien-erfahrenen Freund hören
sollen, der mir von einer Reise durch Rajastahan zu dieser
Jahreszeit abgeraten hat. Die Tage sind ja angenehm warm aber die
Nächte eisig kalt und es gibt jede Menge Moskitos.
Am frühen Morgen machte ich mich auf, um mit dem Rad den
Keoladeo-Nationalpark zu besuchen. Der Eingang war nur 500 Meter
entfernt. Nachdem ich ca. 4 Euro Eintritt bezahlt hatte verlangte
der nächste Posten 0,50 Euro für mein Fahrrad, obwohl es gleich viel
kostet, wenn man das Rad für den Parkbesuch den ganzen Tag bei ihm
mietet.
Der Park wird von der UNESCO geschützt und gehört mit seinen Seen
und Sümpfen zu den wichtigsten Brut- und Zugvogelgebieten der Welt.
Es leben hier 200 indische und 130 weitere Arten, die zum
Überwintern hierher kommen. Auch viele Säugetiere (verschiedene
Hirscharten, Wildschweine, Antilopen, Schakale, Hyänen, Ottern,
Schildkröten und Schlangen und sogar ein Tiger soll schon gesehen
worden sein.
Leider blieb der Monsun dieses Jahr fast aus und es war sehr wenig
Wasser zu sehen. Dadurch sah ich auch nicht übermäßig viele Vögel,
keine Schlangen, aber jede Menge Großwild. Ich hatte nur einige
Bananen mit und einen Kornland-Riegel, den mir eine zahme Antilope
weg fraß. Ich verbrachte 7 Std. im Park und genoß die Stille und die
Natur.
9.12. Bharatpur-Sawai
Madhopur, 235 km, 10,34 Std. Fahrzeit, sonnig, 22 Grad
Betreffend Durchfall habe ich einen schweren Rückfall. Von 2,30 Uhr bis
7 Uhr musste ich 9 mal aufs WC. Das Frühstück und ein Immodium musste
ich im dunklen essen. Es war wieder einmal Stromausfall. Leider ist die
Stromversorgung in Indien ein großes Problem und es kommt täglich einige
male zu Ausfällen. Auch beim packen im Zimmer brauchte ich die
Taschenlampe, damit ich nichts vergesse. Bis zur nächsten im Reiseführer
erwähnten Stadt, wo es auch Hotels gibt, hatte ich ca. 180 km auf einer
drittrangigen Straße oder ca. 220 km teilweise Hauptstraße, daher hatte
ich etwas Stress, da es nur 11 Std. hell ist und ich nicht wusste, wie
ich gesundheitlich zurecht komme. Schon nach kurzer Zeit hatte ich
steifgefrorene Finger. Der tägliche Morgennebel ist angeblich bis Jänner
normal. Nach 6 km fand ich die Nebenstraße und somit den kürzeren Weg.
Doch 2 km später drehte ich wieder um. Mit diesen Unmengen an tiefen
Schlaglöchern war an ein zügiges Vorankommen nicht zu denken. Auf der
Hauptstraße war ein Großteil der ersten 130 km neu asphaltiert und gut
ausgebaut. Anschließend bog ich in eine Nebenstraße die auf 65 km neu
gebaut wird und ca. 20 unasphaltierte kurze Abschnitte mit spitzen
Steinen aufwies. Zum Glück hatte ich keinen Defekt. Doch die Kinder und
Jugendlichen am Straßenrand und in den Dörfern bereiteten mir große
Probleme. Andauernd wollten sie mit Steinen nach mir werfen. Bis auf 2
mal konnte ich sie mit Anschreien davon abhalten. Auch wollten sie mich
im Vorbeifahren immer angreifen oder stießen gegen meine Packtaschen.
Teilweise ziemlich heftig und ich hatte immer Mühe mich am Rad zu
halten.
Nach gut 200 km bekam ich die ersten Krämpfe. Ich hatte den Fehler
gemacht, bis dahin nur Wasser und Cola zu trinken. Das Elektolytpulver,
welches ich mir gleich anmachte, wirkte sehr schnell. Auch das Immodium
zum Frühstück wirkte den ganzen Tag. Es wurden schlußendlich 235 km und
ich kam überglücklich genau zur einsetzenden Dunkelheit an.
10.12. Sawai Madhopur,
Ranthambore-Nationalpark, sonnig 25 Grad
Die ganze Nacht durchgeschlafen. Hoffe, das ist ein gutes Zeichen. Am
Vormittag eine Safari (11,-- Euro) in den NP gebucht und durch die
staubige Stadt gewandert.
Angeblich hat man im Ranthambore-NP die besten Chancen Tiger zu sehen.
Um 14.30 Uhr holte mich ein "Canter" (offener Lastwagen mit 20 Sitzen)
vom Hotel ab. Außer mir waren noch 3 Deutsche, 2 Australier und 16 Inder
mit. Wir hatten Glück und sahen schon nach kurzer Zeit 2 Tiger. Die
Inder freuten sich wie kleine Kinder und machten einen Riesenlärm. Ich
war der einzige, der ein Fernglas mit hatte und die Inder begannen fast
darum zu raufen.
Das Buschlandgebiet mit Flüssen und Seen beherbergt aber auch noch viele
andere Tiere. Wir sahen Antilopen, Hirsche, Krokodile eine Eule,
Wildschweine, eine Dschungelkatze, Affen, Enten, Pfaue und jede Menge
schöner Vögel. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt.
11.12. Sawai
Madhopur-Jaipur, 167 km
nach dem Morgennebel meist sonnig, 23 Grad
Wiederum 6.15 Uhr Stromausfall und Frühstück im dunklen. die schlechte
Straße mit den vielen Baustellen von vorgestern mußte ich leider wieder
zurück. Wie schon bei der Hinfahrt überholte mich gegen Mittag ein Auto
mit einem jungen Tiroler darin. Er erzählte mir, daß er mit Chauffeur 5
Tage unterwegs ist. Er verpflegte mich aus dem fahrenden Auto mit Obst
und wir plauderten ein wenig. Die steinewerfenden Kinder waren heute
auch nicht so zahlreich. Vielleicht besuchen doch einige eine Schule.
Zu den Verkehrsregeln möchte ich noch einiges erzählen: wenn ein
Verkehrsteilnehmer einen anderen überholen möchte, wird lautstark
gehupt. Es wird ohne zu Schauen und ohne Zeichen zu geben ob es geht,
nach links oder rechts abgebogen, die Fahrspur gewechselt oder die
Straße gequert. Wenn man nichts hört geht es. Das Gehupe geht 24 Stunden
und ich muß immer aufpassen, dass ich ein Hotelzimmer bekomme, das nicht
zur Straße geht.
Wenn man ein Fahrzeug überholen möchte macht man es sofort, egal ob
Gegenverkehr herrscht oder eine Kurve kommt. Ich glaube, die LKW-Fahrer
legen einen Stein aufs Gas, kleben die Hand auf die Hupe und machen die
Augen zu. Wenn man alles richtig macht und es kommt einem ein
überholender Lkw entgegen, muß man langsamer werden, vielleicht anhalten
oder in das Bankett ausweichen. Der überholende bremst nie und bricht
auch den Überholvorgang nie ab, auch wenn ihm ein Lkw oder Bus entgegen
kommt. Aber man gewöhnt sich an alles und ich fühle mich ziemlich
sicher.
12.12. Jaipur,
Hochnebel, 23 Grad
Die Hauptstadt Rajasthans mit 2.3 Mio. Einwohnern wird auch als rosarote
Stadt bezeichnet. Die Stadt wurde erstmals 1876 rosarot gestrichen und
seither wird der Anstrich regelmäßig aufgefrischt. Das berühmte
Wahrzeichen "Hawa Mahal" (Palast der Winde) ist eine 5 stickige Fassade
mit 593 Fenstern. Die Hofdamen konnten so unbeobachtet die
Straßenprozessionen beobachten. Nach einem ausgiebigen Bummel durch die
Basare und dem Besuch des Stadtpalastes fuhr ich am Nachmittag mit dem
Linienbus ins 11 km entfernte Amber. Auf einem Felsen thront hier eine
mächtige Festung. Der Aufstieg war ziemlich anstrengend. Ich hätte mich
auch von einem Elefanten hochtragen lassen können. Da aber die meisten
zu Fuß gingen machte ich das auch. Der Palastbereich ist riesengroß und
nur zum Teil restauriert. Anschließend ging ich noch weiter hoch zum
Fort. Auch ohne Rad zu fahren war ich am Abend ziemlich kaputt.
Abendessen ging ich zu "Pizza Hut", den ersten den ich in Indien gesehen
habe. Man glaubt, daß man eine andere Welt betritt. Alles neu, sauber
und nur die indische Oberschicht im Lokal. Entsprechend teuer für Inder.
Die Pizza war super und hat inkl. Cola und mit Vorspeise (mit Käse
überbackenes Knoblauchbrot) 5 Euro gekostet. Beim Hinausgehen haben alle
Gäste mit der großen Glocke neben der Tür geläutet und alle Kellner
haben jedes Mal im Chor danke gerufen. Das habe ich sehr lustig
gefunden.
13.12. Jaipur-Ajmer, 135
km, Nebel, danach sonnig, 23 Grad
100 km auf einer 3-spurigen Mautautobahn gefahren. Es gab Notrufsäulen
und elektronische Überkopfwegweiser. Habe mich wie zu Hause gefühlt, mit
dem Unterschied, daß ich mit dem Rad auf der Autobahn fahren durfte. Im
Nebel (bis 11 Uhr) war es wieder sehr kalt. Unterwegs wurde ich aus
einem fahrenden Auto angesprochen und gebeten anzuhalten. Es waren 2
Inder die eine Webseite gestalten. Sie machten ein kurzes Interview,
einige Fotos und ein kurzes Video mit mir. Mir fiel auch auf, daß es
neben der Straße sehr sauber und gepflegt aussah. Am Nachmittag besorgte
ich mir am Bahnhof noch einige Zugtickets, da meine nächsten
Besichtigungsziele (Jodhpur und Jaisalmer) weit abseits meiner geplanten
Radroute liegen. Mit meinem schlechten Englisch war das gar nicht so
einfach, da ich für jede Strecke ein eigenes Formular ausfüllen mußte.
Doch der Beamte am Schalter war sehr geduldig und hilfsbereit. Am Abend
fand ich in der Umgebung des Hotels nur vegetarische Restaurants. Die
Hindus essen kein Fleisch.
Mein Verdauungstrakt war jetzt 2 Tage ganz o.k.. Heute Früh hatte ich
aber wieder einen Rückfall.
14.12. Ajmer-Jodhpur,
sonnig 23 Grad
Wieder sehr starken Durchfall. Wenn das so weiter geht sehe ich bald wie
"Ghandi" aus. Beim Bummeln durch die schmalen Gassen sind die Düfte und
Gerüche so interessant daß ich gerne alles probieren möchte, aber wegen
meinem kranken Magen fast nur gekochten Reis, Toast und Bananen esse.
Mußte schon dringend Euro umwechseln, was hier nicht so einfach war.
Erst in der 6. Bank hatte ich Glück, zuvor habe ich es auch erfolglos
bei einem Bankomat mit der Karte versucht. Hierher verirren sich
anscheinend nicht sehr viele westliche Touristen. Habe den ganzen Tag
nur 4 Weiße gesehen. Die Stadt gehört zu den heiligsten moslemischen
Walfahrtsorte der Welt. In den schmalen Gassen die sich durch Basare und
Wohnviertel ziehen, wirkt es fast mittelalterlich. In der Umgebung des
heiligen Grabbezirkes, den ich nach einer Körperkontrolle nicht betreten
durfte, weil ich einen Fotoapparat in der Hosentasche hatte, fühlte ich
mich wie am Balkan. Es waren nur Moslems zu sehen. Ich hätte den
Fotoapparat in einem nahe gelegenen Gästehaus abgeben können, was ich
aber nicht machte. Danach machte ich noch eine 1,5 std. Wanderung auf
einem antiken gepflasterten Pfad auf einem Grad zur Festung (Taragart)
hoch über der Stadt. Sie war 2000 Jahre lang der wichtigste Stützpunkt
für nach Nordwestindien einfallende Arme. Aus dem schönen Panoramablick
auf die Umgebung wurde leider nichts, da es unten zu nebelig war. Auf
dem Auf- und Abstieg saßen alle paar Meter Bettler. Oft fragten mich
Kinder nach meinem Namen und wollten mir die Hand geben. Doch das mit
den Händen ist ein eigenes Thema. Die linke Hand gilt als unrein und
wird zum Auswischen des Hintern verwendet. WC-Papier gibt es nicht. Mit
der rechten wird gegessen, ohne Besteck. Ich habe aber schon öfter
Kinder gesehen, die die rechte zum Auswischen genommen haben. Vielleicht
mache ich es bald wie die Japaner, die sehe ich öfter mit Mundschutz und
Handschuhen herumlaufen.
Gegenüber vom Bahnhof fand ich ein Restaurant in dem es auch Huhn gab.
Ich bestellte nur gegrilltes Huhn mit gekochtem Reis. Das Huhn wurde
aber mit irgendetwas eingestrichen, daß es so scharf war, daß ich das
meiste nicht aß. Der Appetit ist mir aber vergangen als ein Gast genau
hinter mir einen epileptischen Anfall bekam und man ihn danach einfach
am Boden im Erbrochenen liegen lies.
Um 15 Uhr sollte mein Zug abfahren. Obwohl hier der Startbahnhof für
diesen Zug war, kam er erst um 16 Uhr und fuhr um 16,15 Uhr ab. Im Zug
wurde auch ein Gefangener an einer 1 m langen Kette transportiert. Er
war an einen Polizisten gekettet und ein 2.er Polizist mit Gewehr paßte
auf. Mit 2,45 stündiger Verspätung kam ich endlich um 22,45 Uhr in
Jodhpur an und nahm mir gleich beim Bahnhof ein Zimmer. Auf den 250
Metern schliefen sicher an die 50 Obdachlose auf dem Gehsteig. Mußte
aufpassen, daß ich auf keinen draufsteige.
15.12. Jodhpur, sonnig,
22 Grad, Nacht 8 Grad
Jodhpur hat 1,2 Mio. Einwohner und wird nach der Farbe ihrer
Altstadthäuser, blaue Stadt genannt. Die blaue Farbe ist zum Schutz
gegen Termiten oder andere Insektenplagen gedacht. Auf einem steil
abfallenden Sandsteinfelsen erhebt sich über der Stadt die mächtige
Festung "Meherangart". Der jetzige Maharadscha verwaltet seine Festung
ganz nach amerikanischem Vorbild. In einer mehrsprachigen Audioführung
(auch Deutsch) wird man durch das Fort geleitet. Vor dem Ende geht es
noch durch den Souvenir-Shop. Alles sauber und sehr gepflegt. Man
vergißt für einige Zeit daß man in Indien ist. Eine weitere
Sehenswürdigkeit ist "Umaid Bhawan" ein imposanter Maharadschapalast aus
1929. 3.000 Arbeiter haben 16 Jahre daran gearbeitet. Heute beherbergt
er ein Luxushotel und ein Museum. Beim Spaziergang durch die Basare der
Altstadt, in den die jeweiligen Branchen einen ihnen zugeordneten Bezirk
haben, kaufte ich für die nächste Zugfahrt eine Wolldecke um nicht
wieder so zu frieren.
16.12.
Jodhpur-Jaisalmer, Zug 301 km, 3 Euro
Zugfahren ist in Indien sehr billig, aber man braucht viel Zeit und viel
Geduld. Um 6.20 Uhr sollte der Zug abfahren. Er hatte aber 2.5 Std.
Verspätung. Alle Leute haben eine Decke mit, weil die Fenster nicht
richtig schließen und es eiskalt hereinzieht. Die Zugfahrt ging
größtenteils durch die Wüste "Thar", gelegentlich sah ich neben den
Gleisen Antilopen. Der feine Wüstensand wehte durch alle Ritzen des
Waggons. Ich zog mir meine Decke wie die Inder über den Kopf. Mit 95
Min. Verspätung erreichte ich Jaisalmer. Ein Zimmer fand ich in der
Altstadt mitten im Fort in einem " Haveli" einem prunkvollen Herrenhaus
aus honigfarbenem Sandstein aus dem 18. Jahrhundert. Das Zimmer sah aus
wie im Märchen aus 1000+1 Nacht. Die Wände aus unverputztem Sandstein,
reich verzierte Säulen, Türen und Fensterläden aus dem vorigen
Jahrhundert. Dementsprechend stark zog in der Nacht der kalte Wüstenwind
durch die verwitterten und verzogenen Fensterläden. Doch unter 4 Decken
war es im Bett kuschelig warm.
17.12.
Jaisalmer-Jodhpur, sonnig 23 Grad, Zugfahrt 301 km, 8 Euro
Jaisalmer ist über 100 km von der nächsten Stadt und ca. 100 km von der
pakistanischen Grenze entfernt. Sie ist eine Wüstenstadt par excellence
und eines der beliebtesten Reiseziele Indiens alle Teile des Forts sind
aus weichem gelben Sandstein erbaut. Feinsinnig gemeißelte
Sandsteinfassaden säumen die verschlungenen schmalen Gassen. Die
erlesene Sandsteinarchitektur sucht in ganz Indien ihresgleichen. 2.000
Menschen leben innerhalb der Festung. In den Gassen rund um das Fort
gibt es 2 deutsche Bäckereien mit vielen leckeren Sachen. In den Basaren
trifft man viele Dorfbewohner aus abgelegenen Dörfern, die gewaltige
Turbane in den knalligsten Farben tragen.
Pünktlich um 16 Uhr fuhr mein Zug ab - zurück nach Jodhpur. Dieses Mal
hatte ich eine andere Klasse (3A). Bis jetzt hatte ich immer SL (sleeper
class). Es gibt insgesamt 7 verschiedene Klassen. Mir wurde von den
Schalterbeamten immer nur SL angeboten, was mich jetzt noch ärgert. Die
Klasse heute ist zwar doppelt so teuer, aber immer noch spotbillig. Im
Waggon sind fast nur Touristen. Er hat dichte Fenster AC + Heizung. Für
jeden Fahrgast gibt es eine zugeigene Decke + Kopfkissen und ein weiches
Bett. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich eine Strecke mit dem
Nachtzug gefahren.
18.12.
Jodhpur-Ajmer, Zug 244 km, 1,80 Euro, sonnig 23 Grad
Der Zug fuhr pünktlich um 7,15 Uhr ab. In der Zwischenzeit mache ich es
wie viele Einheimische und steige in manchen Stationen aus, um mir die
Beine zu vertreten. Die Lok gibt immer ein lautes Signal bevor es weiter
geht. An einem Stand am Bahnsteig kaufte ich mir so was ähnliches wie
Kartoffelgulasch (sehr scharf), das mit Chapati (ungesäuertes
palatschinkenähnliches Brot) gegessen wird. Serviert wurde es in
Schüsseln aus getrockneten Blättern. An allen Straßenständen werden
solche Schüsseln und Teller verwendet. Was sehr praktisch ist, weil die
Kühe den Abfall fressen. Die Kühe müssen generell einen guten Magen
haben. Ich sehe sie auch Papier, Kartons und Plastik fressen. Unterwegs
setzte sich mal der Schaffner mit seinem Jausenreindl zu mir und bot mir
an, sein Mittagessen (undefinierbares püriertes Gemüse mit Chapati) zu
kosten. Es hat gar nicht schlecht geschmeckt. Am Nachmittag machte ich
mit dem Linienbus einen Ausflug ins 15 km entfernte Puskhar. In Puskhar
und Umgebung gibt es über 500 Tempel und den Puskhar-See der mit 52
Ghats (Treppen) gesäumt ist, eine für jeden rajastanischen Maharadscha.
Auf den Ghat muß man in einer gewissen Entfernung zum See die Schuhe
ausziehen. Aufgrund der Tatsache, daß alle Stufen über und über voll
Taubenkot war, lehnte ich das Schuhe ausziehen ab, daher durfte ich nur
bis auf 40 Fuß zum Wasser. In den Basaren schlenderten viele Touristen,
die zu 95 Prozent Hippies waren. Auch ein Schweizer Wohnmobil habe ich
gesehen. In den Straßencafes wird "Bhang Lassi" angeboten, ein
Joghurtgetränk mit gemahlenen Cannabisblättern. Ich bleibe aber lieber
bei "Chai" (Tee). Der Tee wird an jeder Straßenecke verkauft. Zerriebene
Teeblätter, Milch und Wasser werden in einem Topf aufgekocht, danach
durch ein Sieb gegossen und mit viel Zucker und etwas Ingwer in Bechern,
Gläsern oder in einer Tonschale, die sehr unhygienisch aussieht (wie die
Blumentöpfe bei uns) serviert. Eine Schale kostet meist nur 7 Eurocent.
19.12.
Ajmer-Chittaurgarh, 199 km, Fahrzeit 8,20 Std., sonnig 25 Grad
Bei der Abfahrt um 7 Uhr hatte es nur 8 Grad. das hinausfinden aus der
Stadt war wieder einmal nicht einfach. In den Städten sind die Wegweiser
meist nur in Hindi angeschrieben. Auf den 120 km am 4 spurigen Highway
ist mir 7 mal ein Geisterfahrer entgegen gekommen. Das stört aber
offensichtlich keinen Menschen. Die letzten 30 km hinein in die Stadt
waren verkehrsmäßig die Hölle. Alle 2-3 km ist mir ein Lkw frontal
entgegen gekommen. Da braucht man wirklich starke Nerven um nicht jedes
Mal ins Bankett zu flüchten. Wenn man bedenkt, daß in Indien jährlich
84.000 Menschen bei Verkehrsunfällen sterben, hatte ich einen guten Tag.
In die 90.000 Einwohnerstadt Chittaurgarh verirren sich nur wenige
Touristen. Im Hotel wurde mir erklärt, daß es nur von 6-8 Uhr Früh
warmes Wasser gibt. Für mich machen sie aber eine Ausnahme. 15 Min.
später klopfte es an der Tür und mir wurde ein Kübel warmes Wasser
gebracht. Eigentlich hatte ich mit heißem Wasser aus der Dusche
gerechnet. In einem Straßenrestaurant wo ich zu Abend aß, kam ich mir
wie ein Exote vor. Leute von der Straße kamen einfach ins Lokal, setzten
sich an meinen Tisch und begannen ungeniert mich auszufragen.
20.12.
Chittaurgarh-Udaipur, 132 km, sonnig 26 Grad
In der Nacht hörte ich gelegentlich kratzende Geräusche. In der Früh sah
ich gleich was es war. Mäuse hatten direkt neben meinem Bett ein Drittel
von meinem Frühstücksweckerl aufgefressen.
Den steilen Anstieg zur Festung Chittaurgarh aus dem 13. Jahrhundert
legte ich ohne Gepäck zurück. Die majestätische Anlage auf einem 185 m
hohen Hügel ist 5 km lang und 2 km breit. Sie war die stärkste Bastion
des hinduistischen Widerstands gegen die moslemischen Invasoren.
Nach einer Besichtigungsfahrt durch die Anlage holte ich aus dem Hotel
mein Gepäck und machte mich auf Richtung Udaipur. Nach gut 20 km begann
mein rechtes Pedal zu quietschen und kurze Zeit später zerlegte es sich.
Ich hatte das Pedal am Fuß und die Pedalachse steckte in der Kurbel. Zum
Glück hatte ich eine passende Mutter und eine spitze Zange mit und
konnte es ohne den verlorenen Kugeln notdürftig zusammenschrauben.
Da hier wie bei uns Winter ist, sind die meisten Felder abgeerntet. Nur
der Raps blüht und die Reisfelder werden gerade bepflanzt. Heute ist mir
eine Gruppe Männer am Highway zu Fuß entgegen gekommen. Der Anführer war
splitternackt. Ich habe auch schon mal einen Pilger gesehen, der immer
nur 2 Schritte ging, sich dann ausgestreckt auf die Straße legte und
wieder 2 Schritte. In den Städten rollen sich gelegentlich behinderte
Männer im Schmutz auf der Straße vorwärts und stoßen eine Blechschüssel
vor sich her.
Am späten Nachmittag erreiche ich Udaipur (800.000) Einwohner, mein
letzter Stopp in Rajastahan und das Ende meiner Radtour. Auf den 800 km
bis Mumbai (Bombay) gibt es keine touristischen Sehenswürdigkeiten und
dadurch auch kaum Hotels. Da ich nicht mehr allzu viel Zeit habe und
auch noch in die Wärme und ans Meer möchte, werde ich bis Mumbai fliegen
und das Rad dort lassen. Die bergigen 750 km bis Goa werde ich mit dem
Zug fahren.
21.12.
Udaipur, sonnig, 26 Grad
Mit Hilfe des Bruders eines Hotelangestellten lies ich mein Rad in einem
Basar für den morgigen Flug verpacken. Das war natürlich für die extrem
neugierigen Inder eine Sensation. Von allen Seiten strömten immer mehr
Menschen herbei um alles genau zu beobachten. Zuerst klebte ich Kartons
rund ums Rad, danach wurde es in einen Jutesack eingenäht. Danach wurde
ein Lastenträger angeheuert und er brachte das Packet auf seinem
Handkarren ins 1 km entfernte Hotel. Unterwegs hielt er an 2 Tempeln, um
kurz zu beten.
Udaipur erstreckt sich am Ufer des Pichola-See und ist von
buschbedeckten Hängen umgeben. Angeblich eine der malerischsten Städte
Indiens. Der Stadtpalast besteht aus 11 Palästen und erstreckt sich
entlang des Seeufers. Er bildet den größten hoheitlichen Baukomplex von
ganz Rajasthan. Der Blick auf die Paläste und die Uferfront bei
Sonnenuntergang hinterließ vom Boot aus einen nachhaltigen Eindruck.
22.12.
Udaipur-Mumbai (Bombay), sonnig 27 Grad, Flug 800 km,
Nach einem ausgiebigen Frühstück in einer deutschen Bäckerei und Bummel
durch die Basare, bin ich mit einem Taxi zum 25 km entfernten Flughafen
gefahren. Das Verladen des Rades in den 21 Jahre alten Ambasator erregte
wieder großes Aufsehen. Das Paket mit dem Rad paßte nur zur Hälfte in
den Kofferraum. Der Kofferraumdeckel wurde mit einem Schal
niedergebunden und es ging los. In den schmalen Gassen der Altstadt gab
es aber fast kein Weiterkommen. Mal versperrten Kühe den Weg, dann ein
Elefant und unzählige Motorräder und Rikschas. Am Check-in waren alle
sehr freundlich und ich mußte für das Rad nichts extra bezahlen. Auf dem
kurzen 75 min. Flug mit einer Boing 320 gab es ein komplettes 3 gängiges
Menü.
Ich habe ein Hotel 5 km vom Flughafen entfernt gewählt. Leider ist es
eine richtige Bruchbude. Trotzdem ist es mehr als doppelt so teuer wie
die Hotels bisher. Mit dem verpackten Rad hatte ich aber keine
Möglichkeit mich nach einem schöneren Zimmer umzusehen. Das Warmwasser
zum Duschen wurde wieder im Kübel gebracht.
23.12. Mumbai, 32 Grad, sonnig
In der 16 Mio. Einwohnermetropole wimmelt es von Menschen und der
Unterschied zwischen Arm und Reich ist stark zu sehen. In einer
Straße sind Designer Boutiquen und ein paar Gassen weiter leben
unzählige Menschen auf der Straße und kämpfen ums nackte Überleben.
Ein Drittel der Stadtbevölkerung lebt im Elend inmitten der größten
Slums von ganz Asien. Gleich in der Nähe meines Hotels ist eine
Stadtbahnstation. Die 20 km ins Zentrum waren nicht einfach. Zuerst
bin ich in ein Abteil für Behinderte eingestiegen. Die Fahrgäste
belehrten mich gleich, daß ich mit 500 Rupien Strafe rechnen muß. So
stieg ich in der nächsten Station in ein anderes Abteil um. Das war
aber so überfüllt, daß einige Fahrgäste im Freien hingen, um dem
Gedränge im Inneren zu entgehen. Ich bin noch nie so viel bedrängt,
geschubst und brutal gestoßen worden wie hier. Man kann es gar nicht
beschreiben. An jeder Haltestelle wollen Dutzende aussteigen und
können sich nur mit Gewalt durchboxen, weil gleichzeitig genau so
viele wieder hinein wollen. 3 Stationen vor dem Aussteigen mußte ich
mich schon Richtung Ausgang drängen, um auch wirklich hinaus zu
kommen. Fragen haben es etwas leichter, für sie gibt es ein eigenes
Frauenabteil.
In der Innenstadt gibt es viele prunkvolle viktorianische Gebäude.
Ein besonderes Prunkstück ist der Bahnhof "Viktoria Terminus" und
der "Gateway of India". Vor diesem honigfarbenen Arc de Triumphe
legten die letzten Schiffe mit britischen Truppen ab. Ich spazierte
wieder dem Meer entlang zu den "Sassons Docks". Hier legen die
Fischerboote an. An die 80 Frauen waren gerade damit beschäftigt,
Berge von Garnelen auszulösen. Der penetrante Gestank vertrieb mich
aber bald wieder. Auf dem Weg zurück fand ich einige feine
klimatisierte Konditoreien mit Torten wie bei uns zu Hause. In einem
kühlen Lokal konnte ich mich von der drückenden schwülen Hitze ein
wenig erholen. Im Moment macht mir das ungewohnte Klima
kreislaufmäßig schwer zu schaffen.
24.12.
Mumbai-Benaulim (Goa) Zug, 750 km
Den 24. Dezember verbrachte ich zum größten Teil im Zug. Die Fahrt nach
Goa dauerte 12 Stunden, war aber landschaftlich sehr schön und
abwechslungsreich. Es ging durch viele Tunnel, da die Strecke sehr
hügelig bis bergig ist. Um 23 Uhr kam ich in Madgaon an. Die Taxifahrer
am Bahnhof verlangten für die Fahrt in den 7 km entfernten Badeort
Benaulim Fantasiepreise. Ein Inder bot sich an, mich ums halbe Geld mit
dem Motorrad zu fahren. Ganz geheuer war mir die Sache zwar nicht, aber
ich lies mich darauf ein. Zuerst ist das uralte Motorrad ewig nicht
angesprungen, dann ist dauernd das Licht ausgefallen und am Ende hat er
das Hotel nicht gefunden. Ich mußte selbst einige Male nach dem Weg
fragen. Schlußendlich war ich um Mitternacht am Ziel.
Da Goa lange Zeit portugiesische Kolonie war gibt es hier viele Kirchen
und Katholiken. Nach der Mitternachtsmette folgte ein Feuerwerk und
anschließend wurde bis in den Morgen gesungen und getanzt.
25.12.
Benaulim-Colva, 32 Grad
Endlich angenehmes Klima, 32 Grad, nachts 20 Grad und das Meer hat 28
Grad. Weißer Sandstrand und jede Menge Strandhütten die frischen Fisch
in allen möglichen Zubereitungsarten anbieten, so läßt es sich zu
Weihnachten gut leben. Eigentlich fehlt mir zum perfekten Glück nur mehr
meine Christine. Das einzig Negative ist, daß so gut wie alle Hotels
ausgebucht sind und ich schon nach 1 Nacht wieder umziehen muß. Zu
meinem Glück hat die nette und hilfsbereite Hotelbesitzerin im
Nachbarort Bekannte die noch ein Zimmer frei haben. Dort bekam ich ein
schönes Zimmer mit AC. Die meiste Zeit des Tages verbrachte ich mit
schwimmen, gut essen und faulenzen.
26.12.
Colva-Palolem-Colva, Ausflug mit dem Motorrad, 99 km
Nach längerem Suchen fand ich einen Vermieter der gerade noch 1 Honda
(100cm3) frei hatte. Die Miete war sehr günstig. 5 Euro für 1 Tag. Auf
einer landschaftlich sehr reizvollen, jedoch sehr bergigen Nebenstraße
fuhr ich nach Palolem, ein Küstenort ganz im Süden von Goa. Laut
Reiseführer ist dort der paradiesischste Sandstrand des indischen
Subkontinents. Die von Kokospalmen gesäumte Bucht beschreibt einen
perfekten Halbmond aus goldgelbem Sand. Die meisten Unterkünfte befinden
sich gleich am Strand und sind aus einfachen Palmblätter geflochtene
Hütten oder Baumhäuser. Der Ort ist ein bevorzugtes Ziel unabhängiger
Traveller und im Moment absolut überlaufen. Das Meer war zum schwimmen
super aber zum längeren verweilen ist mir der weiße Sandstrand in Colva
lieber.
27.12.
Colva-Calengute-Anjuna-Arambol-Colva, Motorradausflug 177 km, sonnig 33
Grad
Noch ein paar Worte zu Goa. Mit 1,3 Mio. Einwohnern ist Goa der kleinste
Bundesstaat Indiens. Bis 1961 befand sich Goa in portugiesischer Hand.
Die Portugiesen hinterließen viele weiß getünchte Kirchen (bis jetzt
habe ich außer in Mumbai noch keine gesehen).
Auch die goanische Küche mit Fleisch und Fisch ist einzigartig in
Indien.
Heute habe ich mit dem Motorrad die Badeorte im Norden erkundet. Die
Orte haben allesamt mit Indien nicht mehr viel zu tun. Die Touristen
sind in der Überzahl und die Orte könnten genauso gut in der
dominikanischen Republik oder sonst wo in der Karibik sein.
Calengute war jedoch sehr interessant. Auf einem Abschnitt am Strand
waren tausende indische Touristen auf engstem Raum. Da die meisten
gestanden sind hatten noch mehr Platz. So etwas hatte ich bisher noch
nie gesehen. Die Frauen gehen mit ihren wunderschönen bunten Saris ins
Wasser. Die Männer in Bade- oder Unterhosen. Sie können wahrscheinlich
auch alle nicht schwimmen weil sie sich nur im seichten Wasser
aufhalten. Ich hätte stundenlang zusehen können. Ein paar Meter weiter
braten die dicken, fetten, krebsroten, weißen Pauschaltouristen in der
Sonne.
In Anjuna und Arambol sind offensichtlich noch einige Hippies aus den
70er Jahren hängen geblieben. An den Straßenständen, die sich dicht
aneinander reihen, werden Schmuck, Souvenirs und Kleider, die sich
wahrscheinlich zu Hause keiner zu tragen traut, angeboten.
Am Straßenrand ein frisch gepreßter Zuckerrohrsaft und ein gegrillter
Red Snapper bei Sonnenuntergang in einer Strandhütte ließen den Tag
angenehm ausklingen.
28.12.
Colva, 32 Grad sonnig
Den ganzen Tag faul im Schatten am Strand gelegen. Praktisch ist, daß
jede Strandhütte kostenlos Liegestühle und Sonnenschirme zur Verfügung
stellt. Lästig sind aber die unzähligen Verkäufer und Bettler, die einen
alle paar Minuten nerven. Sie gehen den Strand auf und ab und jeder
Einzelne kommt an die 10 mal am Tag vorbei und nervt.
Am Abend habe ich mir einen köstlichen gegrillten Kingfisch mit
Knoblauch, gekochtem Gemüse und Pommes für 1,40 Euro schmecken lassen.
29.12.
Colva-Ponda-Colva, Motorradausflug, 97 km
Die hügelige Umgebung von Ponda beherbergt in ihren üppigen Tälern und
Wäldern einige Hindu-Tempel aus dem 17. und 18 Jhd. aus der Zeit als die
Region ein christenfreier Zufluchtsort für, vor den portugiesischen
Verfolgern fliehenden Hindus war. Bei dem ständigen bergauf und bergab
bin ich froh mit dem Motorrad unterwegs zu sein. Die Landschaft ist
wunderschön. Ständig geht es durch Wälder, Reisfelder, Palmenhaine und
durch kleine Dörfer. Vom Tourismus merkt man hier nichts mehr. Nur an
den größeren und bekannteren Tempelanlagen traf ich auf einige Weiße.
Bei einer Anlage gibt es für Pilger auch eine Ausspeisung und die
Einheimischen luden mich dazu ein. Ich bin froh, daß nach 3 Wochen
Durchfall mein Verdauungstrakt wieder in Ordnung ist und lehnte daher
dankend ab.
30.12.
Colva-Baga, Bus ca. 70 km
Mein Ortswechsel an die Strände von Nord-Goa war doch nicht so einfach
wie zuerst gedacht. Da ich 3 mal in einen anderen Bus umsteigen mußte,
habe ich für die ca. 70 km 5 Std. gebraucht. Aber ein schönes Zimmer,
der weiße Sandstrand und zum Sonnenuntergang King-Prawns in
Knoblauchsoße mit einem kühlen Kingfischer-Bier, begleitet vom
Meeresrauschen in einer Strandhütte, haben mich die Umzugsstrapazen
schnell vergessen lassen.
31.12.
Baga-Old Goa-Baga, Motorrad 75 km
Die ehemalige Hauptstadt von Goa wurde von der UNESCO in die Liste des
Weltkulturerbes aufgenommen. Heute ist von der Pracht der damals mehrere
hunderttausende Einwohner zählenden Stadt Old Goa nicht mehr viel übrig.
Die gigantischen Fassaden und vergoldeten Altäre der vielen gut
erhaltenen Kirchen ziehen viele Touristen an. Die indischen Pilger
kommen um die sterblichen Überreste des heiligen Franz Xaver (ein
legendärer Missionar aus dem 16. Jhd.), die in der ´Basilika of Bon
Jesus´ aufbewahrt werden, zu sehen.
Silvester verbrachte ich am Strand. Die unzähligen Strandhütten waren
alle weihnachtlich geschmückt und mit bunten Lichterketten beleuchtet.
Einige hatten ein Lagerfeuer angezündet und beim Feuerwerk zum
Jahreswechsel wußte ich gar nicht in welche Richtung ich schauen sollte.
Es war unbeschreiblich schön und ein unvergeßliches Erlebnis, Silvester
bei 23 Grad in kurzer Hose am Strand zu feiern.
1.1.2008
Baga
Sonne, Strand, Meer und gutes Essen bei 33 Grad. Ein guter und
erholsamer Start ins neue Jahr.
2.1.
Baga-Panjim-Baga, 33 Grad, sonnig, heiß, Ausflug mit Linienbus
Panjim, die Hauptstadt des Bundesstaates an der Mündung des Mandovi,
wirkt angenehm provinziell. In den Seitenstraßen des alten Viertels
"Fontainhas" hat sich eine portugiesische Atmosphäre erhalten, mit bunt
getünchten Häusern, katholischen Kirchen, portugiesischen Straßennamen
und ebensolche Familiennamen an den Häusern. am Markt habe ich zum
ersten Mal in Indien Wurst (Paprikawurst) gesehen. Sie war aber so
scharf, daß ich es bei einer Kostprobe beließ.
3.1. Barga
Faulenzen am herrlichen Sandstrand und Sonne tanken. Wie ich höre, gibt
es zu Hause ja im Moment keine zu sehen. Anscheinend macht sie hier
Urlaub.
4.1. Barga
- Mumbai, Zug
Eigentlich hätte ich ein Zugticket für den Tagzug um 6 Uhr Früh gehabt.
Machte mir aber Sorgen, daß ich um 5 Uhr Früh vielleicht kein Taxi zum
Bahnhof finde. Habe das Ticket (6 Euro) verfallen lassen und mir ein
last-minute Ticket in einer besseren Klasse (4 Bett AC) gekauft. Dadurch
habe ich einen Badetag gewonnen und mir eine Nacht in dem schmuddeligen
Hotel in Mumbai erspart, wo ich mein Rad und einen Großteil meines
Gepäcks deponiert habe. Meine Befürchtung wegen dem Taxi bestand wie ich
gesehen habe zu Recht. Das Motorrad-Taxi mit dem ich am Vortag was
ausgemacht hatte ist nämlich nicht gekommen. Am Nachmittag war das aber
kein Problem, es war sofort ein anderes zur Stelle. Im Zug habe ich eine
Decke, 2 Leintücher, Polster, Handtuch und Seife bekommen. Leider habe
ich oben genau beim Auslaß der Klimaanlage geschlafen und mir war sehr
kalt.
5.1.
Mumbai
Nach 12 Std. um 6.30 Uhr in Mumbai am Hauptbahnhof angekommen. Da mein
Hotel weit außerhalb liegt, habe ich mein Gepäck in die
Gepäck-Aufbewahrung gegeben (24 Std. 0,17 Euro), gefrühstückt und als es
hell war, bin ich durch die erwachende Stadt gewandert. Am Gate of India
kaufte ich für die erste Fähre nach Elephant Island ein Ticket. Nach 1
Std. Fahrt durch den Hafen von Mumbai erreichten wir die Insel. Sie wird
täglich von tausenden lärmenden Tagesausflüglern überschwemmt, die
kommen um die beeindruckenden Höhlen (8. Jhd) zu sehen. Sie sind über
100 Stufen, die gesäumt von Souvenirständen sind, zu erreichen. Der
Eintritt für Ausländer ist nicht gerade billig (5 US). Ich war der Erste
oben und konnte so in Ruhe die große Höhle, in der sich ein Shiva-Tempel
befindet, ansehen. Die Höhle beherbergt riesige aus Stein gehauene
Säulen und Götterfiguren. Die größte ist 6 Meter groß. Danach wanderte
ich zum höchsten Punkt der Insel, um die Aussicht zu genießen. Die
zahllosen wilden Hunde bereiteten mir einige Probleme. Aber mit einigen
gezielten Steinwürfen konnte ich sie vertreiben. Leider ist die ganze
Insel mit seinem schönen Wald mit Abfall übersät. Auch im Hafenbecken
schwimmt alles nur erdenkliche. Die Inder lassen leider alles fallen was
sie nicht mehr brauchen. Es gibt zwar manchmal Mülleimer, die aber nicht
benutzt werden. Am Nachmittag war ich noch in der so genannten Fashion-Street einkaufen. Sie ist auf nachgemachte Designerware spezialisiert.
Für ein Adidas-Polo habe ich 2 Euro bezahlt. Marken-Sportschuhe gab es
für 12,50 Euro. Eine Lesebrille inkl. Hülle hat 0.80 Euro gekostet. Die
Fahrt ins Hotel mit der S-Bahn ist fast nicht zu beschreiben. Wenn man
das Glück hat hinein zu kommen, ist man so eingekeilt, daß man sich
nicht bewegen kann. Das aussteigen war ein brutaler Kampf. Da darf man
nicht zimperlich sein.
6.1.
Mumbai
Das Zentrum kenne ich nun schon zur Genüge, darum habe ich mir zum
Abschluss den schicken Vorort Juhu angesehen. Er liegt direkt am arab.
Meer und ist nicht so hektisch wie das Zentrum. Mit Palmen, schicken
Appartementblocks, teuren Hotels und Designerboutiquen soll er Mumbai
Antwort auf den Sunset Boulevard sein. Meiner Meinung nach hat er aber
nicht im Entferntesten damit zu tun. Der Strand ist mit Müll stark
verschmutzt u. an Sonnenbaden und Schwimmen ist nicht zu denken. Einzig
der prunkvolle Hare Krischna Tempel aus weißem Marmor hat den Ausflug
gelohnt. Nach dem Mittagessen in einem einheimischen Restaurant gab es
wieder mit der Rechnung eine kleine Schale Anis u. eine kleine Schale
groben Zucker. Man gibt sich von Beidem ein wenig auf die Handfläche,
vermischt es und ißt es. Wahrscheinlich ist das so was ähnliches wie
Zuckerlersatz. Es schmeckt gar nicht so schlecht.
Beim S-Bahnfahren bin ich nun schon ein Profi u. die brutalen
Drängereien machen mir richtig Spaß.
Das Einchecken am Flughafen, die mehrmaligen Sicherheitskontrollen, der
Zoll u. das Einsteigen ins Flugzeug waren nichts für schwache Nerven. 3
x wurde das Gate gewechselt u. jedes Mal 20 Min. Anstehen mit drängenden
Indern auf Körperkontakt. Die Behörden u. das Flughafenpersonal sind
unglaublich kompliziert und bürokratisch. Aber das wußte ich ja schon
vom Konsulat in Wien, als ich mein Visum beantragte u. abholte. Den
Radtransport mußte ich in Rupies bezahlen u. Kreditkarte wurde keine
genommen. Ich kam mir wie ein Verbrecher vor, als ich von einem
Sicherheitsmann zu einem Geldautomaten außerhalb des Flughafens geführt
wurde.
7.1.
Istanbul
Der Flug mit Türkisch Airlines von Mumbai bis Istanbul dauerte 6 Std. 40
Min. danach 6 Std. Aufenthalt im Transitbereich des Flughafens u.
anschließend Weiterflug (2 Std. 20 Min) nach Wien.
Auf dem Flug Istanbul - Wien war das Flugzeug zu 80 % mit kurdischen
Bauern gefüllt. Jeder hatte soviel Handgepäck mit wie er tragen konnte.
Einige kamen mit 5 Liter Kanistern an Bord u. im EU-Raum darf man nicht
einmal 1 Dose Cola mit an Bord nehmen.
Das Catering wird von Do & Co gemacht u. das Essen war wirklich
hervorragend.
Indien ist ein interessantes Reiseland. Die Menschen sind sehr
hilfsbereit, freundlich und ehrlich. Man kann sich Tag u. Nacht ohne
Furcht überall bewegen. Wer aber 14 Tage in einem Strandhotel in Goa
Pauschalurlaub macht, wird vom wahren Indien nicht viel zu Gesicht bekommen.
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